Die kirchlich-religiöse Bewegung der Gegenwart.
der erklärte Freund und Gönner der Jesuiten, den Thron bestieg, sollte die Herr-schaft derselben sofort öffentlich proclamirt werden. Ein Gesetz zur Wiederherstellungder geistlichen Korporationen war zu diesem Zwecke von dem Ministerium Villeleschon vor dem Tode Lndwig's XVlll. eingebracht worden, und die Deputirtcnkammcr,die durch die Wahlumtriebc der Kongregation vollkommen im Dienste derselben stand,hatte die Annahme dieses Gesetzes bereits votirt, als sich, wunderbar genug, aus demSchoose der Pairskammer eine ernste und erfolgreiche Opposition gegen die Maßlo-sigkeit der hierarchischen Hcrrschergelüstc erhob.
Das Corporationsgesetz wurde verworfen. Die Debatte, welche bei dieser Ge-legenheit in einem der wichtigsten Organe der Staatsgewalt geführt wurde, gab auchder Presse, als dem Organe der öffentlichen Meinung, den Anstoß, die Frage mitEnergie zu behandeln und die gesetzwidrigen Umtriebe der geheimen Priester- undJesuitengesellschaft ans Licht zu ziehen. Je mehr man nach dem RegierungsantritteKarl's X. offenen Schritten im Interesse der Jesuiten entgegensah, um so eifrigerWurde der Kampf gegen dieselben geführt; und selbst der höchste Gerichtshof desLandes fand sich in Folge eines Preßprocesscs veranlaßt, auf Seiten der Presse zutreten und das Bestehen geheimer geistlicher Korporationen für ungesetzlich und staats-Sefährlich zu erklären. Durch dieses Verbiet und durch die wachsende Zustimmungder öffentlichen Meinung crmuthigt, trat die Presse immer entschiedener auf. Einewächlige Stütze erhielt dieselbe an dem Grafen von Montlosicr, von welchem imMärz 1826 eine sehr energische Denkschrift über diese Frage erschien. Eine in Folgelener Denkschrift an die Pairskammer gerichtete Petition gegen das Fortbestehen derl>Urch das Gesetz verbotenen geistlichen Genossenschaften und Vereine wurde am 19.3an. 1827 von dieser als begründet anerkannt, und zur Nachachtung dem Minister-bsäsidenten überwiesen. Die Aufregung gegen die Jesuiten ward durch diese Vor-sänge so allgemein, daß selbst die Nationalgarde bei einer Revue den lauten Nus:'/Nieder mit den Jesuiten" vernehmen ließ, in welchen die versammelten Zuschauer-waffen allgemein einstimmten.
Der Sturz des Ministeriums Villele war großenkheils die Folge dieser antije-luitischen Bewegung. Sein Nachfolger, Martignac, machte den energischen Versuch,Regierung von dem allmächtigen Einfluß der Hierarchie und der Kongregationiu befreien, und ordnete die Aufhebung von acht kleinen Seminarien an, die als Je-!uite,ianstalten bekannt waren. Nur nach dem heftigsten Kampfe gegen den Königsilbst, gegen die offenen Angriffe des hohen und niedern Klerus, der eine Verletzung°es Kirchenrechts in derselben finden wollte, konnten diese Maßregeln zur Ausfüh-^Ung gebracht werden. Das Andringen des Klerus gegen die immer mehr crstar-tnde öffentliche Meinung nahm jetzt eine für die Autorität der Kirche so drohendeGestalt an, daß endlich Papst Leo Xll. selbst die Zulässigkcit jener Rcgierungsmaß-regc anerkannte, und somit dem bedenklichen offenen Kampfe wenigstens äußerlich«n Ende sehte.
b Aber während sich das Volk, die Presse und die Bourgeoisie mit diesem stcht-arcn Siege begnügte, war die Priesterpartei keineswegs geneigt den Kampf auf-tend verstand cS, ihren direkten Einfluß auf den König in einer Weise gel-
steril?" wachen, daß es ihren Bemühungen nach kurzer Zeit gelang, das Ministe-fron,"* Martignac zu verdrängen, und den ebenso finstern und unbeugsamen wietjstis^n und jesuitenfreundlichen Polignac an dessen Stelle zu setzen. Das absolu-'^krarchische System sollte durch dieses Ministerium, trotz des offenen Wider-SebrmE ^ öffentlichen Meinung und der gesetzlichen Volksvertretung, zur HerrschaftKarl'« ^rdeii. Dgs Resultat dieses Kampfes ist bekannt. Mit dem Sturzeyg-X. und der Bourbons schien auch die Hoffnung der Hierarchie auf die^Herstellung ihrer verlorenen Macht für lange Zeit zu erlöschen,stine w ^ Philipp war durch die Bourgeoisie auf den Thron erhoben, und muffte'".egicrungSgcwalt vornehmlich auf den Einfluß derselben stützen. Die Bour-l>e ist dem Einfluß der Geistlichkeit weniger zugänglich als die Aristokratie und