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Achter Band.
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Die kirchlich-religiöse Bewegung der Gegenwart. 673

ihre» Kassirer Affinier anhängig machten, ließ über das Fortbestehen ihrer Verbin-dungen in Frankreich keinen Zweifel. Auf den Antrag von Thiers beschloß daherdie Deputirtenkammer am 31. Mai 1843, die Regierung zur Ausführung der ge-gen die Duldung der Jesuiten bestehenden Gesetze auszufodern. Die Regierungkonnte dieser cinmüthig ausgesprochenen und wohlbegründcten Willensäußerung derKammer nicht offenen Widerstand leisten; aber ebenso wenig wagte Ludwig Philippdem Gesetze ohne Weiteres Geltung zu verschaffen. So sehr war auch schon derBürgerkönig von den Fesseln der Hierarchie umschlungen. Vielmehr wurden weit-läufige Verhandlungen mit der römischen Curie und dem Jesuitengeneral PaterNoothaan durch den später so berühmt gewordenen Grafen Rosst gepflogen. Mansah es sogar als einen großen Sieg des Diplomaten Rosst an, daß es gelang,von dem Pater Noothaan eine Auffoderung an die Jesuiten in Frankreich zur frei-willigen Aufgabe ihres dortigen Wohnsitzes zu erwirken. So erschien also das Ober-haupt eines geistlichen Ordens bereits mit dem königlichen Oberhaupte des fran-zösischen Staats auf gleichen Fuß gesetzt, trat mit ihm in diplomatische Unterhand-lungen, und erwies ihm die Gunst, ihm die Ausführung unzweideutiger Gesetze unddes offen kundgegebenen Volkswillens in seinem eigenen Lande zu gestatten. OhneZweifel ist auch dieses Zugcständniß von dem Jesuitengeneral nicht ohne anderwei-tige Bedingungen gemacht worden. Denn es ist nicht nur unzweifelhafte Thatsache,daß ein Theil der Jesuiten trotz des Kammervolums dennoch in Frankreich verblieb;sondern es trat die Regierung Ludwig Philipp's auch bei den schweizer Wirren ent-schieden auf die Seite der Jesuiten, und das in so offenem Widerspruch gegen dieöffentliche Meinung in Frankreich, daß die schweizer Frage offenbar nicht wenig zumSturz der Julidynastie beigetragen hat.

' Die Februarrevolution rüttelte wiederum das Selbstbewußtsein und die Selbst-

thätigkeit des Volks so gewaltig aus und verlieh der öffentlichen Meinung eine sounwiderstehliche Kraft, daß der Einfluß der Hierarchie für einen Augenblick abermalsI zuständig verdrängt schien. Aber die Revolution verschaffte auch dem Principe kirch-! licher Freiheit nach allen Richtungen hin eine so volle Geltung, daß mit derselben

! alle Schranken sielen, die den Bestrebungen des Klerus bisher durch die Gesetze des

! Landes im Wege standen. Die politische Reaction, die alsbald wieder eintrat, hat,

^ obschon sie außerdem Alles niederwarf, doch die Unabhängigkeit der Kirchengewalt

bestehen lassen. Das allgemeine Stimmrecht nämlich, das mit kurzer Unterbrechung,wenn auch gegenwärtig nur zum Schein seine Herrschaft behauptet, ist zur mächtig-sten Waffe und Schuhwchr des Priesterthums geworden. Solange die Zahl inFrankreich irgend einen bestimmenden Einfluß auf die Entscheidung der öffentlichenAngelegenheiten ausübt, wird kein Machthaber es mit dem Klerus verderben dürfen,dessen Einfluß auf den Bauernstand ein fast widerstandsloser ist. Das haben alleFrankreich erkannt, solange noch die Parteien um den Sieg kämpften;

! Als « ^ haben sich daher in gleicher Weise um die Gunst des Klerus beworben.

^ le Ludwig Napoleon sich durch Militärgewalt des absoluten Regiments bemächtigte,i skb ^ bisherigen Autoritäten erdrückt, und nur die Kirche und ihre Organe ge-, Bünd' ^ir seine Zwecke großer Stimmenmassen zu bedürfen glaubte. Das

, ^cie-n » zwischen Napoleon und der Hierarchie kann dessenungeachtet von beiden- . dauerndes sej„, weil Beide die absolute Gewalt für sich allein in An-

eck. Der Kämpf zwischen Beiden ist daher unvermeidlich, sobald der

sau, Theil sich j,,, Besitz seiner Macht sicher glauben wird. That-

bellr', ^ ^ ^ daß der Einfluß des Klerus in Frankreich fast niemals ein so un-

Wär/ ^"^' durch die Schranken des Gesetzes so wenig behinderter war, als gegen-

Geb'^' mächtigste Stein des Anstoßes gegen seine Alleinherrschaft auf dem

inll'^ Jugenderziehung, die Universität, ist endlich als oberstes Erziehungs-INtut beseitigt. Die geistlichen Orden, die Missionen und Kongregationen findengends mehr ein Hinderniß für ihre Wirksamkeit; die Unabhängigkeit der Kirche, Die Gegenwart. VIU. 43