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Achter Band.
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Die Chemie.

nc», unabhängig von der großen Außenwelt, nachstehenden theoretischen Folgerungengemäß: Die Wasserpflanzen finden theils im Wasser ihre Ernährungssioffe, thellSentnehmen sie der Lust Kohlensäure und geben ihr Sauerstoff zurück; die Schnecken,als Vertreter der pflanzensressendcn Thierwelt, ernähren sich von jenen Wasserstau-M und dienen ihrerseits den Fischen, die als Fleischfresser auftreten, zur Nahrung.

Den eingeschlossenen Thieren dient der von den Pflanzen ausgeschiedene Sauerstoff,den Pflanzen dagegen die von jenen ausgcathmcte Kohlensäure, sowie die Zersetzungs-protmcte ihrer Exkremente als Lcbensmittcl. Ist auch das Ganze nur eine Spielernzu nennen — denn Niemand wird cS im Ernste einfallen, daß m so kleinem Maß-stabe die nothwendigen Verhältnisse zum wechselseitige» Bestehen der Naturreiche zutreffen und für die Dauer zu erhalten seien —, so läßt sich doch eine dadurch ge-gebene Verauschaulichung des Kreislaufs innerhalb und zwischen der organischen ununorganischen Natur nicht verkennen.

Gelangen wir nun mit Hülfe der Chemie, unter Mitwirkung der Anatomieund Physik, zu einer immer klarern Einsicht über dir Erscheinungen des Lebens, soist hierin die erste und wichtigste Grundlage für eine rationelle Medicin gegeben.Denn nur wer mit dem Material, dem Bau und der Verrichtung jedes einzelnenTheils eines cvmplicirten Mechanismus vertraut ist, befindet sich in der Lage, dieQuelle abweichender Erscheinungen und regelwidriger Thätigkeiten desselben zu erken-nen und Abhülfe für dessen Beseitigung aufzusuchen. Daher hat den» ein Theil derMediciner die neuere physiologische Chemie mit großer Begeisterung aufgenommen,und Manche haben an ihre Erfolge überschwä'ngliche Erwartungen geknüpft. Alleindie Entdeckungen der Chemie werden der Medicin weniger durch ihre unmittelbareAnwendbarkeit nützlich sein, als vielmehr dadurch, daß sie mit dazu beitragen, in derMedicin die echte naturwissenschaftliche Methode mehr zu verbreiten und zu befesti-gen, den Dogmatismus zu beseitigen, und jenem Hang entgegenzuwirken, dunkle Fällemit geheimnißvollen Phrasen und Kräften aufzuklären. Wir dürfen uns schon glück-lich schätzen, wenn bei großen Entdeckungen zunächst nur die allgemeine Intelligenzgewinnt; denn die Anwendung ins Einzelne, der Nutzen fürs Geschäft stellt sich mitder Zeit von selbst ein. Nur Ärzte, die ausschließlich das Letztere im Auge haben,weisen die Chemie, indem sie in medicinischen Fragen das Wort ergreift, zurück, javerfolgen ihre Bemühungen mit Verachtung und Spott, weil sie ihnen nicht gleichfür jeglichen Fall ein Recept anzubieten vermag.

Handgreiflicher und darum allgemeiner anerkannt sind die Dienste, welche dieChemie der Uatoria mscliea, dem Arzncischatz, geleistet hat. Nicht allein die Ent-deckung energisch wirksamer Stoffe, wie des JodS, Broms, des Chinins, Morphinsund der übrigen Alkalien, erwirkt hier der Chemie ein unbestrittenes Verdienst, son-dern es dient auch ihr analytisch geschärfter Blick zur Beseitigung vieler Mittel vonunsicherer Beschaffenheit, zur Prüfung der Güte und Reinheit anderer und zur Ver-meidung von Mischungen, die gegenseitig zersetzend aufeinander wirken. Sie triffthierin glücklich mit dem in der Medicin rege gewordenen Streben nach Verein-fachung zusammen.

Eine andere Seite, nach welcher hin die chemischen Resultate sich wol am erstenund allgemeinsten in praktischer Anwendbarkeit bewähren dürften, ist die Diätetik.Wer die Unsicherheit kennt, mit welcher Ärzte Speisen anordnen oder verbieten, undder dabei vorkommenden Widersprüche gedenkt, wird dankbar die Untersuchungen ver-folgen, die auf Bestimmung des Werths der verschiedenen Nahrungsmittel von Se -len der Chemiker gerichtet worden sind.

Indem wir diese der heilenden Medicin geleisteten Dienste der Chemie anfüh-ren, ist zugleich das fordernde Verhältniß derselben zur Pharmacie dargestellt. DiePräparate des Apothekers erhalten durch die Fortschritte der Chemie nicht nur einegrößere Zuverlässigkeit, sondern auch geringere Preise. Hervorzuheben ist, daß au«den Reihen der Pharmaceuten selbst in dieser Richtung verdienstvolle Arbeiten fort-