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Achter Band.
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350 Die Chemie.

gesprochenen Ansichten, die uns durch ihre Schriften am vollständigsten überliefert wor-den sind, einer nähern Prüfung, so ergibt sich, daß der Ausdruck Element damalsnicht in demselben Sinne gebraucht wurde, wie es gegenwärtig der Fall ist. Einigederselben verstanden unter Element die allgemeine Bedingung, aus welcher die ganzeReihenfolge der Körperwelt hervorgegangen sei; und in diesem Sinne ist es zu nch'men, wenn schon 600 vor Christus Thales das Wasser, sodann Anaximenes die ^Luft, später Heraklit das Feuer als das Ursprüngliche bezeichnen, aus welchem Alles ^hervorgegangen. Die Wahrnehmung, daß Luft, Wasser und Wärme die nothwendige»Bedingungen zur Entwickelung des pflanzlichen und thierischen Lebens sind, ist eswol, die zu solchen Verallgemeinerungen geführt hat. In ähnlichem Sinne gebrau-chen wir ja noch jetzt den Ausdruck, es sei das Wasser das Element der Fische,die Luft der Vogel.

Andere dagegen und vorzüglich Aristoteles verstehen unter Elementen verschiffdene Urzustände oder Grundcigenschasten, aus deren Vorhandensein und Mischung dieverschiedenen Eigenschaften und Zustände der Körperwclt hervorgehen. Denn dieMaterie selbst hält Aristoteles er für durchgehcnds gleichartig, und schreibt ihre äu>ßere Verschiedenheit sowvl dem Einflüsse seiner Elemente als auch der verschiedene»Form ihrer kleinsten Theile zu. Feuer, Wasser, Luft und Erde sind nun die be-kannten vier Aristotelischen Elemente, und zwar begreift hiernach das Feuer in siehdie Vorstellungen von Hitze und Trockenheit, die Luft von Wärme und Feuchtigkeit,das Wasser von Feuchtigkeit und Kälte, die Erde von Trockenheit und Kälte. D»'her sind fühlbare Eigenschaften der Dinge, wie heiß, kalt, trocken, feucht, schwer-leicht, hart, weich u. s. w. abhängig von dem alleinigen oder vermischten Auftrete»jener Grundeigcnschasten.

Zu bemerken ist übrigens, daß Aristoteles noch von einem weiter», feinern, ätht'rischen Elemente spricht, welches vielleicht das Geistige repräsentiren soll, und diemfünfte Element, esssnUa gumtz, wurde später Gegenstand eifriger chemischer llntrr'suchungen, und noch jetzt ist der Ausdruck Quintessenz gebräuchlich, um damitsublimsten Gehalt von Etwas zu bezeichnen.

Wenn nun aus dem Gesagten hervorgeht, daß zwischen den Elementen der Alte»und den chemischen Elementen der Gegenwart kein Zusammenhang besteht, sodoch eine nähere Betrachtung jener frühern Ansichten werthvoll, da namentlichVorstellung des Aristoteles noch lange einen wesentlichen Einfluß auf die chen»'!^Forschungen und Lehren der nachfolgenden Jahrhunderte ausübte und im gew»h» !lichen Leben noch jetzt einen gewissen Gebrauch hat. !

II Zeitalter der Alchemie.

Während die wenigen chemischen Thatsachen der vorhergehenden Periode kei»^wegS in besondern Schriften niedergelegt erscheinen, und selbst die Werke des Pl'»^und Dioskorides, die reich an schätzbaren Mittheilungen aus dem Gebiete der Llm»Wissenschaften sind, in dieser Beziehung uns keine Belehrung verschaffen, sowir den Beginn eines neuen Abschnitts der Entwickelungsgeschichte der Chemie » ^dem Zeitpunkte an, wo zuerst Schriften sich finden, welche den chemischen >

tionen ausschließlich gewidmet sind. Solche Schriften, deren Entstehung mit y'reichender Sicherheit dem 4. und 5. Jahrhundert nach Christus angehörend ers-H^Iund die sämmtlich in griechischer Sprache geschrieben sind, mögen ihren Urfp" §direkt oder indirect von der berühmten Hochschule zu Alexandrien ableiten, die,PtoleniäuS l. gestiftet, ein Mittelpunkt wissenschaftlicher Thätigkeit war, welche ^lange erhielt und von wo aus dieselbe sich später nach Byzanz mittheilte. , zje

In jenen ältesten Schriften ist bereits von der Verwandlung der Met<mRede und zwar nicht als von einer neuen, eben erst entdeckten Sache,einer Weise, die annehmen läßt, daß die Bemühungen des GoldmachenS ^,.jse»'Jahrhunderte älter sind, und daß wahrscheinlich die frühere mysteriöse AbgesH'heil der ägyptischen Gelehrten Mittheilungen darüber verhinderte.