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Achter Band.
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5,44 Das Königreich Sardinien.

Wiedererstehung und Größe Italiens wurden mit stets ungckiihltem Enthusiasmuserwidert. Und wenn es vorkam, daß sich iu diese Rufe bei den Manifestationenauf der Straße der Schrei: Nieder mit den Jesuiten! oder Tod den Östrcichcrn!mischte, so argwöhnte das Volk die unheimliche Anwcsenhkit provocirender Agentendes Absolutismus und der fremden Diplomatie, und zerstreute sich mit Unwillen.

Gleichzeitig mit der Nicdersetzung von Commissionen zur Verwirklichung derverheißenen Reformen begannen in Turin die durch Karl Albert angeregten Ver-handlungen mit Toscana und den römische» Staaten zur Erziclung eines italieni-nischcu Zollvereins. Neapel und Modcna hatten ihren Beitritt für spatere Zeit zu-gesagt. Freudig hoffte Piemont, daß aus diesen Verhandlungen nicht nur eine com-merzielle, sondern zugleich auch eine feste politische Einigung unter den italienischenStaaten hervorgehen werde. Monsignorc Corboli-Bussi, der päpstliche Commissar, er-warb sich wegen seines patriotischen Sinnes und Eifers, die er in der Leitung dieserVerhandlungen bewährte, eine große Popularität in Turin, sodaß man ihn mit Trauerum die Mitte November scheiden sah. Doch sollten seine und Karl Albcrt's Be-mühungen von dem Strudel der nachfolgenden Ereignisse begraben werden, und daseinzige Resultat, das daraus hervorging, war die immer offener sich äußernde Feind-seligkeit Östreichs gegen Sardinien und seinen König.

Mit jedem Tage indessen wurde die jcsuitisch-absolutischc Partei in Turin macht-loser; vergeblich waren ihre geheimen Anstrengungen, die Höfe von Turin und Wieneinander zu näher». Die freiere Bewegung, welche der Presse zu Theil geworden,paralysirte ihren unheimlichen Einfluß und lieh der anti-östreichischen Gesinnungdes Königs eine mächtsge Stütze. Noch vor Ende des Jahres tauchten in

Turin mehre neue Journale auf, die von tüchtigen Männern geschrieben wurden,und sich durch gediegenes Urtheil, klare Auffassung der in- und ausländischen Ver-hältnisse, und besonnenere Haltung Vortheilhast vor der Tagcsprcsse Mittclitaliensauszeichneten. Die gemäßigt-liberale Partei wurde durch das „stisorgimento" ver-treten. Obwol von Männern altaristokratischcn Namens, von den Grafen Valbo,Cavour, Franchi und Santa-Nosa, gegründet und redigirt, machte sich dieses Blattentschieden den Interessen des Mittelstandes dienstbar, was hauptsächlich dem GrafenCavour zu danken war, der seine politische Schule während einer Reihe von Jahrenin London durchgemacht hatte. Schon damals stand er i» dem Rufe eines tüchtigenNationalökonomen, welchen er auch später als Minister bewährt hat. Die „l'atria",ein.Blatt von klerikalem Anstrich, zeigte sich der neuen Bewegung wenig geneigt,wagte es aber nicht, direct ini östreichischen Interesse zu wirken. Advocat Sinco undLorenzo Valerio, Beide von entschieden liberaler Richtung, gründeten die „ttonooi--iii.i", die gleich zu Anfang mit den, Verlangen nach nationaler Unabhängigkeit her-vortrat und sich unermeßlichen Einfluß erwarb, zumal nachdem sie die talentvolle undinspirirte Feder des als Dramatiker bekannten Lombarden Giuseppe Ncvcrc gewon-nen hatte. Giaconio Durando, der berühmte Verfasser des Buchs „Uoll.i naisto-n.'ilila it!>Ii.,„.i", gründete die „l),>ininno", deren Popularität jedoch erst mit der Re-daction des Lombarden Bianchi-Giovini, dc- bedeutendsten italienischen Publiciflen,beginnen sollte. Die klerikale Richtung fand in dem letzter« Journal einen ebensogewandten als unermüdlichen Gegner. Meister in der Polemik, kräftig, den Volks-ton anschlagend im Stil, mit umfassenden Kenntnissen ausgerüstet, stets schlagfertigund unversöhnlich, erschütterte Bianchi-Giovini in Piemont dc» klerikalen Einfluß vielgewaltiger, al- es Giobcrli, Tommaseo und alte übrigen anti-klcrikalen Schriftstellervermochten. Zu den tüchtigsten Mitarbeitern der „Opiniono" gehörten GiuseppeCorners, Giovanni Lanza und Giuseppe Torclli, Letzterer ein ausgezeichneter Recht«-gelehrter und Professor an der Universität zu Turin. Später wurde die „linx/.oUaliest pnpnlo" bei dc» untern Volksclassen beliebt und weit verbreitet. Alle dieseBlätter, mit Ausnahme der „?.,t,ia", traten gleich bei ihrem Entstehen mit mehroder weniger lebhafter konstitutioneller Färbung auf. Der „Ko-umgim-o larino^ /früher ein Blatt literarischcn Inhalt«, machte sich zum Organ der kleinen radicalen