338 Großbritannien.
faul, die Schotten zu feig und die Jrländcr zu verrätherisch seien, um kriegerisch aus-zurücken. Wenn aber die Regierung kein Vertrauen zum Volksgcist habe, mögeman sich nur lieber gleich Russen und Ostreicher verschreiben. Die Regierung sollenur an das Volk appelliren: sie werde es nicht vergebens thun. Deshalb beantrageer besonders, vor dem Worte Miliz das Wort „locale" auszulasten.
Das hieß soviel, als einen verneinenden Satz durch Streichung des Wörtchens„nicht" ins Gegentheil verwandeln. Palmcrston sprach von Appellation an denVolksgeist, sein Amendement war ein größeres Mißtrauen gegen das Volk als dieRussell'sche Bill als solche. Beide mistrauten, Palmcrston am meisten. Beide sahennicht die freien Militärübungen, die im Lande erblühten. Palmcrston wollte eigent-lich ein brillantes, stehendes Heer, um in mehr continentaler Weise auswärtige Po-litik treiben zu können. Das Amendement ward mit 11 Stimmen Majorität (156gegen 125) angenommen. Russell erklärte dies für ein Mißtrauensvotum und lehntealle Verantwortlichkeit für die so wesentlich veränderte Bill ab: Palmcrston, sagteer, möge sie einbringen. Palmcrston schien sehr überrascht, und im Hause entstandgroße Unruhe. Man fühlte, daß der lange gefürchtete Augenblick für ein protcctio-nistisches Ministerium gekommen wäre. Sir Benjamin Hall sprach sich indessen mn-thig und klar über die Situation aus: auch er gehöre nicht zu Denen, die vor einemprotcctionistischen Ministerium mehr Furcht haben als vor einer französischen Inva-sion. Die Proteetionisten möchten immerhin das Staatsruder ergreifen. Man würdeja sehen, wie weit sie kämen. Sie würden nichts ausrichten. Man müsse erwarten,daß, wenn Russell die Bill aufgebe, er auch constitutionell genug denken werde, dasMinisterium aufzugeben. Das war der Muth und das Vertrauen auf die gesuudeöffentliche Meinung. Man wollte ein protectionistisches Ministerium, um die protec-tionistischen Ansprüche endlich einmal gründlich los zu werden.
Russell erklärte sich nun deutlich: Wir haben das Vertrauen des Hauses nichtmehr und treten ab. Palmcrston hatte sich gerächt, indem er dem Staate zugleichden Dienst erwies, ihn von dem längst gefallenen Ministerium zu befreien. Das Mi-nisterium Russell hatte seit dem 6. Juli 1816 bestanden, so lange, weil der Neform-trieb nach den Pcel'schen Reformen sich erst im Wesentlichen befriedigt fühlte,hernach die Schwäche und Zersplitterung der Parteien und die Furcht vor eine'"protcctionistischen Ministerium seine Existenz über die Zeit verlängerten. Ein großesTheil der Schuld traf die Manchesterschulc, die ehemalige Anti-Corn-Law-LeaMcwelche ihre Hände in den Schoos legte und ihre Mission für vollendet erklärte, nach'dem sie eben erst angefangen hatte zu siegen. Ihre Schwäche offenbartekriegerischen Stimmung und der Milizbill gegenüber so auffallend, daß schonan die Möglichkeit eines Ministeriums auS der Manchesterpartei nicht zu denken wcff'Es blieb schlechterdings nichts Anderes übrig, als der geschlossenen, rührigen Pal"'der Protcction das Staatsruder anzuvertrauen. Die Frcihandelspartei wußte gcgs'!eine französische Invasion und die Milizbill etwa nur einzuwenden, daß letztere zuGeld koste , und die französischen Soldaten viel zu anständige Leute seien, als daß >'sich auf Engländer hetzen lassen würden. Auf die wirklich thatkräftige, freie 'Wehrkraft gaben auch die Freihändler nichts ; sie wollte» einfach die Leute i"Fabriken und Shops behalten. So rächte sich die Nachlässigkeit und KurzsichE.dieser früher so mächtigen Partei. Wer einer großen Idee dient, muß ihr treu bbe» und nicht ermüden, alle Ihre Konsequenzen thatkräftig zu verwirklichen.
DaS Ministerium Derby.
Dar Ministerium Derby ward die Strafe Englands für seine Nachlas^ "»ach den ersten Siege» auf der Bahn merkantiler und volkswirthschaftlicher Neso 'Für Russell, für die Reformer und Freihändler seiner Art konnte cS alS 6"Demüthigung gelten, daß er selbst wieder, wie schon ein Jahr vorher, zur Ko"»gehe» und als seine Nachfolger die Häupter der TorieS und Proteetionisten s»>p>^mußte. Die plötzlich erwachenden Freihändler empfingen daö Namensverzcichu'p