Die Chemie.
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griffen in den Thierkörper verbunden sind, wie j. D. Anlegung künstlicher Magen-fisteln an Hunden, um durch diese Öffnungen von Zeit zu Zeit den Magensaft oderdie Produkte seiner Einwirkung herausnehmen zu können, oder die Beseitigung ge-wisser Organe, wie z. B. der Nieren, der Gallensecrction, um aus den jetzt eintreten-den abweichenden Erscheinungen Schlüsse auf ihren naturgemäßen Einfluß zu ziehen.
AuS dem Gebiete der Pflanzenphysiologie ist hier an die vielfachen Versuche zuerinnern, Pflanzen in gewissen Stoffen von bekannter chemischer Beschaffenheit, z. B.in Schwcfelblüte, Quarzpulver, reinem Kohlenpulver u. s. w., zu erziehen; oder denWurzclfasern derselben Auflösungen gewisser Stoffe darzubieten, wie Ammoniak,«arbstoffe, Salze, organische und unorganische Gifte. Auch van Helmonts schonfrüher beschriebener Versuch ist hier anzureihen. , , .
Fast alle Untersuchungen der angeführten Art sind theils kostspielig, theils nngroßen Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten in der Ausführung verknüpft, undhaben bei den mehr oder minder gewaltsamen Eingriffen in den Organismus nureinen bedingten Werth. Schlüsse aus denselben sind mit aller Umsicht zu ziehen undnur mit Vorsicht zu allgemeiner Bedeutung zu erheben. ^ .
Um so mehr empfiehlt sich die folgende chemisch-physiologische UntcrsuchungS-methode, welche passend als die statistische bezeichnet wird. Wir glauben über dieinnere Wohlfahrt eines Volks, sowol was das gemeine Bedürfniß als auch die sei-ncrn und geistiger« Genüsse desselben betrifft, sowie überhaupt über die Bedeutungseines ganzen innern Lebens einen sehr maßgebenden Anhaltepunkt zu haben, wennaus sichern statistischen Angaben uns bekannt geworden, wie groß die Bevölke-rung und Besteuerung des Landes ist, was es producirt, wie viel es davon aus-führt, was und wie viel es vvm Auslande einführt. Es zeigt sich hierbei, daß,während es oft ganz unmöglich ist, den Einfluß irgend einer Maßregel auf einzelneGewerbe oder Producte für sich richtig zu würdigen, und gleich viel Gründe für undgegen dieselbe sich geltend machen, eine Auffassung der Gesammtverhältnissc auf ein-mal jene Frage in das entscheidende Licht stellt, ihren ganzen Werth oder Unwerthdeutlich hervortreten läßt. Mit Recht erwarten wir von einer weiter« Ausbildungder Statistik, namentlich für Deutschland, die nothwendigste Grundlage zur Wür-digung international-ökonomischer Fragen.
Auf diesen Standpunkt der Thier- und Pflanzenwelt gegenüber stellte sich Lir-big. Wo das Resultat im Einzelnen nicht zu verfolgen, nicht sicher festzustellen war,da wendete er sich an ein Ganzes. Statt des Baums, des Halms für sich, be°^^lkte er den Wald, die Wiese und ihre Funktionen im großen Ganzen. Anstattdie Resultate des Athmungsprocesses durch das Athmen während einzelner Stundenoder Tage zu bestimmen, mit allen den Schwankungen, die durch Alter, Geschlecht,Stimmung u. s. w. veranlaßt werden, suchte er aus der Speisezusuhr ganzer Haus-haltungen, Kasernen und Strafanstalten zu bestimmen, wieviel Kohlenstoff täglich einMann durchschnittlich verzehrt und wie viel hiervon nach Abzug der übrigen Sekre-tionen auf den Austritt als Kohlensäure durch die Lunge kommt.
Auf eine ähnliche Weise suchte derselbe Chemiker nachzuweisen, daß im Ganzendie in der Atmosphäre enthaltene Kohlensaure es ist, von welcher alle Vegetationihren Kohlenstoffgehalt bezieht. Er berechnete, was dem cultivirten Ackerboden anKohlenstoff jährlich mit der Ernte genommen, und was demselben im Dünger zuge-führt Wird; er zflgte namentlich, daß Rieselwiesen Jahrhunderte lang viele Centnervon Kohlenstoff jährlich ausführen, ohne jemals dafür einen andern Ersatz erhaltenzu können, als den aus der Atmosphäre genommenen.
Wenn Liebig's Ausführungen in diesem Sinne, die er noch auf weitere Fra-gen ausdehnte, nicht immer die vollste Schärfe und ganze Zuverlässigkeit haben, soliegt dies hauptsächlich, daran, daß ihm fast überall das statistische Material fehlte,als er seine geniale Übersicht zu gewinnen suchte; er befand sich in ähnlicher Lagewie List, dem zur Beleuchtung der deutschen national-ökonomischen Fragen fast durcb-gehends die Hauptsache fehlte — zuverlässige statistische Angaben.