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Baiern unter den Übergangsministerien von 1847—4S.
entgegenlief und die Grundprincipien der staatlichen Macht aufs tiefste erschütterte.Leiser» Anzeichen dieses Strebens gegenüber waren in Baiern die Competeuzcu desCultnsministeriums von neuem in der Art erweitert worden, wie im Jahre 1847(eine Maßregel, welche bekanntlich das Ministerium Wallerstein redressirt hatte). Ne-ben dieser administrativen Abwehr gegen Noms Andrängen sollte nun auch die An-erkennung der Deutschkatholikcn (Decret vom 20. Oct.) ein moralisches Gegengewichtbieten. Daß dies vorzugsweise die Absicht einer bezüglichen königlichen Entschlie-ßung war, ließ sich um so weniger verkennen, als sie in einem Moment erschien,wo die Bitten danach fast ganz verklungen, die dcutschkatholischcn Bewegungen ganzzurückgetreten waren, aber freilich eine Confcrenz von 22 deutschen Bischöfen zuWürzburg (22. Oct.) sich als „erstes Nationalconcil des 19. Jahrhunderts" bezeichnenließ.*) Ihr erster Beschluß war ungemein bezeichnend. „In Betracht des Um-standes, daß die Nationalversammlung in Frankfurt fast noch die einzige bestehendeAutorität in Deutschland ist und die letzte Garantie für Erhaltung der Ordnungund einer gesetzlichen Zukunft bietet, hat die Versammlung darauf verzichtet, durch einevorläufige Ansprache gegen manche Beschlüsse, welche die kirchliche Freiheit kränken,die Verlegenheiten zu vermehren." Ungeachtet dieses Beschlusses erfolgte am Schlüsseder Versammlung (11. Nov.) eine öffentliche Ansprache. Sie begann mit Beru-fungen auf die Grundsätze des Tridentinischeu Concils und auf den Ausspruch desheiligen Jrenäus, daß nach Nom allein die Blicke der Christenheit gewendet seinmüßten, „wo, wegen des höhern Vorrangs dieser Kirche, alle Kirchen als in ihremMittelpunkte zusammentreffen müssen". Ermahnungen zum Gehorsam gegen dieFürsten und Obrigkeiten „um Gokteswillcn" folgten sodann die Kundgebungen Des-sen, was die Kirche bei der Neugestaltung der staatlichen Dinge fodern müsse. „Siewird wieder eintreten in jene Selbständigkeit, welche ihr angehört und die ihr, wahr-lich nicht zur Förderung des Gesammtwohls, so lange verkümmert wurde. Sie wirdvor allem ihr heiliges Anrecht auf Erziehung und Unterricht wahren und niemalszugeben, daß ihr, der Begründerin der Volksschule, das Kind vom Mutterherzen ge-nommen werde." Den Schluß des Documents bildete die Auffassung der Revolutionals Strafe Gottes: „und — es ist ein wahres und wahrhaftiges Wort — derHerr unser Gott wird seine strafende Hand nicht zurückziehen von diesem Geschlechte,bis daß es ihn von neuem erkennt, in Demuth um das verachtete Kreuz sich sam-melt und in der Kirche, die sich Christus mit seinem heiligen Blute erkauft hat, dieMutter wieder ehrt, welche allein die Menschen den Weg des Heils führt". Indemselben Sinne sprach ferner eine Denkschrift; nur daß sie, ihrer Bestimmung andie Regierungen gemäß, die salbungsvolle Ausschmückung gänzlich fallen ließ, da-gegen desto entschiedener und drohender auf völlige Unabhängigkeit der Kirche vomStaate drang, deshalb die Aufhebung der verschiedenen Concordate, des landesherr-lichen Placet u. s. w. federte, endlich aber die Rückgängigmachung der Ablösungs-gesche in Anspruch nahm, soweit sie Gerechtsame der Geistlichkeit, kirchlicher Stif-tungen u. s. w. betrafen. **) Allerdings hatten diese Demonstrationen für den Au-
,*) Ihre Namen waren: Friedrich, Cardinal und Erzbischof von Salzburg; Maximilian,Fürstbischof von Olmütz (Vertreter: A. Vahala, Erzpricster von Olmütz); Hermann, Erzbsickofvo" brcibura; Bonifaz, Erzbischof von Bamberg; Johannes, Erzbischof von Köln; Karl Au-gust, Erzbischof von München-Freising; Bcrnard, Fürstbischof von Briren (Vertreter: Professor0r, Feßler von Briren); Karl Anton, Bischof von Anthedon und Generalvicar von Osnabrück;Anastastus, Bischof von Kulm; Peter, Bischof von Augsburg; Petrus Leopold, Bischof vo»Mainz (Vertreter: Dorncapitular Lennig von Mainz); Heinrich, Bischof von Passau; GeorgAnton, Bischof vor. Würzburg; Johann Ambrosius, Bischof von Ermland (Vertreter: FranzGroßmann, Weihbischof von Ermland), Valentin, Bischof von Rcgensburg, Nikolaus, Bischofvon Spcier; Franz Joseph Wandt, Bischof von Hildeshcim, Melchior, Fürstbischof von Brcslau(Vertreter: Domcapitular Nr. Förster von Brcslau); Franz, Bischof von Padcrborn; JohannGeorg, Bischof von Münster; Georg, Bischof von Eichstadt; Joseph, Bischof von Rottcnburg;Joseph, Bischof von Corycus und apostolischer Vicar in Sachsen. Darunter befanden sichsämmtliche Bischöfe Baierns, acht an der Zahl.
**) Abgedruckt: „Allgemeine Zeitung,", 1848, Beilagen zu Nr. 345und34« (10.undll.Dec.).