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Zehnter Band.
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Baiern unter den Übergangsministerien von 1847— 49.

geseht werden mochte, wenn selbst manches Wichtige vergessen worden war. Alleinman mußte nur bedenken, daß eine Vorbereitung der Abgeordneten kaum möglichgewesen war, daß nur ein Tag zwischen der Nachricht von der Auflösung der Kam-mer und zwischen ihrer Berufung auf einen sehr kurzen Termin lag, der erst nach-her etwas verlängert wurde; daß die von der Heimat Abwesenden überall von denWogen der größten Aufregung umtost waren; daß den in der Residenz Angekom-menen die Kunde von des Königs Abdankung, zugleich mit dieser die Nachrichtenvon der berliner und wiener Revolution entgegcnkönten. Ein neuer König, einneues Ministerium stand urplötzlich vor den Kammern, eine neue Bewegung drängte

sie vorwärts. Löst euch auf, ihr seid veraltet — rief ihnen die ungeduldige Masse

zu; erfüllt euern Eid, bändigt die Revolution durch eure moralische Kraft — fe-derten die besonnenen Reformer. Die Gesetze über die Wahlordnung, über Mini-sterverantwortlichkeit, über ständische Initiative, über Prcßfrciheit u. s. w. warenfreilich als reife Früchte vom Baume der Zeit gefallen. Dagegen hatten die Gesetzeüber die Einkommen- und Capitalsteuer, baun über Aufhebung und Ablösung vonStandesvorrechten und Gerechtsamen einen langen Kampf um die möglichste Aus-gleichung der verschiedenen, einander durchkreuzenden Interessen gekostet. Um schwie-rige juristische Fragen handelte es sich ferner bei der neuen Ordnung des Gcrichtsver-fahrens u. s. w. Und daß diese Ständeversammlung zu der Wucht ihrer speciell

bairischen Arbeiten nicht noch eine immerhin unfruchtbare Einmischung in die natio-

nalen Zukunftssragcn fügte, muß man ihr heute, nachdem die Erfahrungen der Folge-zeit an uns vorübergegangen, sogar als ruhmvolle'Selbstbeherrschung anrechnen. Inund für Baiern wurden durch diese Ständeversammlung „Errungenschaften" fest be-gründet, welche, wie sich nachher die Dinge wendeten, entweder vom übermäßig federn-den Demokratismus zurückgewiesen oder vom mächtiger gewordenen Rückschläge vor-enthalten worden wären. Selbst einer noch viel entschiedenern Reaction, als sie spätereintrat, dürfte es schwerlich gelingen, im bairischen Staatsleben gerade die Anpflan-zungen der kurzen ständischen Schlußperiode vom 16. März bis 50. Mai 1848 wiedervollkommen auszurotten.

Zersetzungkproceß de« Märzministeriumß.

Die sogenannte Aufklärung über die „Ansichten und Absichten" der bairischenRegierung in der deutschen Frage, welche Graf Bray der auseinandergehendenKammer gegeben hakte, mußte, als sie gedruckt vorlag, natürlich noch weit wenigerbefriedigen, als gesprochen. Dem Aktenstück fehlten alle Begünstigungen der Si-tuation, welche die Ministerrede unterstützt hatten. Die Kritik des Mistrauens tratunmittelbar hervor und erhielt durch manche kleine Vorfälle reichliche Nahrung.Einer der auffallendsten war ein Tagesbefehl an die Landwehr und Frcicorps gewe-sen, welcher die blauweiße Cocarde und Armbinde an die Stelle der dreifarbigenNationalzeichen einsetzen zu wollen schient Allerdings beschwichtigten sofort Erläute-rungen die durch dieses „ Misverständniß " herbeigeführte „Beunruhigung". Manfand es sogar „ganz unmöglich, jetzt die deutschen Farben verbieten zu wollen",glaubte, „in Baiern möchte schwerlich ein Mann zu finden sein, welcher die Ver-^twortlichkeit für ein solches Verbot übernehmen dürfte", und fügten dazu, daß imGegentheil von Seite des Kriegsministers die Einführung der deutschen Cocarde imganzen bairischen Heere im Werke sei. Allein solche „ Misverständniffc" standenMiscredit, wogegen die Annahme von „Versuchen des Sondergelü-stes viele Anhänger zählte. In demselben Momente trat auch der frühere Bundes-tagsgesandte Willich, unter Verzicht aus seinen Standcsgehalt, zur Advocatur zurück.Darm lag dem Publicum ein bedeutungsvolles Anzeichen dafür, wie überflüssig oderwirkungslos er seinen Rath erkannt haben müsse, welchen sich die Regierung nochvor wenigen Wochen bei seiner Quiescirung ausdrücklich vorbehalten hatte. Denstärksten Verdacht erregte endlich das Gouvernement durch sein Behoben hinsichtlich

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