Großbritannien. 337
bracht zu werden, obgleich am 7. Juni die dritte Lesung mit 226 gegen 168 Stim-men angenommen ward. Es kann darum hier nur im Allgemeinen bemerkt werden,daß der Kern und Begriff der Frage für England viel wichtiger ist als ein Mini-1 erwechsel, den sie herbeiführte. Die Minister, wie sie auch denken und streben mö-gen, sind Diener der ganzen englischen Staatsgesellschaft und müssen thun, was diesesur nöthig halt. Aber eine Vermehrung der Militärgewalt in einer so situirten und
^ englische sieht so fremdartig und widerstrebend aus,alanb.n ^ England kennen gelernt hat, an eine solche Vermehrung im Ernstekick .glaub verschmäht Alles, was nicht productiv thätig ist, so gründ-
. , ^ ""l glänzendsten Majoritäten in allen ihren einzelnen Theilen an-
Militärbill weder nach den Nussell'schen noch nach den Palmerston'schcnliü/ .^?h*haft gedeihen kann. Bis zum 11. Mai 1852 waren nicht weniger alsN-i, ^"ltionen mit 199566 Unterschriften gegen die Bill, 131 mit mehr als 20660ncn gegen die Aushebung eingelaufen, für die Bill eine mit — 15 Unterschriften.
Der Sturz des Ministerium« Russell.
Man fand es befremdend, daß das Ministerium Russell, welches so gluckstchgefallen und immer wieder unversehrt aufgestanden war, über ein einziges Wortchen,welches ihm der ehemalige College Lord Palmcrston vorhielt, wirklich stürzte, odersich wenigstens durch zufällige II Stimmen bewegen ließ, seinen Tod endlich anzu-erkennen. Aber das Wortchen ist nicht unbedeutend, und es gereicht dnn anenStaatsmann als englischem Gentleman wol kaum etwas mehr zur Ehre, als vap erdie Verwandlung seiner Stadtsoldatcn in ein stehendes Heer nicht zugeben und ver-antworten wollte. Er war mit allen seinen Collegen einmal gründlich unmöglich ge-worden, und wenn er nicht über des irischen Vicekönigs Preßbestechungm fiel, mußteer über den Kaffernkrieg, die Nicht-Chancery-Neformen und jede andere Frage, dieihn noch erwartete, viel empfindlicher fallen. Es war also klug und weise, geradediese Todeserklärungsart zu wählen.
Am 19. Febr. gelang es der Derby'schen Partei nicht, das Ministerium durchInterpellation wegen der Preßbestcchungsversuche Lord Clarendon's, Vicekönigs vonIrland, zum Falle zu bringen. Das angekündigte Palmerston'sche Amcndcmcnt zurMilitiabill, welches derselbe am 26. Febr. stellte, hielt man für untergeordnet, undFreunde und Feinde hatten sich deshalb zum Theil entfernt, als es zur Abstimmungkam. Wenn die Frucht reif ist, fällt sie oft durch den unbedeutendsten Zufall. Russellempfahl am 20. Febr. noch einmal seine Localmiliz als das kleinste und wohlfeilstemilitärische Übel. Lord Palmcrston erhob sich dagegen. Nach dem Geständnisse derRegierung selbst habe man England gegen mögliche und wahrscheinliche Invasionenzu schützen. Die geographische Lage Englands und die Dampfschiffe Frankreichsmachen doppelt« Vorsicht nöthig. Bei einer Störung des europäischen Gleichge-wichts werde die englische Armee außerhalb Arbeit finden, und schnell eine Wehrdes eigenen Landes nöthig werden, die überall im Lande verwendbar sein müsse. Einesolche Landwehr habe seit 1665 bestanden als „reguläre Miliz", als deren Reserveman zuweilen auch eine „locale" für besondere Fälle gebildet habe. Der Premierwolle blos diese Reserve, die an den Ort gebunden bleiben solle, bis der Feind leib-haftig im Lande erschienen. Das heiße den Stall verschließen, nachdem das Pferddaraus gestohlen sei. Was werde im Falle eines Kriegs das gleichzeitige Werbenfür die Linie, das Loosen für Localmiliz und das Schachern um Ersahmannschaften'^ Verwirrung hervorrufen! Die Nusscll'sche Localmiliz sei entweder nicht Das,sie ausgegeben werde, oder wirklich die alte, aber als solche sinnlos ohne einedas A° ^"dwehr als Armeeseminar. Sie solle im Frieden das Eine, im Kriegevon ^m, und könne mit dieser Doppeihcit nur als etwas Halbes, als keines
gelten. Alle Einwände gegen ein sogenanntes stehendes Heer und all-g eine Waffenübung gehen aus die Voraussetzung hinaus, daß die Engländer zuDie Gegenwart. Vlll. ' 22