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Das Königreich Sardinien.
März des folgenden Jahres der östreichische Bundesgenosse durch die wiener Re-volution gelahmt schien, in Frankreich die Republik, überall Sturm und Ungewißheitherrschte, da schloß sich Pins IX. dem einzig übrig bleibenden Halt, Karl Albert unddem Unabhängigkeitskriege gegen Ostreich an, und er bewies dabei so großen Eifer,daß er außer dem Nuntius in Turin noch einen zweiten Repräsentanten, den Mon-signore Corboli-Bussi, im Lager Karl Albert's accreditirte. Doch bei der wieder»erwachenden Energie des KaiserstaalS erklärte Pins IX. in der erwähnten Enciclica,daß er als Oberhaupt dc» katholischen Kirche keinen Krieg gegen Ostreich führenkönne, erklärte er den Unabhängigkeitskrieg für einen brudermörderischen, obschon erkurz vorher den schweizerischen Sondcrbundskrieg unterstützt hatte. Die Enttäuschungder Italiener war ebenso vollständig als plötzlich, und die Misstimmung, welche aufdie Enciclica vom 29. April in Rom und ganz Italien folgte, trug nicht wenig zurProclamirung der römischen Republik bei.
Der König von Neapel, der bereits am 15. Mai einen, wenn auch prekä-ren Sieg über die CoiistilulioneUcn davongetragen, rief gleichzeitig mit den 15000Mann Landtruppen die neapolitanische Flotte, welche mit der sardinischen Venedigbeschützen sollte, aus dem Adriatischen Meere zurück. Der Großhcrzog von Toscanaaber fand sich schon aus Verwandlschaftsrücksichten für Östreich nicht bewogen, daSkleine bei Montanara aufgeriebene toscanische Corps zu ersetzen. So stand Karl Al.bert (zumal nach dem Fall Viccnzas) allein dem östreichischen Heere gegenüber, undaus dem nationalen Kriege wurde ein Krieg Picmonls gegen Östreich. Aber geradeder Abfall der italienischen Fürsten wandte Piemont die Herzen aller Italiener zu,und cS bot sich Karl Albert die günstigste Gelegenheit dar, mit einem Federzuge dieitalienischen Throne seinem Scepter zu unterwerfen. Aus allen Theilen der Halb-insel ertheilte man ihm den Rath, er solle an die Völker Italiens appelliren, dieseauffodern, sich um seine Fahne zu scharen, und ihnen als Preis ein freies, einige-und unabhängiges Vaterland bieten. Bei der damaligen Stimmung schien es zwei-fellos, daß eine», solchen Schritte die Verkündigung Karl Albert's zum Könige von Ita-lien vom Arno bis zum Vesuv folgen würde. Der Augenblick zeigte sich um so gün-stiger, als alle auswärtigen Staaten im Strudel der Revolution schwebten oder gegenihn ankämpften, sodasi Karl Albert keine bewaffnete Intervention zu fürchten hatte.Der König ließ indessen die verführerische Constellation, wie sie nur je einem Für-sten lächeln konnte, unbenutzt vorübergehen. Noch heute wird sein gemäßigtes Ver-halten von Vielen als eine Inkonsequenz bezeichnet, die nur in der Weise gebüßtwerden konnte, wie der König wirklich gebüßt hat.
Die Lage des picmontcsischen Heeres und die arriegscreigniffe in den Monaten Juni und
Zuli 1818 .
Während Karl Albert »ach der Schlacht bei Goito sein Augenmerk zunächstauf die von den Ostreichen! stark befestigten Höhen von Rivoli richtete und dieselbenin seine Gewalt, brachte (10. Juni), sodaß dem Feinde die Communication zwischenTirol und Verona abgeschnitten wurde, zog Radetzky, den er unthätig in Veronaglaubte, nut den Generale» d'Aspre, Wratislaw und Melden gegen Vicenza, eineweniger als 17.000 Mann und 110 Geschützen mit sich führend.Dl . , ve chcr Vicenza mit >2000 Mann vertheidigt«, konnte wegen der großen
Entfcrmmg vom Hanpllager bei Goito auf die schleunige Hülse Karl Albert's nichtmehr rechnen, und er bereitete sich deshalb in größter Eile mit seinen eigenen Mit-teln zu ener^scher Vertheidigung vor. Auf die Bcrici-Hohen, welche die Stadt be.herrschen, stellte er 7)000 seiner entschlossensten Kämpfer unter der Leitung des Ober-sie» Massmw d'Azcglio auf; den Rest der Truppen und der Artillerie vertheilte eran dc» Thoren, in den Vorstädten und zwischen diesen und den Anhöhen. Die gc-
begonnene Veweguna, die östreichische Regierung gebeten hat, sich bereit zu halten, dem Papstihren Schutz angcdeil-en zu lasten." Bgl. die bereit« angeführten Dokumente der diplemati-lchen englischen Korrespondenz über die italienische Frage.