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Achter Band.
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Das Königreich Sardinien.

rini (Letzterer Unterrichtsminister seit dem Herbst 1851), wenig zusagte, verwirklichtenun den befürchteten Zwiespalt. Die Genannten reichten ihre Entlassung ein, dieder König annahm, indem er jedoch gleichzeitig d'Azcglio, in dessen Umsicht und po-litischen Takt er stets das größte Vertrauen sehte, mit der Neubildung des Cabinetsbeauftragte. Die hauptsächlichste Bedeutung dieser Veränderung lag in dem Aus-scheide» des Finanz- und Handclsministers Grafen Cavour, der bis dahin den vor-wiegendsten Einfluß auf das Cabinct geübt, und besonders angelegentlich eine engereVereinigung der beiden Centren, als Gegengewicht der äußersten Rechten, angestrebthatte. Cavour wurde durch den als Historiker rühmlich bekannten, im Finanzfacheaber weniger erfahrenen Reichsscnator Luigi Cibrario erseht, den edlen Freund desKönigs Karl Albert. An die Stelle Galvagno's trat als Minister des Innern derGeneralintendant Pcrnati, der im Rufe eines tüchtigen Administrators stand,^aberwegen seines widerspruchsvollen Verhaltens in Principienfragcn sich weder die Sym-pathien der Liberalen noch der Conservativc» zu erwerben vermochte. Farini wurdedurch den frühern Minister Buonconipagni ersetzt, welcher gleichzeitig die Justizver-waltung übernahm, nachdem diese kurze Zeit durch den Advocatcn Deforesta ausNizza, dann provisorisch durch Galvagno geleitet worden war. Die übrigen Mini-ster blieben; d'Azcglio selbst verharrte in seiner bisherigen Stellung als CabinetS-präsident und Minister des Auswärtigen.

Die liberale Kammermajorität „acceptirte" zwar dieses Ministerium, brachteihm aber nicht jene warme Sympathie und jenes feste Vertrauen entgegen, derensich das Cabinct d'Azeglio-Siccardi-Cavour erfreut hatte. Im Publikum und in derPresse wurde die neue Verwaltung häufig als eine transitorische bezeichnet. Ohneden Ncformwcg zu verlassen, ließ daS Cabinct zu geringes Selbstvertrauen und eineder öffentlichen Meinung miSliebige Neigung zu Zugeständnissen an die auswärtigeDiplomatie durchblicken. Freilich war Piemonts Lage nach außen in Folge derfranzösischen Staatsumwälzung vom 2. Dec. 1851 noch schwieriger geworden alsvorher, und es mochte dem Cabinct vielleicht rathsamer geschienen haben, den Reac-tionSstürme», welche von Frankreich, Östreich und Rom zugleich gegen Piemonk her-cindrohten, durch ein kluges Nachgeben auszuweichen als durch starren Widerstandzu trotzen. Bei einer frühern Gelegenheit hatte d'Azcglio schon in einer Kammer-rede die allegorische Bemerkung gemacht, daß ein kluger Schiffsführer auf siürmi-schein Meere dem Wogenbruch ausbeuge, ja selbst Entbehrliches über Bord werfe,um die Hauptsache zu retten; und daß ein einsamer Wanderer in wüster Gegend,wenn er auf einen schlafenden Löwen stößt, wohl thue, an diesem geräuschlos vor-überzugehen. Piemonk glich damals in der That einem solchen einsamen Wanderer.Außer der kleine», ebenfalls bedrohten Schweiz, hatte eS nur mächtige und fcindseligc Nachbarn, welche das parlamentarische Rcgierungssystem im eigenen Hause ab-geschafft hatten und nur mit MiSwollen dasselbe an ihren Grenzen fortbestehen sehen»ilisiteu. Das Frankreich vorn 2. Dec., ein innigeres Bündniß mit Rom und demKlerus anstrebend, unterstützte, wenigstens indirect, die römischen Anrnuthungen gegenPiemonk, um hier den Klerikalen größer» Einfluß zu verschaffen. Östreich gab seineAbneigung gegen das Verfassungsleben in Picmont in wiederholten Reklamationenund Noten in der Emigrations-, in der Preß- und klerikalen Frage zu erkennen.England bewahrte zwar, selbst unter dem Ministerium Derby, seine Sympathienfür Piemonk, ließ aber energischer» Beistand zweifelhaft erscheinen, während sichPreußen überhaupt gleichgültig oder zurückgezogen verhielt. Von der Diplomatieunterstützt, verlangte die römische Curie von Piemonk fortwährend Zugeständnisse,ia machte zu Bedingungen eines friedlichen Einvernehmen- die Aufhebung der Sie-cardi'schen Gesetze und die Nückberufung der landkSverwiescnen Erzbischvfc Fransoniund Marongio-Nurra. Rom wurde, wie zu den Zeiten Karl Albert'k, der schwic-r>ge Punkt in den auswärtigen Verhältnissen Piemonk«. Der inländische KlerusNat immer heftiger gegen die Regierung, die Verfassung und die Freiheiten des Lau-es auf, bald j„ Hirtenbriefen, bald aus der Kanzel, bald in der Presse. Auf der