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Zehnter Band.
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80 Baiern unter den Übergangsministerieu von 1847—49.

nehmen sollte. Wirklich wurde auch Beislcr Minister des Innern, ein Minister deSNothbehclfs. Das Cultusministerium aber, nach dem Ausdrucke der „AllgemeinenZeitung", „nach ununterbrochenem Wechsel seiner Leiter, bald Diesem, bald Jenemals werthlose Zugabe aufgehalst, hat man zuletzt wieder ganz aus Sitz und Stellevertrieben".

Dieses neue Definitivum des Staatsministcriums fiel mit dem Schlüsse desJahres 1848 ziemlich genau zusammen, und am 15. Jan. 1849 sollte der Landtagzusammentreten. Das Publicum betrachtete Lerchcnfeld's Entlassung nicht als einenVorfall, sondern als eine Manifestation. Zahlreiche Adressen der Constitutioncllenaus Baierns verschiedenen Städten bildeten die Gegendemonstration. Aber die Dingegingen zu rasch; man konnte nicht bei einem Ereignisse verweilen. In welcherStellung zur deutschen Frage trat nun aber Baiern dem neuen Landtag entgegen?Man erinnere sich, auf welchem Standpunkte wir das ofsicielle Baiern verließen.Trotz der günstigsten äußern Verhältnisse hatte es gerade in der deutschen Politikdie Niederlagen in der öffentlichen Meinung erlitten, und es war also natürlich, daßes seinen Verkehr mit der Centralgewalt dem öffentlichen Anblicke möglichst entzog.Damals erregte dieses Verhalten neues Mistrauen, heute muß man es wenigstensals diplomatisch klug anerkennen. Man erinnere sich ferner, daß die üble Aufnahmeder bairischen Denkschrift (von Weber) durch die Verheißung verwischt werden sollte,Baiern werde seine auswärtige Vertretung der Centralgewalt übertragen. Wirklichmeldeten auch ofsiciöse Nachrichten aus Frankfurt gegen Ende October, es sei derselbeEntschluß dem Neichsministerium mitgetheilt worden. Allein dabei hakte es sein Be-wenden. Ob es nun wahr, was damals in sehr vielen Blättern behauptet wurde,ohne daß Baierns ofsiciöse Organe es in Abrede stellten, daß bairischerseiks dieZustimmung zu der Erhebung des Hauses Hohcnzollern auf den deutschen Kaiser-thron unter der Bedingung ertheilt worden sei, daß Baden mit der bairischen Mon-archie vereinigt werde: dies ist mindestens sehr zweifelhaft. Eine ähnliche Ideemochte wol im auswärtigen Amte zu München aufgetaucht sein, denn sie erschienauch später von Zeit zu Zeit auf dem Schauplatze. Aber schwerlich hatte man ge-wagt, sie offen formulirt dem Neichsministerium vorzulegen, und dieses konnte dahergar nicht in die Verlegenheit kommen, sie abweisen zu müssen. Indessen darf we-nigstens die Hindeutung auf solche Gerüchte nicht außer Acht gelassen werden, dasie manches Nachfolgende erklären oder doch motiviren können. So war es im An-fange des December, als der Plan zur Übertragung der Neichsherrschaft an Hohcn-zollern immer festere Konsistenz gewann. Als nun gleichzeitig der Verkehr desbairischen Cabinets mit Frankreich eine gewisse Innigkeit erlangte, da regte sichin allen unitarischen Organen der Verdacht, Baiern betreibe eine Allianz zwischenden süddeutschen Staaten und Frankreich, um, da nichts Großes für Baiern zu er-reichen, auch kein deutsches Reich zu Stande kommen zu lassen und an der SpitzeSüdwestdeutschlands, das zustimmende Frankreich im Rücken, der preußischen Su-prematie über Deutschland die Spitze zu bieten. Allerdings erklärte die „NeueMünchener Zeitung" alle dahin zielende Gerüchte für Absurditäten und versicherte:„eine solche Allianz von einem Theile Deutschlands und gar für particularc Zweckeabgeschlossen, wäre die Erneuerung des Rheinbundes unglückseligen Andenkens, eswäre ein Verrath an der deutschen Sache, wer dazu rieche, müßte als Hochverräthervor Gericht gestellt werden." Allein das Zutrauen zu Baiern war allbereits zutief erschüttert, als daß man sich bei solchen Versicherungen beruhigt hätte. Freilichschienen sich die umlaufenden Gerüchte einigermaßen zu reduciern; doch blieb beinaheunzweifelhaft, daß Baiern für die Eventualität der Wahl des Königs von Preußenzum deutschen Kaiser wenigstens der nachdrücklichsten Beistimmung Frankreichs zuseinen^ diesfallsigen Proteste sich versichert habe. Diese Wahrscheinlichkeit erhielt kurzeZeit nachher eine starke Bestätigung durch die Gewißheit, daß der bairische Gesandtein London, Baron Cetto, dem englischen Cabinct unaufgcfodert die Erklärung abge-geben hatte: der König werde unter keiner Bedingung dem Plane, Preußen an die