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Zehnter Band.
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Barern unter den Übergangsministerien von 1847—49.

Spitze der deutschen Einheitsfrage zu stellen, seine Einwilligung geben, ebenso wenigdie Errichtung einer deutschen Erbkaiscrwürde billigen. Diese Erklärung, an sichschon genugsam bezeichnend für Baierns deutsche Politik und von der „Neuen Mün-chener Zeitung" mit derselben „sittliche» Entrüstung" als Unwahrheit bezeichnet, wiedas oben erwähnte Gerücht von dem Versuche zur Einleitung einer französisch-bairi-schen Allianz, erhielt ihre volle Beleuchtung erst dadurch, daß Baiern kurz vorherbei Preußen den Antrag gestellt hatte, einen drcigetheilten deutschen Bundesstaatohne Ostreich zu bilden, und, mit diesem Antrage abgewiesen, sogleich einen neuenAntrag nach Wien hatte abgehen lassen, lautend auf ein dreigetheiltes Deutschlandmit Östreich. *) Mit dieser Mission an daS östreichische Cabinet ward der bairischeBevollmächtigte bei der Ccntralgewalt, Baron Closen, betraut, welcher sofort nach

*) Zur Charakteristik der gouvcrnementalen Presse Baierns in damaliger Zeit und ihrerWahrhaftigkeit dürste eine flüchtige Uebersicht ihres Verhaltens bei diesen verschiedenen Vor-gängen nicht ohne Interesse sein. Die „Deutsche Zeitung" gab unter den stärksten Ausdrückenihrer Misbilligung zuerst die Nachricht von Baierns Antrag beim preußischen Hofe auf Ost-reichs Ausschließung aus dem deutschen Bundesstaat. Die gesammte bairische Presse schrie überVerdächtigung und fodertc ihre Regierung dringend auf, sich von diesem Verdachte zu reinigen.Allein weder eine officielle noch selbst nur eine officiöse Berichtigung erfolgte, weil die That-sache zu sicher constatirt war. Abermals waren es die „ Deutsche Zeitung " und die „ Frank-furter Oberpostamts-Zeitung", welche im Anfange des Januar 1849 zuerst die Nachricht gaben,Baiern habe „in London" angezeigt, es werde „einem Reichsobcrhaupte sich nicht unterordnen,sondern vorziehen, wie Östreich in ein blos völkerrechtliches Verhältniß mit dem übrigen Deutsch-land zu treten Darauf entgegnete die „Neue Münchener Zeitung": dies sei die „ungereim-teste" aller Anschuldigungen gegen Baiern. „Baiern, das mitten im Herzen von Deutschlandliegende Baiern, in einem blos völkerrechtlichen Bundesverhältniß mit dem übrigen Deutsch-land! Und noch dazu eine dicsfallsige Anzeige nirgends anders als in London!" Wer diesespöttischen Worte flüchtig las, mochte wegen ihres LoncS übersehen, daß das officielle Blatt jenerbestimmten Angabe keineswegs bestimmt widersprach. Als dies von der „Deutschen Zeitung"gerügt wurde, bezeichnete aber das amtliche Blatt bestimmt, „zu solcher Erklärung ermächtigt",jene Nachricht als eine „unwürdige Verleumdung". Am 8. Febr. wiederholte die „DeutscheZeitung" trohdem ihre Behauptung. Am 17. Febr. wurde Graf Bray vom Grafen Arco-Valley deshalb interpellirt, und dieser mußte durch Aktenstücke die Wahrheit der Anklage imvollsten Umfange bestätigen. Baron Cetto hatte nämlich am 22. Dec. 1848 an Lord Palmcrstonin französischer Sprache geschrieben: „In Bezug auf das Project, welches jetzt betrieben wird,Preußen in der deutschen Einheitsfrage an die Spitze zu stellen, curfirt das Gerücht, von demman wahrscheinlich auch in München Kenntniß haben muß, daß England gegen eine solche Ge-staltung nichts einzuwenden habe, vorausgesetzt daß die andern deutschen Souveräne frei und»»genöthigt einwilligen würden. Daß man dies fälschlich vermuthet, kann zu bedenkliche Fol-gen haben, um es ruhig Glauben gewinnen zu lassen. Auch legt der König Werth darauf,daß Sie es wüßten, wie »»gegründet es sei, soweit es ihn betreffe. Nicht allein wird Se. Ma-jestät jedes Einverständniß mit dem fraglichen Project von sich weisen, sondern ebenso wenig,zu wessen Gunsten immer, die Errichtung einer erblichen Kaiserwürde für Deutschland billigen;und sollte dieser Plan, der schon mehrmals vom Verfaffungsausschuß in Frankfurt gutgeheißenwurde, jemals wieder auftauchen, so würde der König deutlich und entschieden ausdrücken, daßer demselben entgegen sei. Dazu hat er das Recht, kraft der unter Garantie aller Großmächtein Wien unterzeichneten Verträge, und die gebietende Veranlassung dazu sind ihm die Pflichten,deren Erfüllung er als Souverän eidlich zugesagt hat", u. s. w- Graf Bray erklärte nunzwar, diese „sous forme verbale" erfolgte Kundgebung sei keiner Note gleich zu achten; abererst „als später einige Angriffe in der Presse erschienen", als die „Neue Münchener Zeitung"dse Fruchtlosigkeit ihrer Verleugnungen einsehen mußte, erst unterm 7. Febr. schrieb der bai-

risch« Minister an Herrn von Cetto: .„Die Sache, um die es sich handelt, ist vor

Esfss'vvere und häusliche Angelegenheit Deutschlands; es ist daher keineswegs unsereAbsicht, eine auswärtige Regierung dabei ins Spiel zu ziehen, und es wird genügen, die Vor-aussetzungen der Zustimmung zu dem Project der Errichtung einer einheitlichen und erblichenCcntralgewalt, wovon Sie gesprochen und gegen welches sich seitdem die Mehrheit der Na-tionalversammlung selbst erklärt hat, als falsch bezeichnet zu haben." Der Minister desavouirtealso blos Herrn von Cetto's Appellation an die Verträge von 1815. Was dagegen die andereAnschuldigung anlangte, daß Baiern Östreichs Ausschluß bei Preußen zuerst gegen Zugeständ-nisse an das Wittelsbacher HauS beantragt habe, so konnte Graf Bray sie gar nicht zurück-weisen, sondern bestätigte sie sogar durch die Beschönigung, daß Baiern ähnliche Borschlägeauch zu Wien gemacht habe.

Die Gegenwart. X. 6