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Achter Band.
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Das Königreich Sardinien.

bar machte, weil ein solches Verfahren die gegenseitige Unabhängigkeit der drei Ge-walten aufhebt, mithin die Verfassung verletzt. Ich habe aber geschworen, Gerechtig-keit und Freiheit für jede (der drei Staatsgewalten) innerhalb ihrer Recht-grenzenaufrecht zu erhalten: ich erfülle meinen Schwur, indem ich eine unmöglich gewor-dene Kammer auflöse und unmittelbar eine andere einberufe. Sollte jedoch das Land,sollten die Wähler mir ihre Mitwirkung versagen, so wird die Verantwortlichkeit fürdie Zukunft nicht auf mich zurückfallen, und die Störung der (VerfassungS-)Verhält-nisse, die daraus hervorgehen könnte, werden sie nicht mir, sondern nur sich zuzu-schreiben haben. Wenn ich mich bei dieser Gelegenheit strenger Worte bedienen zumüssen glaube, so geschieht es in dem Vertrauen, der öffentliche Gerechtigkeitssinnwerde erkennen, daß diese Worte mir von tiefer Liebe zu meinen Völkern und ihrenwahrhaften Vortheilen, und gleichzeitig von meinem festen Willen geboten sind, ihreFreiheiten zu erhalten und sie gegen äußere und innere Feinde zu vertheidigen."

Die parlamentarische Opposition verfehlte nicht, diese Proklamation einen indi-rectcn Staatsstreich zu nennen, weil sie, auf die Gefährdung der Verfassung-ver-hältnisse anspielend, die moralische Unabhängigkeit der Wähler zu beeinflussen suchte.Anders sahen jedoch die unbefangenen Bürger diese Sache an. Man erkannte dieschwierige Lage Piemonts nach außen, erhöht durch die gefährlichen Anläufe der re-aktionären und die Hinderungen der radicalen Partei, mit welcher die liberale Re-gierung Victor Emanuel's gleichzeitig zu kämpfen hatte. Zahlreicher als bei allenvorhergegangenen Wahlacten versammelten sich die Bürger in den Wahlcollegien,und vertrauensvoll auf den Appell des KönigS antwortend, wählten sie eine in poli-tischer und ökonomischer Richtung liberale, in der Bewahrung der Verfassung undder konstitutionellen Freiheiten konservative Nationalvertrctung. In der denkwürdigenRede, mit welcher der König da- Parlament eröffnete (20. Dec.), hieß eS: „DieVerhältnisse, welche mich bestimmte», daS Parlament aufzulösen und »ach einemAppell an« Land ein neue« einzuberufen, dürfen uns nicht niederschlagen. Diese Ver-hältnisse führten uns in jene Schule, in welcher man allein politische« Leben lernt)in die Schule der Erfahrung; sie waren Veranlassung zu einem edel» Beispiel vonVertrauen und Eintracht zwischen Volk und Fürst; sie gaben dem Lande Gelegen-heit darzulhun, daß es fähig sei, seine Verfassung zu unterstützen, und werth, seineFreiheiten zu besitzen. Zur Befestigung der Verfassung und ihrer Freiheiten habeich meinerseits so viel gethan, als nur in meiner Gewalt stand. Aber nicht genügtder Wille oder ein Dccrct deS Königs, um sie tiefe Wurzel in dem Herzen unddem Verlangen der Allgemeinheit fassen zu lassen beweisen wir deshalb, daß siein ihrer praktischen Anwendung den, Lande wahrhaft nützlich und heilbringend sind."

Mit der Wirksamkeit der neuen Kammer trat eine wesentliche Vereinfachungder Parteistellung in und außerhalb de- Parlament- ein. Die entschieden und dochkonservativ Liberalen verschmolzen sich in eine große, starke Phalanx, welche die bei-den extremen Richtungen in der Folge vergeblich zu durchbrechen suchte». I» berKammer war jene liberal« Hauptpartei, wenn wir von zeitweiligen Modifikationenabsehen, durch dir Grafen läesare Bald», Eavour, Franchi, durch den GenuefeuPaolo Varina, die Advocale» Miglieiii, Ratazzi, Eadorna, Demarchi Buoncompagni,durch die Professoren Torelli, Berti, durch Loren;» Valerie, durch die SavoyardenBrunnier und Barbier vertreten, doch so, daß die demokratisch-konstitutionelle Fra-ktion, repräsentier durch de» Hauptmann Lion» (gest. Anfang lUll."»), Dcprctis,Mellana, Sulis, Parent und Asproni in allen Fragen, wo es die Bekämpfung ^klerikalen Richtung galt, sich mit der Hauptpartei vereinigte. Die ""ra - kacho>und Ultra-royalistische Richtung wurde immer mehr eine außerparlamentarische,sonder« seitdem Programm der äußersten Rechten, geführt durch die SavoyaroenMcnabrea und De«pine und den Grafen Thao» de Rcvel, nicht mehr gegenVerfassung sondern gegen da« liberale System ankämpfte. Piuell. bl.eb fortan, »'«zu seinem Tode. erster Präsident der Kammer. .

Im Senate, zumeist au« Vertretern de« große» Besitze« und der alte» ttve