Lübeck.
633
160 Pfcrdekraft aus der Motalawerkstatt in Schweden besitzt und im Sommer 1840zuerst als lübecker Postdampfschiff nach Kopenhagen in Fahrt gesetzt ward. Ein un-glücklicher Zufall wollte damals, daß der Zusammenstoß des „Lübeck" mit einemmecklenburger Dampfschiffe das sofortige Sinken des letzter» zur Folge hatte, waSzu langen und heftigen Erörterungen führte. Zum Glück gingen Menschenleben beidiesem Unfälle nicht verloren.
Mit Recht konnle Lübeck bis znm Jahre 1848 ein kleines China genannt wer-den. Es war abgeschlossen und schloß sich oft geflissentlich ab, trotz des hakigenStreits, der über die Eisenbahnfrage entbrannte. Am meisten hatte es sich in Be-zug geistiger Belcbungsstoffe fern zu halten gewußt. Es gab, wie schon erwähnt,im eigentlichen Sinne des Worts keine Presse in Lübeck. Was gedruckt ward, bliebrein local und überschritt nicht die Grenzpfähle des Freistaats. Auffallen muß es,daß Lübeck, dieses einst so stolze Haupt der gewaltigen Hansa, niemals das Bedürf-niß gefühlt hatte, eine eigene Zeitung zu besitzen. Städte und Städtchen von un-gleich geringerer Einwohnerzahl, von viel geringerer Größe und viel weniger histo-rischer Bedeutung besaßen seit langen Jahren Zeitungen, die auch auswärts gelesenwurden. Lübeck kam nie auf einen solchen Gedanken. Erst der gewaltige Lärm derNevolutionsercignisse, die Aufhebung der Censur, die Freigebung der Presse, derLavinensturz ungeheurer Ereignisse regte in Einzelnen den Wunsch nach dem Besitzeiner eigenen Zeitung an; und so wagte es denn ein einzelner Mann, der patriotischgesinnte Buchdrucker G. H. Nathgcns, die „Lübecker Zeitung. Organ für Politikund Handel" im März 1849 zu gründen. Die Zeit für ein derartiges Unterneh-men war günstig, denn es fehlte nicht an Stoff, eine Zeitung ihren Lesern inter-essant zu machen. Auch fand sich in der Person des vr. Biscamp, eines geborenenHessen, der längere Zeit in Rußland gelebt hatte, ein gewandter Redacteur. Den-noch hatte das Unternehmen keinen schwungvollen Fortgang. Theils fehlte es anausreichenden Mitteln, um die in großem Stil begonnene Zeitung fortführen zu kön-nen, theils und vornehmlich stand dem Unternehmen der eingefleischte lübecker Schlen-drian hindernd im Wege. Seit undenklichen Zeiten war Lübeck mit fremden, beson-ders mit Hamburger Blättern überschwemmt gewesen. An diese war der Lübeckergewöhnt, diese behielt er bei, trotz der neuen Zeitung. Da nun auch die beste Zei-tung nichts Anderes geben kann als die Geschichte des Tages, diese neueste Tiages-geschichtc aber auf dem gewöhnlichen postalischen Wege, nicht mittels Kuriere bezo-gen wird, so meinte der behäbige lübecker Bürger, es ließe sich ohne die neueZeitung ebenso gut leben. Darin hatte er freilich Recht. Unrecht aber war eS, daßcm so patriotisches Unternehmen so wenig Unterstützung erfuhr, und daß man sichnicht z» der Höhe der politischen Anschauung aufschwingen konnte, welche dem Ver-leger wie dem Redacteur einer politischen Zeitung freie Hand läßt und nicht gleich>n Unwillen auffährt, wenn nicht der Ansicht jedes einzelne» Staatsbürgers Rücksichtgcichcnkt wird. Schon j,» Juni 1840 trat Biscamp halb gezwungen zurück, weilcr^ dc» Lübeckern zu demokratisch geworden war. Mit dem l. Sept. übernahm E.--b»llko»iin die Redaction und führte dieselbe freisinnig, aber gemäßigt und die lübecker'"»glichst berücksichtigend, bis Ende Mär; 1852. DaS Nichterfreuliche,i„,d ^ Erfreuliche bei der Leitung der „Lübecker Zeitung" allzu sehr überwog,«r ^^."l1"ng, daß eS unmöglich sei, dem Blatte ein selbständiges Leben undMoßcre Lcrbreitung zu geben, veranlaßte auch diesen Schriftsteller zum Rücktritt.Beut Nachfolger war und ist „och jetzt Nr. Grieben.
aa>e - § Zerfallen des Deutsche» Parlaments und die Beschlusse des nach Stritt-r übersiedelten Rumpfparlaments machten die Stellung besonders der kleiner»verf^w" ö" Deutschland immer schwieriger. Lübeck, das für Annahme der Reichs-weder gerade Ursache zur Auflösung des Parlaments gab, konnte
um n- rückwärts. Die Nationalversammlung zu schützen, ihre Beschlusse
erstutzc», hic,^.» die politisch thätigen Parteien auch deS kleinen FreistaatS fürl>cy guter deutscher Patrioten. Da siel das Dreikönigsbündniß mitten in den