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Achter Band.
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Das Königreich Dänemark.

nähme der Opposition gegen die Königswahlen war keine lebhafte Parteiagitationbei den diesmaligen Wahlacten vorausgegangen, sodaß man diese erste Reichsver-sammlung als Ausdruck der ruhigen Volksstimmung betrachten konnte. Wollte manauf die Rcichsvcrsammlung den Begriff der drei Hauptfractioncn eines jeden Paria»ments anwenden, so kamen auf die Linke etwa 40 Mitglieder, größtentheils Bauern-freunde, geführt von B. Christensen, dem genialen Redner, Schullehrer Gleens unddem Obersten Tscherning. Das Centrum zählte an 80 Repräsentanten, von denendie große Majorität sich der Linken annäherte. Diese Fractio», alö deren FührerHvidt, Ploug und der Advocat Dahl angesehen werden konnten, hätte in allen Fäl-len den Ausschlag geben müssen. Aber auch hier „stritten sich die Gelehrten", unddiese abgerechnet, war das Centrum zu schwach, um ein entschiedenes Übergewichtgeltend zu machen. Die eigentliche Rechte zählte nur wenige Mitglieder, unterdiesen die meiste» Majorätsherren. Ihre Führer waren die Kammerherren Scava-nius und Necrgaard, und der Apostat Etatsrath David. Aus dieser Seile standauch der alte Oersted, der unermüdlichste Redner der Versammlung. Er war un-streitig die interessanteste Persönlichkeit der Versammlung. Früher königlicher Com-miffar bei den Provinzialständcn, schien er auch als solcher auf dem gesetzgebendenReichstage aufzutreten. Er war das lebendige Princip des Konservatismus; übersein graues Haupt ging die europäische Revolution hinweg, ohne es zu erschüttern,

ja ohne es nur zu berühren. Die Liste der vom Könige gewählten Mitglieder ent-hielt Männer aus allen Ständen und von den verschiedensten Ansichten. Ihre

Anzahl, welche durch die Nichtrcvräsentatio» Schleswigs um 10 verkleinert worden,belicf sich auf 38 Mitglieder, von denen 5 für Island und 1 für die Färöer er-nannt waren. Von den übrigen 32 waren 6 Militärbeamte, 6 Gutsbesitzer, 2Geistliche, 2 Bauern, 3 Gelehrte, 1 Literat, 2 höhere Civilbeamte, 10 Kaufleuteund Fabrikanten.

Am 23. Oct. 1848 eröffnete der König die grundgesehgebende Versammlungmit einer kurzen Thronrede, nach welcher der Ministerpräsident, Graf Moltke, ineinem weitläufigen Vertrag „eine Übersicht über die Lage des Reichs" gab. Er

wies auf die Unsicherheit des Friedens und die Nothwendigkeit fortgesetzter Rüstun-gen hin, sprach den entschiedenen und aufrichtigen Willen des Königs und seinerRegierung aus, die wahre Volksfreiheit zu schaffen, und fügte im Betreff Schles-wigs hinzu: „Es ist eine Selbstfolge, daß alle diejenigen besondern Bestimmungen,welche der Selbständigkeit Schleswigs eine grundgesetzlichc Heiligkeit verleihen sollen,erst nach dem Frieden und ini Verein mit den Schleswigern festgestellt werden^nnen." Zum Präsidenten der Virsammlung wurde Schouw, zum VicepräsidentenElausen gewählt. Die Verhandlungen selbst zeigten bald, daß man in Dänemarkdes parlamentarischen Lebens noch sehr unkundig war. I» allen gesetzgebendenVersammlungen besteigen gewöhnlich die angesehensten und ausgezeichnetsten Vertre-ter der Parteien die Ncdncrbühne, und die übrigen Mitglieder unterstütze» ihre Füh-rer bei der Abstimmung. In der kopcnhagener Versammlung machte sich dagegenmie außerordentliche Lust zum Sprechen geltend. Sehr lange aber nichtssagendeüber Alles gehalten. Jeder wollte sich hören lassen, und die öffent-- , untern und mittlern Classen maß auch häufig die Tüchtigkeit

eines Abgeordneten nach dessen Wortsülle. Außerhalb der Versammlung war nianmdssen keineswegs sehr thätig. Nur zwei Clubs bildeten sich, einer der Bauern»freunde, und einer der doctrinären Partei, dessen Wirksamkeit obendrein sehr einge-schränkt blieb. Merkwürdigerweise zeigte da- PubUcum dem Reichstage keine großeAufmerksamkeit. Die engen Zuhörerräume waren höchst selten stark angefüllt, zu-in^ ^ Sache nicht mehr neu erschien. Freilich boten auch die Verhandlungen* selten dramatisch Interessantes dar. Stürmische Debatten und heftige Jnier-peuativnrn kamen fast niemals vor, und die Versammlung vollendete, trotz aller"mungstzerschiedenheit, ihr Werk auf ein« eigenthümlich ruhige und besonnenee- In der Hauptsache war man ja einig; denn die wenigen entschiedenen Wi-