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Achter Band.
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Das Königrrich Sardinien. 597

classe zusammengesetzt, wechselte seit der neuen Parlament-eröffnung überwiegend kon-servative, dem Progressismus der Regierung und Deputirtcnkammer nur unwilligfolgende, mit überwiegend retrograder Richtung ab. Die Verschmelzung der staat-lichen und kirchlichen Gewalt unter absoluten Principien erschien hier oft alr Cultur,und dieser Standpunkt ward auch von einem großen Theile der Mitglieder mit vollerKonsequenz für die Folgezeit festgehalten.

Dauernd erhielt sich während der neuen Session von Anfange 1850 dir Ende1851 die Cabinelsmodification d'Azeglio-Siccardi-Cavour. Diesen Männern standenzur Seite: Galvagno (Inneres), La Marmors (Krieg), Mameli, später Gioia (alrUnterricht-minister), Paleocapa (öffentliche Bauten). Nachdem die Kammer den mai-länder Friedensvertrag votirt (9. Jan. 1850, mit 112 gegen 17 Stimmen, unterStimmenthaltung der Opposition Josti-Valerio-Tecchio), begann unmittelbar jene in-teressante Rcformcpochc, welche in so lebhafter Weise die Aufmerksamkeit des Aus-landes auf Piemont lenkte. Zu den erste» folgenreichen Reformgesetzen, welche diealte Legislatur mit der Verfassung in Einklang brachten, gehörten die vom Justiz-minister Siccardi vorgeschlagenen und nach ihm benannten Gesetze über die Aufhe-bung der geistliche» Gerichtsbarkeit und anderer kirchlichen Privilegien. Sie wurdenani 9. März mit 150 gegen 26 Stimmen in der Wahlkammer angenommen. Dieöffentliche Meinung jubelte dem Ministerium für den entschiedenen Schritt, durchwelchen der politische Einfluß des Klerus gebrochen ward, langen und lauten Beifallzu, und eine Nationalsubscription zu einem Soldo (fünf Pfennige) behufs der Er-richtung cincS Denkmals zu Ehren Siccardi'« ergab in kurzer Zeit über 50000Francs. Mit den Siccardi'schen Gesehen begann aber auch jener lange Kampf zwi-schen der liberalen und klerikalen Partei, der sich noch bis in die neueste Zeitsortspinnt. Der turiner Erzbischos Fransoni warf sich zum Haupte der extremenKlerikalen auf, und ein Hirtenbrief, den er am 2t. April 1850 erließ, enthielt soheftige Angriffe gegen die Verfassung und die Regierung, daß er vom öffentlichenMinisterium consiscirt und ein Proceß gegen den Erzbischos eingeleitet wurde. Dieserbüßte sein Vergehen mit vicrwöchentlichem Gefängniß. Bei dem Todesfälle des frü-Hern Minister- und Dcputirtcn Santa-Rosa (7. Aug.) begann indessen der Bischofdie klerikale Agitation noch heftiger zu schüren, indem er dem Genannten die letztenTröstungen der Kirche verweigerte, weil derselbe die Siccardi'schen Gesetze votirt hatte.Fransoni drohte sogar mit Excommunication gegen die Regierung, die Deputieren-kammer u. s. w., und rief außer der strafenden Justiz auch die Entrüstung deröffentlichen Meinung gegen sich und seine Genossen aus. Nach mehrwöchentlicher Haftin der Festung Fcnestrclla wurde er vom turiner Appellalionstribunal zur lebens-länglichen Landesverweisung (25. Sept.) verurthcili. Gleiches Loos traf den Erz-bischof Marongio -Nurra von Lagliari. Die Frati Servili entgingen wegen ihrerDienstbcflissenheit in der klerikale» Agitation kaum dem Ausbruchc des Volkszorn«,und wurden ebenfalls von der Regierung des Lande« verwiesen. Rom protestirteheftig gegen die Bestrafung der Erzbischöse, ja drohte einige Zeit ziemlich verstand-lich , Piemont in den Bann zu thun. Der Kammerpräsident Pinrlli, ein tüchtigerdlploniatischer Kopf, erhielt den Auftrag, die Zustimmung des Papstes zu den Sie-card, sehen Gesetzen nachzusuchen. Derselbe erreichte aber nur, daß die Kirche sichnicht den äußerste» Schritten gegen die neue politische Ordnung und die RegierungPiemontS h"Mb-. Dagegen verlangte das Land mit immer einmüthigerer Stimmedie weitere Beschränkung des politischen Einflusses des Klerus durch Sequestrationder geistlichen Guter und Unterhaltung der Geistlichkeit auf Staatskosten, AufhebungKlöster und Verminderung der Bischofsitze (nach französischem oder belgischem

vour zahlreichen Reformacten unter dem Ministerium d'Azeglio-Siccardi-Ea-

tend-., m""" k"',er d« Veränderungen hinsichtlich der Feudalverhälmisse emen bedeu-«.. . . g ein. Trotz des Widerstandes der Adel-classe und des Klerus wurden die

o onimisse, die Majorate, die Erstgeburt-rechte, die Banalgereckiigkeiten, die geist-