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Baiern unter den Übergangsministerien von 1847—49.
Der Moment, die Verhältnisse erschienen äußerst günstig, um in Frankfurt allejene günstigen Positionen für Baiern einzunehmen, welche für Preußen und dessendeutsche Stellung selbst dann noch verloren schienen, als eine Parlamentsinehrhcitvon 2t Stimme» den Waffenstillstand von Malmö genehmigt hatte. Sieben Mo-nate der norddeutschen Waffenruhe waren gegeben. Unter den damaligen Verhältnisseneine lange Zeit, während welcher alle Großmachtträume verwirklicht sein konnten, wen»im Dränge des Augenblicks die Neichsverfaffung in Angriff genommen, im Sturmund Drang erledigt wurde. Also die Centralgewalt mit aller Energie unterstützenund ihre Wirksamkeit aufrechterhalten — dies schien im gegenwärtigen Augenblickmöglicherweise eine gewinnreiche Politik. Je größer, drohender, unabwendbarer dieringsum sich aufbäumenden Gefahren des Gesanimtvaterlandes geschildert wurden,desto sicherer schienen auch alle unitarische Elemente, monarchische wie republikanische,für diesen „wahrhaft deutschen Standpunkt" Baierns zu gewinnen. So waren esdenn jetzt vorzugsweise die ofsiciöse» und influirten bairischen Organe, welche sich a»der Spitze des der Neichsverfaffung allerdings ungeduldig entgegenharrcnde» Deutsch-land erhoben. Alle Fragen der Freiheit, riefen sie, die ja durch die Selbstcntwicke-lung der Verhältnisse im Sinne der vollsten Volksthümlichkeit theilweise schon gelöstseien, theils in unglaublich kurzer Zeit sich lösen müßten, alle Grundrechtsfragenmüsse das Nationalparlament bei Seite werfen, um unverzüglich die Grundlagender Neichsverfaffung festzustellen. Binnen vier Woche», dies sei der äußerste Ter-min, müsse Alles vollendet sein, sonst breche das Verderben von allen Seiteck unab-wendbar herein. Natürlich stimmte in diesen Accord der ganze Chorus der Freundeund aller jener Dränger, welche für ihre Sonderzwecke von einer solchen Überstürzungder Dinge ebenso viel hofften als die bairische Staatspolitik. Selbst die Sanguini-ker des Erbkaiserthums und der hohenzollernschcn Kaiscrdynastie konnten nicht wi-dersprechen: es war mit den Theorie» allerdings eine unwiederbringliche Zeit verlo-ren, durch Feilschen um Grundsätze die Zukunft der Grundlagen des Reichs in Fragegestellt worden.
In diesem Augenblicke, wo Baierns Verhalten sich in der That der Sympa-thien aller Freunde einer einheitlichen Gestaltung Deutschlands und vornehmlich auchDerer erfreute, denen über dem nationalen Dränge doch »och die süddeutsche Ab-neigung gegen Preußen gestanden hatte, brach der republikanische Aufstand in Ba-den los, während seine Bündner die Pforten der Paulskirche bekannten, die mislic-bigen Parlamentsmitglieder mit dem Tode bedrohten, Lichnowsky und Auerswalderbärmlich mordeten. In Frankfurt wie in Baden wurden die blutigen Putsche mitrascher Energie niedergeschlagen, in Würtemberg, Kassel, Nheinprcußen, Nassau u. s. w.ward der gleichzeitig beabsichtigte Ausbruch des social-republikanischen Aufruhrs imEntstehen erstickt. Einen Augenblick schienen überall die Regierungen wieder dielangverlorene Kraft zurückzugewinnen, überall hatte sich die Mehrzahl der Bevölke-rung um die Staatsgewalt geschart, um die vom Ncpublikanismus bekämpfte deutscheEinheit zu verfechten. ' Diese war das Banner, unter welchem die Einzelstaaten
siegten, die Regierungen im Verein mit der Bevölkerung. In Baiern waren gleich-zeitig keine Putschversuche vorgekommen. Aber der Moment erschien zu günstig, um
die unklare Stellung zu den bisher geschonten oder ignorirten oder selbst durch halbe
Concessionen beschwichtigten demokratischen Fraktionell der unitarischcn Elemente zuenden, und sich der Rücksichtnahme auf dieselben zu entledigen. So wurden plötz-lich acht Vorsteher demokratischer Vereine in München (27. Sept.), andere Volks-Versammlungsredner in andern Städten mit auffälligem Eclat verhaftet. Manmochte einen lähmenden, stummmachenden Schrecken davon erwartet haben, und ver-kündete noch überdies, daß die Vollmachten des Commissars der Centralgewalt (GrafKeller) auch auf Baiern ausgedehnt worden seien, um alle zur Aufrcchthaltung derGesetze nöthigen Maßregeln zu ergreifen, Truppen zu requirircn, Belagerungszustandund Standrecht zu verkündigen. Die Truppenaufbietungen erfolgten auch wirklich.
Die Gegenwart. X. 5