558 Das Königreich SarUnieu.
blos ob, und war rinzigtl. Vorsatz, orn S;rg vrr Nationalu»,abhängigk«it zu erringen.Dann aber stand eS in dem freien Willen der lombardlsch-venetianischen Volker, sichals selbständiger Staat zu constituircn, oder sich mit Piemont unter dem ScepterKarl Albert's zu vereinigen. Von den Feldern der Lombardei rief Karl Albert we-nige Tage später den Bewohnern dieses Landes, Venedigs, PiacenzaS und ReggioSzu, die Worte der Provisorischen Regierung von Mailand besiegelnd: „Gerufen voneuren Mitbürgern, in deren Hände wohlverdientes Vertrauen die vorläufige StaatS»leitung gelegt hat, und vor allem sichtlich von der Hand der Vorsehung gedrängt,welche unserm Italien um deS so vielfach erlittenen Unglücks die frühern Fehler ver-gebe» und eS nun zu neuem glorreichen Leben hat erwecken wollen, komme Ich untereuch an der Spitze meine« Heere«, dem innigsten Impulse meines Herzens folgend.Italiener! In kurzem wird unser Vaterland von dem Fremden geräumt sein. Undtausendfach sei die göttliche Vorsehung gesegnet, die mir einen so schönen Tag vor-behielt, welche wollte, daß eS meinem Schwerte gegeben sei, der heiligsten Sache denTriumph zu verschaffen. Italiener! Unser Sieg ist gewiß! Meine Waffen werden,den Kamps verkürzend, jene Sicherheit euch wiedergeben, die euch gestatten wird,heitern und ruhigen MurhS eure innern Angelegenheiten zu regeln. Dir Nationwird ihr Votum frei und wahrhaft ausdrücken könne». Zu dieser feierlichen Stundemögen euch hauptsächlich Hingebung fürS Vaterland und Verabscheuung der altenSpaltungen, der alten Zwietracht beseelen, welche die Thore Italiens dem Fremdenöffneten..." Und seinem Heere rief Karl Albert zu: „Soldaten! Groß und erha-ben ist die Mission, zu welcher die göttliche Vorsehung in ihren weisen BeschlüssenunS hat berufen wollen l Wir sollen dieses unser gemeinsame- Vaterland, diese- hei-lige italienische Land, von der Anwesenheit deS Fremden befreie», der eS seit meh-ren Jahrhunderten niedertritt und unterdrückt: jede künftige Zeit wird die unftrigeum die edeln Lorbern beneiden, die Gott uns verheißt!"*) Mit so hochherzigenGesinnungen, mit so großer SiegeSgewißheit betrat Karl Albert dm lombardischenBoden. Die Hoffnung, welche ihn sagen ließ: Unser Sieg ist gewiß! konnte frei-lich schon darum nicht zur Erfüllung gelangen, weil die Italiener während deS Feld-zug- seine Worte über die Ablegung deS ParteihaderS und der Municipalspaltungkeineswegs dauernd beherzigten.
Nachdem der König die letzten Scheidegrüße seiner Hauptstadt vernommew-*),trat er bei Alessandria am Morgen de« 27. März da« Oberkommando über das Ope»rationSheer an, dessen zwei HauptcorpS von dem General Bava und dem GeneralSonnaz geführt wurden. Die Avantgarde deS ersten CorpS unter dem Befehle deSGeneralmajors Trott! traf am 28. März in Lodi ei»; die dc« zweiten CorpS unterGeneral BcS befand sich an demselben Tage In Treviglio. Beide Führer hattenBefehl, sich über ihre Bewegungen zu verständigen. DaS GroS der Armee, 23000Man» zählend, unter der persönlichen Anführung deS KönigS, bewegte sich in rasch"'Märsche» nach Pavia, in welcher Stadt eS an, 29. März Abend- seine» Einzug hielt-
Die Provisorische Regierung begrüßte Karl Albert mit einer feierlichen Adressederen denkwürdige Schlußworte also lauteten: „Italien, Europa blicken auf Sie, -Eire. Sie haben ein bis jetzt in der Geschichte einzige- Beispiel gegeben, indem Stt»ohne Bedingungen auszustellen, im Namen der nationalen Brüderlichkeit, im Namen
dem
*) Proklamation Karl Albert't an die Lombardei und da« piemontesische Heer, batikt auSm Hauptlager von Lodi, !ll. März (Morgen«).
) Karl Albert verließ Turin »n Begleitung seiner Söhne, de« Herzog« von Savoycn un»des «erzog, von Genua, in der Nacht vom 26. aus den 27. März. Er halte die Nachtzcllgewählt, um Demonstrationen zu vermeiden; dennoch warteten viele tausend Männer u»Frauen schweigsam vor dem Schlosse, um ihn scheiden zu sehen, lk« ließen sich kam» ein.!/SvmvaS vernehmen, al« er zu >;s.,de aus den. Schloßplatz, erschien; aber da« Volk stu-r"auf die Knie, heb die Händ. ,„m Himmel, wie um Legen aus den scheidenden Kon,,,abzul'ittcn. Viele Personen drängten sich an ihn heran, uni seine Kleider, oder sein RcUpscrzu berühren, schluchzen und Scheidegrüße unterbrachen allein die nächtliche Stille.