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Achter Band.
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Daö Königreich Sardinien.

der piemontesischen Hecresvcrhältnisse, aus dieses Arrangement, als auf „einen fürOstreich und Picmont in gleicher Weise ehrenvollen Vertrag", einzugehen bereitwar. Doch sollte bald das Schwert diese diplomatischen Fäden zerhauen.

In Turin und Mailand war die Stimmung der Exaltirtcn seit dem Ende desMonats Juni immer unruhiger und drängender geworden. Dort war es der Depu-tiere Brofferio, der trotz des Abmahnens mehrer seiner trefflichsten Collegen denKriegsminister Franzini über die strategischen und militärischen Angelegenheiten desHeeres von der Tribune herab zur Rede stellte, und damit Aufregung in der Masse,Unwillen unter den piemontesischen Offizieren und Soldaten verbreitete. In Mailandging die Aufregung in Tumulte über. Eine Bande von Factiosen stürmte selbst beiHellem Tage den Sitzungssaal der Provisorischen Regierung, die von den Wüthen-den verjagt worden wäre, wenn sich das auf der Straße versammelte Volk, gerührtdurch den Anblick Gabrio Casati's, der vom Balcon seine Arme wehklagend zumHimmel streckte, nicht ins Mittel gelegt hätte. Die Winkelpresse erhob täglich ihrVerrathgeschrel, nannte Karl Albert, die Prinzen, die Generale offen Verräther,gewann den Pöbel für sich, und betäubte die weniger Urtheilssähigen, die nichtwußten, ob sie jenem Geschrei oder den Thaten Karl Albert's Glauben schenkensollten. *)

Unter solchen Umständen konnte sich der moralische Stand dcS Heeres nur ver-schlimmern. Die aus den Städten mitgebrachte Begeisterung für die nationale Ideeverlor sich bei einem großen Theile der Soldaten, und nur für den König noch, dervon allen fast abgöttisch geliebt wurde, waren sie bereit, ihr Leben zu lasse». Ohne-hin hatte das Heer nach dem Überschreiten deS Mincio, bis wohin sein Marsch einemTriumphzugc glich, den Geist der Bevölkerung verändert gefunden. Die Bauernund Bewohner der kleinen Städte, seit langen Jahren an den Umgang mit Kroaten,Ungarn u. s. w. gewohnt, zogen diese häufig den Picmontesen und Savoyarden vor,die ihnen unbekannt waren. Indem man die Napolconischen Kriege, die beinahe 20Jahre hindurch denselben Landstrich vom Mincio bis zur Etsch verwüstet hatten, nochim Gedächtniß hatte, empfing man das piemontcsischt Heer, als das kriegbrittgendt,mit Abneigung, und zeigte sich, weniger aus Böswilligkeit als aus Furcht vor denÖstrcichern, ungastlich und kärglich in dem Ablaß von Leben-mittel». Häufigmußte das piemontesische Heer, mitten auf dem fruchtbarsten und gesegnetsten BodenItaliens, im vollen Wortsinne Hunger leiden; nie hatte es während des ganzen Feld-zug- regelmäßige Verpflegung. Die Provisorische Regierung von Mailand, welchedie Vcrproviantirung der Truppen übernommen, war in steter Geldverlegenheit, undhatte überdies zweideutige Personen zu Proviantmeister» ernannt, deren Intendant,wie sich später erwies, dem östreichischen Lager angehörte. Dazu kamen die er-stickende Julihive, Fieber und das i», Sommer »»genießbare, Erschlaffung und Dys-enterie erzeugende Minciowasscr. In, Juli konnte mau durchschnittlich auf jede Com-pagnie nicht weniger als 80 Kranke rechnen. Dies war der Zustand des plemvn-tcsischcn Heeres, als die entscheidende Schlacht herannahte.

Obwol von allen Seiten gedrängt, von Feigen, die sich nie in die Reihen derKampfer stellten, geschmäht und der schwärzesten Absichten angeklagt, von tiefemliseymerz über die Leiden seines hinsiechenden Heeres erfüllt, verlor Karl Albert den-

) Mit bitterm Schmerz schreibt der Verfasser der schon erwähnten „dwmorio eck o>>or-V»/.,,,,» ünll.'i guorra : „Ich »abe Karl Albert ,u Peschiera, zu Goito, zu Mailand stets alsdc» Ersten im Feuer gesehen, bedeckt und verwundet von dem durch die feindlichen Kugelnun» Bomben in die Luft geworfenen Kies; ich habe ihn jenseit des Mincio zu Fuß gesehend/r 'Awsten Kugelregen, wie er sich mitten IN seinem glänzenden Generalstabe zur Zielscheibep, s.°w^ichischcn Büchsen machte, ich habe den Herzog von Genua bei Peschiera aus deneiner n> s""" Kanonen stehen, und den Herzog von Savoyen bei Tanta Lucia an der Spitzen r Brigade dem Schwert in der Hand auf den Feind eindringen seken: und nach allem2>cm habe ich den König, der für das Heil Italiens sein und seiner Lehne Leben und seineangecrbte Krone täglich auf« Spiel sehte, der L r.ul anklage» Herrn!"