186 Neuere Fortschritte des Fabrikinaschinenwesens.
Formänderung unbeschädigt annehmen würde. So sind in Frankreich (von ThomaS1833 und Stevenaux 1835) Schraubenpressen zur Herstellung von Pfannen undCasserolcn aus Eisenblech erfunden worden. Verwandt damit ist eine andere Ma-schine von Dupre in Paris (1839), um die zinnernen Kapseln zu verfertigen, wo-mit man jetzt Champagncrflaschen, Pomadebüchsen u. s. w. zu verschließen pflegt;ferner das in noch kleinerm Maßstabe ausgeführte Prcßwerk, auf dem aus kleinernKupferblechscheibchen die Zündhütchen zu den Percussionsgewehren gemacht werden.
Fall- und Preßwerke finden auch Anwendung zu gewissen Bearbeitungen desBlechs, wobei nur ein Biegen desselben ohne Streckung beabsichtigt wird; in neue-rer Zeit sind mehre derartige Vorrichtungen aufgekommen. So wird das alsDachdcckmaterial, zu Wänden, die im Freien stehe» und dgl., seit einigen Zäh-ren viel gebrauchte gereifte Eisenblech (verzinntes Eisenblech, dessen Steifheit durchwellenförmige Biegungen erhöht ist) in England mittels eines schweren Fallwerksgestampft. Diese Maschine enthält einen ungeheuren Gußciscnklotz von der Längeder Vlechtafeln (etwa fünf Fuß), an welchem unten der Oberstempel sich befindet.Auf den ebenfalls gußeisernen Unterstempel wird das Blech gelegt; er ist mit zweiRippen versehen, welchen rinnenartige Furchen im Oberstcmpek entsprechen. DerFallkloh wird von zwei Arbeitern durch Kurbeln, Zahnstange, Rad und Getriebeauf ungefähr 18 Zoll Höhe gehoben, dann dem freien Falle überlassen. Eine Knie-hebelpresse zum Krümmen der Wagensedcrn oder anderer Stahl- oder Eiscnschienen,welche dabei zwischen zwei entsprechend gestaltete Gußeisenblöcke gelegt werden, er-fand Turton in Sheffield 1848; eine Presse, um dickes Eisenblech zur Gestalt run-der oder eckiger Rinnen und dgl. zu biegen, wie man sie bei verschiedenen Eisencon-structionen benutzt, rührt von dem Franzosen Lemaitre her (ebenfalls 1848). Vonden Stoßwerken und Druckpressen in ihrer besondern Anwendung zum Münzenprä-gen wird weiter unten, bei Besprechung der Münzmaschinen, die Rede sein.
Rietmaschinen.
Bei Verfertigung der Dampfkessel und anderer großer Behälter aus Eisen-oder Kupferblech geschieht die Vereinigung der (vorläufig in der erfoderlichen Weisegebogenen) Platten durch Vernieten. Die mit regelmäßigen Löcherrcihcn versehenenRänder werden übereinander gelegt. Man schiebt durch jedes Loch ein Niet (einenstumpfen rundköpfigen Nagel), sodaß dessen Kopf aus der Innenseite des Kesselssich befindet, und formt nun auch das äußere Ende vermittelst starker Hammer-schläge zu einem Kopfe. Diese sehr beschwerliche und zeitraubende Arbeit durcheine Maschine verrichten zu lassen, ist in der neuesten Zeit mehr und mehr ge-bräuchlich geworden, und fast alle großen Werkstätten bedienen sich bereits der Niet-maschine. Diese wirkt durch Druck, vermeidet also das betäubende Getöse, welchesbeim Nieten mittels des Hammers stattfindet. Der an dem Niet vorhandene Kopfwird in die passende Vertiefung eines stählernen Stempels gestützt; ein zweiter ähn-licher Stempel wird mit sehr bedeutender Kraft gegen das andere Ende des Nietsgepreßt, und auf einen einzigen Druck ist der zweite Kopf gebildet. Beim Nietender Dampfkessel durch Handarbeit können drei erwachsene Arbeiter und ein Knabe(welcher die glühenden Nieten zuträgt) in einer Stunde 30—40 Nieten von ^/, ZollDicke einsetzen und fertig machen; mit der durch Dampfkraft getriebenen Nictma-schine, von nur zwei Arbeitern und einem Knaben bedient, erreicht man stündlichdie Zahl von 360—480 Nieten, also mindestens das Zwölffache der Leistung.
So viel bekannt, hat Fairbairn in Manchester die erste Nictmaschine im Jahre1838 zu Stande gebracht; er selbst verbesserte sie einige Jahre später bedeutend.In Frankreich ist von den Brüdern Schneider zu Crcuzot die Fairbairn'sche Ma-schine seit 1843 oder 1844 nachgebaut und ebenfalls mit Verbesserungen versehen,von Lemaitre in Paris 1844 eine mehr abweichende Bauart erdacht worden. Letz-terer erfand zugleich eine Maschine von besonderer Einrichtung zum Nieten der Röh-ren. Statt den Nielstempel vermittelst eines Hebels oder Hebelwerks in Bewegung