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Achter Band.
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Die Freie Stadt Bremen.

weislich beibehalten, um die Unkundigen zu täuschen, und der Krieg der Armen gegendie Reichen ward mit Bibelsprüchen gerechtfertigt. Der Zulauf zu ihm war unge-heuer; wenn er predigte, faßte die Kirche die Zahl der Zuhörer nicht. Im Bür-gervereine und im Demokratischen Vereine horchten Tausende, wenn er sich erhob,um den „Gedrückten" und „Geknechteten" auseinanderzusetzen, daß sie die „Ari-stokraten" hassen müßten, um „das Reich Gottes" zu fördern. Den Dienstboten,den Arbeitern, den Handwerkern bewies er sonnenklar, daß sie von ihren Herrschaften,ihren Patronen, ihren Kunden geschunden und ausgebeutet würden. Im Bürger-verein donnerte er mehr gegen Fürsten und Diplomaten; im Demokratischen Vereinwurden Kaufleute, Fabrikherrcn und Geldsäcke im Allgemeinen verwünscht; auf derKanzel vereinte er die Wetter seiner Bcrcdtsamkeit wider alle bestehenden Mächte derWelt. Um in noch weiter» Kreisen wirken zu können, begründete er ein politischesJournal, „Die Tageschronik", deren Farbe dem Inhalt seiner Reden entsprach, undan welcher Rüge von London aus eifrig mitarbeitete. Dazu kamen die beiden Bände"Von, Kampfe um Völkcrfreihcit", deren leidenschaftliche Prosa zahllose Leser in.2auz Norddentschland, bis in die Hütten des Landvolks fand.

^ Wenn schon die Dulon'schcn Agitationen eine Verständigung zwischen den ver-^ebenen Classen der Bevölkerung sehr erschweren mußten, so trug zur gegenseitigenErbitterung noch sehr wesentlich die Art und Weise bei, wie die Massen bei der Aus-wahl ihrer Führer zu Werke gingen. An der Spitze des Demokratischen VcreinSstand ein Mann, dessen Vergangenheit manchen Anstoß erregen, uüd dessen Wirk-samkeit als Leiter von der Partei selbst zurückschrecken mußte. Dulon trug in-^ dessen kein Bedenken, sich mit Johannes Nösing zu verbünden. Die Wahlen vonbrachten eine durchaus demokratische Majorität in die Bürgerschaft. . Dieersten Wahlen dieser Corporation bekundeten den Sieg der Partei: Fcldmann^urd znm Senator, zwei dcmokratisirende Advocatcn wurden zu Richtern erwählt,^icht die Tüchtigkeit entschied, sondern die zur Schau getragene politische Farbe,f-me wesentliche Stütze der Demokratie bildeten die Bauern, welche man, wieIchon erwähnr, durch ein sehr Vortheilhaftes, aber durchaus ungerechtes Ablö-lungsgesetz kirrte. Die Linke, verstärkt durch Dulon, begann jetzt einen syste-matischen Kampf gegen den Senat und die altbrcmischen Elemente. Nösing, alsFällst von der Wählbarkeit ausgeschlossen, secundirte aus den Tribünen und in denClubs. Wen» es Dulon mehr um die Förderung revolutionärer Principien im All-gemeinen zu thun war, so fanden sich in Bremen selbst verkommene und zerrütteteExistenzen genug, welche die Vaterstadt selbst zum Gegenstände ihres Ehrgeizes mach-ten. Man fing zuerst an, alle Deputationen mit Demokraten zu besetzen; nur woMan der Geschäftskunde alterfahrcner Bürger gar nicht entbehren konnte, duldeteMan „aristokratische" Mitglieder. Aristokratisch aber hieß Jeder, der bei aller Frei-sinnigkeit und Liebe zum Volke nicht unbedingt den Geboten des unsichtbaren dcmv-> kratischcn Centralconüte gehorchte. Mehr als alles Andere trug dieses Verfahrenzur Erbitterung der Gemüther bei. Verwaltungen, welche man in den Händen derangesehensten Bürger zu sehen gewohnt war, sielen jetzt an die obscursten Neulinge,Mit Theil an eben eingcwandertc Leute, manchmal an anrüchige Personen. DerStaat sah sich der Gefahr ausgesetzt, sein bestes Kleinod zu verlieren, jenen unschätz-Kren Eememgelst, welcher bisher seine gebildeten und wohlhabenden Classen zumAufopfernden Dienste für die öffentlichen Angelegenheiten getrieben, welcher es mög-V gemacht hatte, die Zahlung der Steuern den vornehmsten Steuerzahlenden alsk>visst„ssachx zu überlassen. So sehr verschroben die Verhältnisse sich, daß in einemKlagte, welcher ausschließlich vom Handelsverkehr lebt, das Wort eines aus der«Milde berufenen Pfarrers und eines lübcckischcn Tischlers mehr wog als das Vo-Um der gesammtcn Kaufmannschaft. Denn die gestimmte Kaufmannschaft, Jndlffc-"»te, Liberale, Reactionärc, Pietisten und Nationalisten, der gesammtc Gclehrten-l "and bildeten dieser Majorität gegenüber nur eine einzige Partei.

I Die Vcgciinuirt- VIII. 16