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Achter Band.
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Die Chemie.

den Kraft, die daher Lebenskraft, vw vitalis, genannt wird. Man darf annehmen,daß diese Definition das Eindringen in ein besseres Erkennen der Lebenserscheinungenvielmehr gehemmt als gefördert hat. Der Belehrung Suchende durfte irgend emebeliebige Frage stellen, über diese oder jene Verrichtung, die Antwort blieb niemals aus.sie war die Wirkung der Lebenskraft. In der Regel begnügte man sich hierbei, zu-sriedengestellt durch das magische, überall helfende Wort, nach dem bewährten Spruche:

Denn eben wo Begriffe fehlen, .

Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich e>n.

Versuchen wir nun die Vorstellung zu vermitteln, welche sich die Natursor.schung auf ihrem gegenwärtigen Standpunkte von, Leben und seinen Erscheinungengebildet hat. Dieselbe betrachtet, von der Anatomie und Mikroskopie unterrichtet, venOrganismus sowol der Thiere wie der Pflanzen, als ein aus wunderbar kleinen unszarten Gebilden, aus Zellen, Gefäßen und Geweben zusammengefügtes Ganzes, dessenMaterie nach den Untersuchungen des Chemikers aus einer gewissen Anzahl einfacherStoffe besteht, die in chemischer Wechselwirkung begriffen sind, und innerhalb dessendas Auge des Physikers die Schwere, die Wärme, die Elektricität, die Durchsau-gung (Endosmose), die Haarröhrenanziehung (Kapillarität), die Elasticität und anderePhysikalische Einflüsse thätig wirksam erblickt. Es erscheint hiernach das Leben alsdie Gesammtwirkung chemischer und physikalischer Kräfte innerhalb des Organismus,nach denselben Gesetzen, die auch außerhalb desselben Geltung haben. Es ist keinebesondere Kraft vorhanden, wodurch die Wirkungen der genannten chemischen undphysikalischen Thätigkeiten in, lebendigen Körper aufgehoben und vernichtet, oder inRichtungen wirksam werden, die in Widerspruch stehen mit den sonst denselben zukom-menden. Allein daß eine solche Mannichfaltigkeit von Kräften, vereinigt auf einemso engen, fein ausgeführten Schauplatze, wie im Organismus, eine Reihe höchst ver-wickelter, sich gegenseitig bedingender und kreuzender Erscheinungen hervorrufen, undhierdurch dem Studium derselben außerordentliche Schwierigkeiten bereiten muß, liegtauf der Hand. Hierin besteht eben die Schwierigkeit des Studiums der Physiologie,daß niemals eine Seite der mitwirkenden Agentien in ihrer reinen Consequenz sichdurchführen läßt, und hierin liegt die Erklärung, daß weder der Anatom für sich,noch der Physiker, „och der Chemiker allein das Leben zu erklären im Stande ist.Hier muß also die Gesammtnaturwisscnschaft zusammenwirken, um nach und nachEinsicht zu erlangen über den Antheil, welchen einzelne ihrer Zweige an der Ge-sammterscheinung des Lebensprocesses haben.

Einzuräumen ist jedoch, daß wesentliche Punkte der Lebensthätigkeit den derRaturwissenschaft gegenwärtig zu Gebote stehenden Mitteln unzugänglich bleiben wer«den. Hierher gehört z. B. die Ursache der Bildung der Formen, sowol der einfach-sten, wie Zellen und Gewebe, als auch der aus ihrer Gruppirung hervorgehendenOrgane. Es verhält sich hier ähnlich, wie bei dem krystallisieren Mineral. .Wirkennen aufs genaueste seine chemische Zusammensetzung und die geometrischen Ver-hältnisse seiner Gestalt; allein wir sind ganz im Dunkeln über die Ursache, welche dieTheilchen des einen Minerals mit stetiger Gesetzmäßigkeit zu Würfeln, die des andernzu Säulen u. s. w. anordnet. Wir sind hier allerdings noch genöthigt, in den Or-ganismen eine bildende Lebenskraft anzunehmen, um einstweilen mit diesem Wortedle uns noch unbekannte Ursache der plastischen Erzeugnisse des Lebens zu bezeichnen,und nur in diesem Sinne finden wir den Ausdruck „Lebenskraft" von den Natur-svrschern gelegentlich noch angewendet.

Welchen Antheil nimmt nun die Chemie an der Aufklärung der Lebenserschei-ungen? Wir sagen, den allergrößten; denn Alles, was sich auf den im Organis-h ?. ^handenen Stoff, seine Aufnahme, Ausscheidung und Umwandelung u. s. w.° ^ Eann nur unter Zuziehung chemischer Untersuchung eine Erklärung finden.

.f. ° »st nicht gestattet, hier ins Einzelne der zahlreichen und mühevollen chcmi-ich«» Untersuchungen im organischen Gebiete einzugehen; allein die Auszählung

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