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Achter Band.
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654 Lübeck.

Vorlesungen über die verschiedenartigsten Gegenstände in dem ihr zugehörenden HauseBildung zu verbreiten, über die wichtigsten Gegenstände sich selbst wie Andere zu be-lehren, sondern griff und greift noch täglich ein i» das praktische Leben, indem sieeine bedeutende Anzahl Institute gegründet hat, beaufsichtigt und zu verbessern be-müht ist, die wesentlich dem städtischen Gemeinwohl dienen. Es ist uns keine Anstaltähnlicher Art in irgend einer andern deutschen Stadt bekannt, obwol die Nachahmungdesselben jedem großem städtischen Gemeinwesen als höchst zweckmäßig empfohlen wer-den kann. Im Winterhalbjahre tritt die Gesellschaft ihren Versammlungssaal auchAndern, d. h. Nichtmitglicder», ab, behufs darin zu haltender Vorlesungen oder zukleinen musikalischen Aufführungen. Was Lübeck in den letzten 50,Jahren an ge-meinnützigen Einrichtungen erhalten hat, das ging, wie sich ohne Übertreibung be-haupten läßt, von diesem Vereine aus. Wo die Gesellschaft nicht unmittelbar ein-greifen kann, da ist sie wenigstens erbötig, mittelbar, z. B. durch Gelduntcrstützung,zu helfen, vorausgesetzt, daß das betreffende Unternehmen ein städtisches, den In-teressen Lübecks wesentlich dienendes ist. Die Gesellschaft feiert alljährlich ihren Stif-tungstag, ein Fest, das immer stark besucht und in froh belebter Stimmung voll-bracht wird, und veröffentlicht alle Jahre einen ausführlichen Bericht über ihr Wir-ken und Schaffen in den „Neuen Lübcckischen Blattern", einer wöchentlich ein malerscheinenden Zeitschrift, die vorzugsweise nur städtische Angelegenheiten ausführlichbespricht und von einem Mitgliede der „Gemeinnützigen" redigirt wird. Für dieGeschichte Lübecks sowie für den innern Ausbau des kleinen Staatswesens gebendiese „Neuen Lübeckischen Blätter" eine sehr schätzbare Quelle ab, obwol sie nichtvöllig frei sind von Parteiansichten. Jedenfalls aber ist die Partei, welcher dieseBlätter dienen, keine schlechte. Was sie will, will sie im Interesse des gemäßigtenFortschritts und zum Besten der lübcckischen Staatsangehörigen.

Die Freiheit der Bewegung, welche die Republik ihren Bürgern in alle» billi-gen Dingen gestattet, wol ein Überbleibsel aus der großen Zeit Lübecks, hemmte denStaat selbst nicht in der Wahrnehmung seines Wohles und seiner Vortheile im Gro-ßen und Ganzen. Während die Regierung den Bürgern freiesten Spielraum gabin Ausführung ihrer gemeinnützigen Plane, suchte sie selbst dem Verkehre nach außenmehr Wege zu bahnen und besonders für die handeltreibende Welt der Travenstadtmit fremden Mächten, sowol europäischen wie nichteuropäischen, Handelsverträge undandere Trackate abzuschließen. In Ausübung dieser Hoheitsrechte behinderten denSenat selbst nicht die unruhvollen Jahre der großen deutschen Bewegung, und esdarf wol als Beweis des Ansehens gelten, welches die lübeckische Flagge als Ha»'dclsflagge genießt, daß derartige Verträge sogar mit südamerikanischen Republiken ab-geschlossen und gegenseitig ratificirt werden konnten. Bedenkt man, daß eine kleineStadt in dieser Beziehung für ihre Bürger im Auslande, sei es diesseit oder jen-seit des Atlantischen Oceans, sehr Bedeutendes thun kann, so muß es doch wiedertief schmerzen, daß nur einem sehr kleinen, wenn auch wichtigen Gliede des Datcr-landes gegeben wird, was dem großen Ganzen zugute kommen, wodurch es zuwgebietenden Weltreiche erstarken könnte, wäre es einig zu machen und besäße eüberall nur eine gemeinsame Vertretung wie einen gemeinsamen Schuß für alle de«'scheu Staatsbürger. Lübecks Staatsangehörige sind in dieser Beziehung ungleich belldaran als die mancher größer», deutschen Binnenländer, die zwar alle genugtärkräfte entfalten können, um die Ruhe im Lande aufrecht zu erhalten, d*""den aber weder der Nordlandsbewohner, noch der Sohn von den Küsten destischen und Stillen MeereS kennt, noch weniger respectirt. „d

^ Unter die neuesten und wichtigsten Verträge dieser Art gehört der Handels-SchiffahrtSvcrtrag, welchen Lübeck mit dem Königreiche Sardinien, dann der Ver ^über Freizügigkeit der beiderseitigen Staatsangehörigen von einem Staate in dender», den es mit Belgien zum Abschluß brachte. Mit dem deutschen Gesammlande verknüpfte es sich und die Interessen seiner Staatsangehörigen dadurch cngcr,^,es sowol dem Paßkarten- wie dem deutsch-östreichischcn Postvereine beitrat.