Lübeck.
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Stimmen hatten sich für die Comniissiousanträge erhoben, dagegen ward der Scnats-antrag soeben mit 50 gegen 20 Stimmen angenommen. Actuar Dr. Bchn erhieltden Auftrag, der sogenannten Deputation und ihrem schreienden Anhange das erzielteResultat mitzutheilen. Dies geschah; allein damit war auch das Signal zu einemgewaltsamen Eindringen der tobenden Menge in den Versammlungssaal gegeben, wasdie Bürgerschaft nöthigte, die Sitzung sofort aufzuheben.
Der Tumult steigerte sich zum vollen Aufruhr, als die Versammlung, ihresThuns und ihrer Pflicht bewußt, dem unbedachten Ansinnen der tobenden Menge,einen andern Beschluß zu fasse», nicht nachgab. Die Rasenden drohten mit roherGewalt und begannen sie auszuüben, da die Bürgerschaft fest blieb und das Unab-wendbare über sich ergehe» zu lassen nicht anstand. Wie sehr auch der wilde, zumTheil berauschte Haufe tobte, Unfug trieb und nach der „freien Stäudcwahl", wieer es nannte, nach „seinem Rechte" schrie: es siel weder dem Wortführer noch derBürgerschaft ein, so unwürdigem Verlangen zu willfahren. Da alles Zureden undBegütigen nicht half, der Aufruhr immer heftiger anschwoll und offenbar der ganzeStaatskörpcr in augenscheinlichste Gefahr gcrieth, griff die Behörde zu ernster»Mitteln, leider entweder zu spät, wie der Erfolg lehrte, oder in nicht geeigneterWeise. DaS Erscheinen der Bürgergarde vermochte weder die bis zur Wildheitaufgeregten Gemüther der tobenden Menge, die jetzt führerlos nur noch ihrem au-genblicklichen Gelüst folgte, zu beschwichtigen, noch die dicht gedrängte Mcnschenscharaus der Umgegend des Dersammluugsorts der Bürgerschaft zu vertreiben. Sogardie eigentliche bewaffnete Macht des Freistaats, die zuletzt ebenfalls aufgeboten ward,richtete nichts aus gegen die Aufrührer, da man ein rücksichtsloses Einschreiten, dasdoch hier geboten war und sich von selbst gerechtfertigt hätte, vermeide» zu wollenschien. So konnte das Unbegreifliche geschehen, daß die gesetzmäßig erwählten Ver-treter Lübecks von einer besinnungslos tobenden Volksmenge, die in blindem Wahnegegen sich und ihr eigener Interesse wüthete, förmlich belagert ward. Wer nichtdurch einen besonders glücklichen Zufall zu entkommen vermochte, was Einzelnen ge-lang, mußte in der Kirche bleiben und konnte sich mit jeder schwindende» Viertel-stunde langer» Harrens der brutalsten Behandlung versehe». Volle fünf Stundendauerte diese peinliche Lage, und es wäre aller Wahrscheinlichkeit nach wirklich nochzu Mord und Todischlag gekommen, hätten die Eingesperrten nicht zuletzt, Jeder aufseine eigene Faust, Rettung gesucht und gefunden.
Schon hatten die Aufrührer das Dach des ansehnlichen Gebäudes erstiegen undbegannen es abzudecken, um ihre Drohung, die Bürgerschaft unter den Trümmernder Kirche zu begraben, wahr zu machen. Da flüchteten die Belagerten nach oben,stiegen aus den Fenstern, erreichten die anstoßenden Simse und Da'cbcr der Nach-barhäuser, und gelangten so auf seltsamen Umwegen glücklich in die entfernter» Stra-ßen. Gleichzeitig mit dieser Sclbstrcttung machte denn auch die bewaffnete MachtGebrauch von der Fcucrwaffc, was die Aufrührer, wenn nicht zur Besinnung brachte,
so doch znm Ausciuandcrgehcn veranlaßte. Erst spät in der Nacht ward die Ruhewiederhergestellt. ^
So hatte denn auch daS bis dahin friedliche Lübeck seinen Zoll an den Aect-geist abgetragen. Der Tumult des 0. Oct. stellte es wenigstens einigermaßen an-dern deutschen Staaten gleich, nur mit dem Unterschiede, daß die Fo-
derndcn «„verrichteter Sache wieder abziehe» mußten. Der Beschluß der Bürger-schaft blieb in Kraft. Die Einwohner LübcckS aber hatte» das Bergungen, fremdeTruppen — NcichSm.ppcu hjcs, cS damals — beherbergen und verpflegen zu muz-fl», und die sofort gegen die Tumuliuantc» cingclcitetc Untcrsnchnng brachte Vielehinter Schloß und Riegel.
Unsers Wissens hat diese Untersuchung s° gut wie gar keine Resultate gcl.efert.Wie dieS gekommen sein mag, ist Geheimniß Derer geblieben, welche mit der " ^suchnng der Ereignisse des 0. Oct. betraut wurden. Nur darüber war daS Mvu-Die Wcgrnwart. Vlll. ^0