388 Die Chemie.
seine Erklärung verlangt, sondern wir verlangen, daß zunächst die Nothwendigkeitoder große Wahrscheinlichkeit jener Combinationen, sowie Das, woraus sie bestehen/nachgewiesen werde, um ein Urtheil für den bestimmten Fall bilden zu können.man diese schuldig bleibt, sind solche „Combinationen im Großen wirkender Natur-kräfte" nur eine willkürliche Ausflucht, ein augenblicklicher Nothbchelf.
Während also hier der chemischen Erklärung unter Mitwirkung geeigneter Com-binationen ein großes Feld eingeräumt wird, fehlt es auch nicht an Beispielen, da?man sich ihres kritischen Urtheils, gleichsam der Controle der geologischen Theorie,entziehen sucht, und es klingt ganz wie eine höfliche Abweisung, wenn wir in einemneuern geologischen Werke lesen: „daß der stets im Fortschreiten begriffenen Che-mie, weil sie zur Zeit irgend etwas nicht zu erklären vermag, nie ein entscheidend^Urtheil über die Möglichkeit einer solchen Hypothese eingeräumt werden darf.Erfahrungen selbst sind noch nicht abgeschlossen und können durch die Geologie »ochbedeutend erweitert werden." Dieser Satz enthält unstreitig viel Wahres; nur müsst"wir ihm die Bemerkung entgegensetzen, daß der Chemiker selten eine verläßliche Ant-wort schuldig bleiben wird, wenn ihm die Bedingungen genau festgestellt werden, unterwelchen der chemische Proceß verlausen soll.
Verhältniß der Chemie zur Physik und den mathematischen Wissenschaften.
Nehmen wir mehre der größern Lehrbücher der Chemie aus neuester ZeitHand, wie z. B. von Berzelius, Gmelin, oder das englische von Graham, so ss"'den wir der Beschreibung chemischer Erscheinungen einen an Ausdehnung nicht umbedeutenden Abschnitt vorausgcstellt, der über verschiedene Theile der-Physik sich ver'breitet, namentlich über Wärme, Elektricität, Magnetismus und die Lehre von deGasen und Dämpfen. Wir erinnern uns, daß ein lernbegieriger junger Chemifl ' ;der ein Collegium bei einem berühmten Professor der Chemie besuchte, welcher dmWissenschaft in einem Zeitraum von zwei Jahren vorzutragen pflegte, sehr klaS^wie er nun bereits inmitten des zweiten Cursus kaum ein Wort von Chemie,mehr nur eine vollständige physikalische Vorlesung gehört habe. , <
Schlagen wir andererseits physikalische Hand - und Lehrbücher auf, namcnch^die etwas ältern, so findet man in der Rege! nach der Abhandlung der allgemeinEigenschaften der Materie einen Abschnitt, welcher den besondern Qualitäten der!ben gewidmet ist, wo die Materie als Sauerstoff, Schwefel, Eisen u. s. w. alsst" /mit der Aufzählung der wichtigsten Eigenschaften und Verbindungen, sodaß das Ea S' als ein mehr oder minder ausgeführter Abriß der Chemie, und zwar vorzugslvder unorganischen, erscheint. ..
Hieraus geht denn schon die Nothwendigkeit gegenseitiger Beziehung hüirelchhervor. Eine physikalische Einleitung erweist sich aber für Anfänger des chcm'l^,Studiums um so mehr geboten, als besonders in Deutschland vorzugsweisereuten und Mcdiciner eS sind, die der Chemie sich widmen und welche inmit den dürftigsten physikalischen Vorkenntnissen die chemischen Vorlesungen ^1^tcn. Weniger scheint eine Rücksicht der Art in Frankreich crfodcrlich zu A .die ausgezeichneten Chemiker meist auö einer physikalisch»mathematischen >
hervorgegangen sind, was sich auch in dem Charakter ihrer Arbeiten mehrfachkennen läßt. z-s
Vergleichen wir mit oben Angeführtem andere chemische Werke, namentncyvon Mitscherlich, so sehen wir diesen sogleich mit einem Sahe mitten ins ^ inder chemischen Erscheinungen hineinspringen, ohne uns durch langes Hcrumfuyr^.allerlei Vorhöfen erst abzukühlen. Auch Licbig erscheint schon nach den ersterträgen inmitten der speciellen Chemie begriffen. Man würde jedoch sehr irre", »oNman hieraus auf eine Verkennung der Nothwendigkeit physikalischer Dorken» mli -^ek >Seiten dieser illustren Chemiker schließen. Dieselben setzen vielmehr voraus, vap pc" ^angehende Chemiker vorher die Hörsäle der Physik durchwandert hat, und v" >
die Zeit ihrer Vorlesungen ausschließlich aus die chemischen Erscheinungen, vc