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DaS Königreich Sardinien.
lichsten Enthusiasmus war die Antwort LurinS. Unter Hüteschwenken, unter Freuden-thränen fielen sich Begegnende an die Brust; wo sich ein Soldat, ein Offizier blickenließ, wurde er von den Bürgern mit Händedrücken, mit Umarmungen und Seg-nungen überhäuft. Der Wunsch so vieler Jahrhunderte, der Traum Dante'S undTasso's, das Votum von 24 Millionen sollte Wahrheit werden! Der Befreier Ita-lien», der Regenerator einer auS langem Druck und Zerrissenheit erwachten Nationwar erstanden. Karl Albert hatte das Schwert der Unabhängigkeit gezogen I
Diese Gefühle, diese Gedanken waren eS, welche Turin und in wenigen Tagenganz Italien bewegten, welche die italienische Revolution auf ihren Höhepunkt schnell-ten. Welcher Patriot, welcher Italiener hätte in jenen Momenten an dem Siegeder große» Nationalsache zu zweifeln gewagt! Zahlreiche Bürger TurinS verließenihre Wcrkstätte, ihre Läden, ihre Studirstube, ihre Familie, um sich um die Unab-hängigkcilsfahnc zu scharen. Von allen Seiten kamen Anerbietungen zu patriotischenOpfern. Noch am Abend erschien ein Supplement der StaatSzeitung, worin dieBeschlüsse des im Laufe deS TagS gehaltenen Ministerraths publicirt wurden: So-fortige Einberufung der beiden letzten AlterSclasscn zur vollständigen Ausfüllung deractiven Armee; Abmarsch und beschleunigte Bewegung der verschiedenen Infanterie-,Cavalerie- und Artillerieregimenter nach der Grenze; Annahme der hochherzigen An-erbieten von Privaten, Pferde, Transport- und andere Mittel, freiwillige Beisteuerzur Erhaltung des Heeres u. s. w. zu liefern; Befehl an die Reservearmee, sich zumersten Aufruf bereit zu halten; Eröffnung einer freiwilligen Nationalanleihe zu 5°/,.
Ein freiwilliges Tedcum in der San-Giovannikirche vereinte am folgenden Tageden König und sein Volk zur Herabflehnng deS göttlichen Segens auf das unternom-mene Werk. Dann hielt Karl Albert, begleitet von seinen jugendlichen Söhnen, denHerzogen von Savoyen und von Genua, Revue über die Nationalgarde, welche vonjetzt ab alleinige Hüterin der neuen Institutionen, der öffentlichen Ordnung und deSKönigShauses werden sollte. Begeisterte Acclamationen begleiteten jeden seiner Schritte.
In der Nacht vym 24. auf den 25. März zogen die beiden ersten piemonte-sischen Regimenter, die bei Novara waren zusammengezogen worden, in Mailand ein,wo sie von freudigen Demonstrationen, von hundertfach wiederholten EvvivaS alsBrüder begrüßt wurden. Mailand und Turin wollten nur eine Gemeinde, Sub-alpimen und die Lombardei ei» einziges Volk bilden. Derselbe Gedanke: Unabhän-gigkeit Italiens! derselbe Ruf: Fort mit den Fremden! einigte und beherrschte diebeiden Volksstämme. Der maßlose Hochmuth der Exaltirten, die die piemontcsischeHülfe als zu spät kommend bezeichneten, auf eigene Hand den Feind vertreiben zukönnen sich rühmten, ja bereits in siegestrunkener und lächerlicher Verblendung vomüberschreiten der Alpen, von Eroberung JllyrienS, JstrienS und DalmatienS träum-ten, sollte bald in die erste Einigkeit den Samen des Haders und der Spaltung streuen.
Am Morgen des 24. März noch ließ Karl Albert an den General Passalaquaden Befehl ergehen, mit seinem längs der Grenze aufgestellten CorpS den Tcssin zuüberschreiten. Inzwischen wurden in Mailand die Allianzbedingungen zwischen KarlAlbert und der Provisorischen Regierung festgestellt und beiderseitig gezeichnet. InVertretung des Ersten, zeichnete sein Repräsentant Graf Martini. Demnach er-schien das piemontcsische Heer in der Lombardei „als treuer und loyaler Allnrter derProvisorischen Regierung", trug der König „sämmtliche Erhaltung-- und BesoldungS-kosten der Armee"; dagegen fiel der Provisorischen Regierung „jede Subsistenzliefr-^ung zur Last".*) Die Proklamation, in welcher die Mailänder Regierung dieseAding»,,gen der Lombardei verkündigte, schloß mit den Worten: „Nach errungenem^'°Se, wir wiederholen eS, werden unsere Geschicke von der Nation diSculirt und be-Dieses wichtige Document widerlegt alle spätern Anklagen gegen.. ^be«, als habe ihn nur der Wunsch „ach dem Besitze der Lombardei, »>cht
nattonalr Dache auf italienischem Boden zu seinen Opfern bestimmt. Ihm lag
*) Proklamation der Provisorischen Regierung, datirt Mailand. Mär, lSLS.