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Das Angloindische Reich.
verwundbare Seite für die Beherrscher der Meere, und die Unterjochung dieses Lan-des, wovon ihnen wiederholt so großes Unglück kam, wird den Hindu immer einefrohe Botschaft sein. Der Zug der Engländer gegen Afghanistan ist demnach micht,wie man thörichterweise oder aus Parteizwecken behauptet, ein unverzeihlicher politi-scher Fehler gewesen.: was geschehen ist, hätte früher oder später doch erfolgen müssen.
Nur die Art und Weise, wie man dabei verfuhr, die Streitigkeiten, die Selbstsuchtund Schlaffheit der Beamten und Generale, dann der Mangel an Einsicht bei derOrdnung der Verhältnisse, die Unkunde, welche aus der Regierung des erobertenLandes hervorleuchtet, kann und muß mit vollem Rechte unser Erstaunen, unsereEntrüstung erregen. Afghanistan muß früher oder später nochmals erobert werden.
Die Herrschaft über den Indus und die eröffnete Handelsstraße auf demStrome lenkte die Aufmerksamkeit der indischen Regierung in verstärktem Grade auf >die Fürstcnthümer innerhalb des Flußgebiets und nach den Gegenden Mittelasiens,mit welchen man vermittelst des neuen Wegs Verbindungen anzuknüpfen oder dievorhandenen zu befestigen wünschte. Auch jetzt ist wieder, wie im ganzen Ver-laufe der europäischen Colonialgeschichte, blos vom Handel und bürgerlichen Ver- >kehr die Rede; man weiß aber seit Jahrhunderten, was diese Worte bedeuten. Wenn ^die Fürsten und Völkerschaften des Ostens sich nicht unter der schmeichelnden Be-nennung von Handelsfreunden gewinnen lassen, dann werden sie durch Drohungenoder Waffengewalt zum unbedingten Gehorsam gezwungen. So in den Zeiten derVergangenheit und so heutzutage.
Aus den nordwestlichen Länderstrichen drang in den frühern Jahrhunderten derIslam nach dem Stromgebiete des Indus und jenseit desselben. Erschlaffte dieseMacht der indische» Muselmänner, so ward sie immer wieder durch neue Kriegeraus Afghanistan, Khorasan und den großen Ebene» jenseit des Opus aufgefrischt- -
Turkman und Patan waren für Hindostan, was Germanen und Sarmaten für das !
sinkende Nom. Deshalb blickt der indische Muselman» heutzutage noch zu jenenLändern mit Ehrfurcht und Hoffnung empor; ihm war auch der Zug der Britengegen Afghanistan vorzüglich verhaßt. Mit Freuden vernahmen die Muslim in allenGegenden der Erde, vorzüglich aber in Hindostan, die Botschaften von den Siegen ^
ihrer Glaubensgenossen und der Vernichtung der Engländer; ja in vielen Marken !
des Landes träumten sie bereits von der Erlösung aus dem Joche der Franken undtrafen allerlei Vorbereitungen, die auf solch ein erwünschtes Ercigniß hindeuteten.
In den muselmannisch-indischen Zeitungen, die sich (was niemals vorher in einemvor kurzem mit dem Schwerte erworbenen Lande der Fall war) vollkommener Preß-freiheit erfreuen, wurden die abenteuerlichsten Sagen und sogar Ermahnungen zumAusstände verbreitet. Bald ward den Gläubigen erzählt, -iOWOO Afghanen ständenbereit, um unter der grünen Fahne des Propheten die Feinde des Islam zu bekrie-gen und aus Indien zu jagen. Bald hieß es, der Schahinschah von Iran werdenächstens von Herat aus über Kandahar mit seinen unermeßlichen Scharen denOsten überschwemmen und die Franken in den finstern Ocean, woher sie kamen, zu-rücktreiben. Die muselmännischen Sipahis wurden in feuriger Rede anfgesodert, anden Tagen der Entscheidung zu vergessen, daß sie das Salz der Compagnie aßen,und sich den glorreichen: Kämpfern für den Islam anzureihen. Am entschiedenstentraten wieder die Rohillas hervor, welche den Engländern mit gutem Grunde deninnigsten, bittersten Haß geschworen haben. Die Frengiherrschaft, so ward laut mden: Gebirgslande verkündet, sei jetzt zu Ende; mehre Bezirke verweigerten sch°" ^Abgaben, aus Furcht, sie könnten später gezwungen sein, der neuen Regierung stenochmals zu entrichten. In Dckkan und Sindh lagen aber die Brennpunkte allerdieser muselmännischen Umtriebe. Der Nisani von Haiderabad hatte über 1500Muselmänner, Afghanen, Rohillas, Araber aus Maskat und Wahabitcn aus Arabienin seinen Diensten, deren Sendboten nach Madras gingen, um die Sipahis zuAbfalle zu verleiten. Der Bruder des Nisan: bekannte sich zu diesen islamischeNeformirten und warb ämsig gegen die Engländer. Am weitesten, von den an