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Achter Band.
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Das Königreich Dänemark. 487

hältnisse zum Auslande stehen, und die Anzahl der Individuen, die wegen Schuldenmit Haft belegt werden, besonders sehr gering ist (in den 62 Jahren von 1784—1846 sind in Kopenhagen aus solche Art nur 344 Personen ihrer Freiheit längerals zwei Monate beraubt gewesen), kommen Selbsttödtungcn und uneheliche Gebur-ten in einem beunruhigenden Grade vor. Die erster» betragen ungefähr 2 "/i> derSterbefälle über 14, Jahre, und sind am häufigsten in Kopenhagen, am seltenstenauf dem Lande. Über die Gründe dieser Selbstmorde läßt sich im Allgemeinendurchaus nichts Bestimmtes sagen: so viel ist jedoch ausgemacht, daß sie ganz ande-rer Art als z. B. in Frankreich sind. In Dänemark sind es vorzugsweise wederarme, noch sonst scheinbar unglückliche Leute, die sich entleiben; die einzig hervorra-gende Kategorie ist die der Säufer. In den allermeisten Fällen aber ist man aufMuthmaßungen beschränkt und findet dann in der Regel nur solche Gründe, die denpsychologischen Zustand des Selbstmörders noch räthselhaster erscheinen lassen. Dieunehelichen Geburten, hinsichtlich deren auch in Kopenhagen das Verhältniß amübelsten ist, haben zwar in den letzten Jahrzchnden etwas abgenommen, verhaltensich doch aber noch zu den ehelichen in Kopenhagen wie 1:2,8, in den übrigenStädten wie 1 : 6,7, auf dem Lande wie 1 :9,s. An diesem ubclstande ist die Ge-setzgebung nicht ohne Schuld. Zwar hat sie die Ehe dermaßen erleichtert, daß diegrößte Schwierigkeit bei derselben im Grunde der Gang zur Kirche ausmacht, sowieauch die Civilehc in Dänemark besteht; ganz im Widerspruch hierzu gewährt manaber den Paternitätsklagen besondern Schuh. Die Sittlichkeitszustände einer Nationlassen sich allerdings nach den unehelichen Geburten nicht vollständig beurtheilen;jedoch darf es gewiß kein günstiges Verhältniß genannt werden, daß die Anzahldieser Geburten nur in einzelnen Staaten, z. B. in Östreich und in Baicrn, vcr-hältnißmäßig größer ist als in Dänemark. In den Hcrzogthümern waren vor demKriege uneheliche Geburten ziemlich selten (3,?°/°); jetzt, nach dem Kriege, muß mandas Entgegengesetzte einräumen. Auffallend ist es aber, daß zu jener Zeit, bei glei-cher Anzahl von Geburten, sieben mal so viele Kindermordc in dem benachbartenHamburg als in Holstein begangen wurden.

Unterricht und Wissenschaft, Kunst und schön« Literatur.

In den intellektuellen Zustanden eines Staats muß die allgemeine Volksbildungals das erste und wichtigste Moment gelten. Man kann in Dänemark dasselbe mitgroßer Befriedigung ins Auge fassen; eS ist ein Gebiet, auf dem sich die dänischenRegierungen dieses Jahrhunderts außerordentliche Verdienste erworben haben. Wirhaben schon des frühern elenden Schulwesens Erwähnung gethan: erst Friedrich VI.widmete dieser seiner Licblingssache eine seltene Sorgfalt. Nach weitläufigen Vorar-beiten und einer siebenjährigen Prüfung provisorischer Institutionen erschienen 1814die noch geltenden Gesetze das Volksschulwesen betreffend. Die Ältern wurden beiStrafe verpflichtet, ihre Kinder von, 7. bis zu», 14. Jahre die Schule besuchen zulassen, eine Maßregel, welche, ungeachtet aller Einwendungen gegen das Princip deSSchulzwangs, unvermeidlich nothwendig war, um das erwünschte Ziel zu erreichen.Gegenwärtig wird der Schulzwang keineswegs streng aufrecht gehalten, und dochsind die Schulen von etwa 4066 Kindern mehr besucht, als die schulpflichtige Anzahl beträgt. Selbstverständlich steht den Ältern das Recht zu, Privatlehrer zuhalten, anstatt die Volksschule für ihre Kinder zu benutzen. Mit dem vollendeten14. Jahre kann das Kind confirmirt werde», jedoch nur wenn eS in der öffentlichenHalbjährlichen Prüfung bestanden hat. Die Fächer sind hier: Lesen, Schreiben undRechnen, die Religion, die vaterländische Geschichte und die Erdkunde. Es ist des-halb denkbar, daß Jemand aus der gesammten jüngern Bevölkerung von die-^"Kenntnissen gänzlich entblößt wäre, ein Resultat, um welches die meisten euro-Mschen Staaten Dänemark beneiden müsse». Und dennoch stehen dem dänischenVolksschulwescn bedeutende Reformen vor. Die Anzahl der schulpflichtigen Kindertin Königreiche ist 206066 (von denen 166600 auf dem Lande), die Anzahl der