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Achter Band.
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240 Die Freie Stadt Bremen.

gerichtsverfahrcn für politische und Preßvergchen u. s. w. Außerdem wurden dieDeutschen Grundrechte in Bausch und Bogen als gültig anerkannt. Nach Jahr undTag war die Verfassung fertig. Der Senat machte noch einen Versuch, hier und daeine Bestimmung conservativer zu fassen, gab es indessen auf, als die Bürgerschafteinmal Nein sagte, und am 8. März 1849, am Jahrestage der Revolution, ward die. Urkunde des Grundgesetzes auf der Nathhaushalle von den Präsidenten des Senatsund der Bürgerschaft unterzeichnet, und diese feierliche Handlung durch einen Gottes-dienst im Dome dem Segen des Himmels anempfohlen. Eine Beschwörung derVerfassung fand nicht statt.

Nach gemeinschaftlicher Vereinbarung blieb der alte Senat in Function; einTheil der Senatoren trat ins Richtercollegium über, und durch Todesfälle und Aus-tritte sank die Zahl der übrigen noch im Jahre 1849 bis auf 16 herunter. Dieeonstituirende Versammlung aber löste sich auf, und es ward alsbald zur Wahl einerneuen Bürgerschaft geschritten. Der Ausfall derselben zeigte, daß seit 1848 ein be-deutender Umschwung in der Einwohnerschaft stattgefunden hatte.

Die Demokratie hatte, wahrend ihre Freunde in der Constituante in der Mi-norität blieben, die Zeit benutzt, sich zu organisiren. Ihre Führer hatten angefan-gen, mit den Demokraten der andern deuischcn Staaten Verbindungen anzuknüpfenund deren weiter aussehende Plane sich anzueignen. Man ward sich klarer über dieZiele, welche die große Nevolutionsbewcgung verfolgte, und nahm die Tendenzen derfrankfurter Linke» und der Märzvereine in die ursprünglich mehr localen Programmeauf. Ein Theil der Demokratie, die Handwerkerpartei, machte darin mehr die Modemit; einem andern Theile wurden die specifisch-bremischen Verhältnisse mehr undmehr zur Nebensache. Bald schieden sich diese Richtungen auch äußerlich. Nebendem Bürgervcrcin constituirle sich ein demokratischer Verein, welchem die unterstenSchichten der Bevölkerung, Cigarrenarbeiter, Gesellen u. s. w. zuströmten. Indessenblieben beide Vereine äußerlich in freundschaftlichem Einvernehmen und operirten beiWahlen und ähnlichen Gelegenheiten nach gemeinsamen Plänen. Im Laufe derZeit gewann indeß die äußerste Linke mehr und mehr das Übergewicht; sie hattegrößere Massen auf ihrer Seite, und die Zahl war ja durch die neue Verfassungdie einzige Macht im Staate geworden. Die Männer des Bürgcrvcrcins geriethenallmälig in Abhängigkeit vom Demokratischen Verein, dem sie gehorchen mußten, wennsie nicht alle Geltung verlieren wollten. Auf diese Gestaltung der Dinge hatte na-mentlich ein Mann großen Einfluß, dessen Name in der letzten Zeit eine gewisseBerühmtheit erlangt hat, Rudolf Dulon. Dieser Mann, welcher als orthodoxerPrediger in einem obscurcn preußischen Dorfe seine Laufbahn eröffnet, später in Magde-burg sich zur rationalistischen Richtung gewendet hatte, war im Sommer 1848 vonder rationalistischen Partei der Liebfraucngcmcinde zu Bremen zum Pfarrer gewähltworden. Viele in politischen Dingen streng conservative Männer betrieben diese Wahlmit solchem Eifer, daß sie, um dieselbe zu ermöglichen, selbst eine Abweichung vonden gesetzlichen Vorschriften der Gemeindestatuten erzwängen. Es dauerte nicht lange,so war Dulon der Mittelpunkt des gestimmten Naturalismus im nordwestlichenDeutschland. Statt eines rationalistischen Predigers hatte man, wie man mit Schreckengewahrte, einen socialistischen Pantheisten und politischen Agitator auf die Kanzelgeführt. Mit jenem rhetorischen Posanncntone, welcher auf Ungebildete immer denmeisten Eindruck macht, predigte Dulon in der Kirche wie in den Kneipen der de-mokratischen Vereine das neue Evangelium von der Tugend und Herrlichkeit desarmen Mannes, von der Vcrruchthcit der Besitzenden und von der Tyrannei derPfaffen und Fürsten. Solche Lehren und solche Feuerwortc hatten die Meiste» »><gehört. An ihrer Wahrheit zweifelte man um so weniger, als Dulon es sehs 6"^verstand, für schwächere Gemüther die furchtbaren Conscquenzen seiner Humanität»-religion hinter blumige Phrasen von Liebe, Glück und Brüderlichkeit zu verstecken-Zudem war er Prediger, und vor dem geistlichen Talarc hat in Bremen der g 'meine Mann noch eine traditionelle Ehrfurcht. Die kirchliche Phraseologie w