570
Das Königreich Sardinien.
eigneten Positionen wurden verschanzt, die Straßen und Thore vcrbarrikadirt. AmMorgen des 9. Juni begann Nadchky ein heftiges Feuer auf die Bcrici-Höhen zu rich-ten, wohl erkennend, daß von der Entblößung derselben die Einnahme der Stadt ab-hing. Gegen Mittag entbrannte sodann auf allen Seiten ein wüthender Kamps, anwelchem sich auch viele Bürger, wie am Tage des 23. Mai, betheiligtcn. Trotzihrer großen Überlegenheit konnten die Östrcicher den Vertheidigern viele Stundenhindurch keinen Schritt Terrain abgewinnen. Da sandte Nadchky eine neue Ver-stärkung von 12000 Man» gegen die Berici-Höhcn, und Sturm und Abwehr wur-den mit Strömen von Blut bezahlt. In Folge der Verwundung eines italienischenMajors entstand Unregelmäßigkeit und Vernachlässigung in der Vertheidigung einerwichtigen Anhöhe, die in wenigen Augenblicken von mehren hundert Kroaten erstürmtward. Zu spät schickte d'Azeglio eine Colonne von Schweizern zu ihrer Vertreibung.Tausende von Kroaten fielen ihnen in den Nucken, während sie die Anhöhen erklom-men, und die VerkhewigungSartillcrie mußte ihr Feuer einstellen, um nicht den Todin die Reihen der Schweizer und Italiener zu werfen. „ Vergeblich war der verzwei-feltste Kampf der Italiener: die Tapferkeit mußte der Übermacht weichen. D'Azeg-lio selbst wurde schwer verwundet; mehre Offiziere fielen an seiner Seite; der Bodenbedeckte sich mit den Körpern der Vertheidiger, von denen nur Wenige mit demLeben, noch Wenigere »»verwundet davonkamen. Die Östrcicher waren endlich Herrder Anhöhen, und richteten alsbald ein furchtbares Feuer von denselben herab aufdie Stadt, während gleichzeitig vor den Thoren und i» den Mauern derselben mör-derische- Handgemenge bis rief in die Nacht fortdauerte. Zuletzt fiel ein Theil derArtillerie von Vicenza in die Gewalt der Östreichcr, sodaß eine längere Vertheidigungnutzlos erschien, zumal Durando keine Verstärkung mehr erwarten konnte. SeineTruppen waren seit 30 Stunden unter den Waffe» und völlig erschöpft. So ent-schloß er sich denn zu capitulircn, und Radetzky, der als tapferer Degen die Tapfer-keit der Vertheidiger zu schätzen wußte, gestattete den Letzter» ehrenvolle» Abzug mitWaffen und Bagage, unter der einzigen Bedingung, drei Monate hindurch die Waf-fen nicht gegen Östreich zu führen.
Ehe Nadchky in sein Lager bei Verona zurückkehrte, schickte er Truppcntheilezur Besetzung Paduas, Treviso- und Palmanovas ab. Er verließ sich hierbei aufdie strategische Unerfahrenheit Karl Albcrt'S, der wegen der langen Ausdehnung sei»nec HeereSkräfte von Mamua bis Nivoli den kostbaren Moment verlor, Nadepkybei Vicenza in den Rücken zu fallen, da- schwach besetzte Lager bei Verona nebstder Stadt zu nehmen, und so ohne Widerstand über die Etsch zu schreiten. AlsKarl Albert am 13. Juni mit zwei stärken, EorpS gegen Verona aufbrach, war Ra-detzky bereit- im sichern Lager und weigerte sich, mit seinen ermüdete» Truppen dieihm angebotene Feldschlacht anzunehmen. In beiden Lagern folgte nun eine langeUnlhätigkeit.
Inzwischen gab der Anschluß Venedig» an Picmont, sowie die Bcsorgnifi, KarlAlbert möchte die Etfch überschreiten, dem wiener Eabinct Veranlassung, vermittelstder französischen und englischen Diplomatie mit dem tnrincr Eabinct in Verhand-lungen zu treten, die vielleicht von Seilen Östreich- nur zur Gewinnung vongepflogen wurden und fruchtlos blieben. Lord Palmcrsto» rieth Östreich zum Aele-den mit Aufgebung der lombardischen Provinzen bi» zum Jsonzo gegen Entschädigungvon 90 Millionen Lire seitens Sardiniens, wahrend Frankreich (unter Bastide undEavaignac) dem englischen Gesandten zu Pari-, Lord Normanby, als Ministe, beschtuß"klärte, daß es der Vereinigung Piemont« mit dem ganzen lombatbisch?» '
Hinderniß entgegensetze. Doch ward von der französischen Regierung jener L erschlagauf Teldenlschädigung verworfen; auch, wollte sie nicht da» übrige Italien dem Scep-ter Karl Albert« unterstellt wissen. Östreich selbst schien bis »ach Mitte Juli g 'neigt, die lombardischen Provinzen bi- zur Etsch an Piemont abzutreten und bestVereinigung mit den beiden Herzogthümern Paima und Modena anzuerkennen, »"yrend auch Karl Albert, bei der traurigen Gestaltung der Mailänder Zustände un