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Die deutsche Flotte.
der Nation diese Angelegenheit näher brachte. War schon die Verbindung eines groß-artigen Ausdrucks der öffentlichen Meinung durch ganz Deutschland mit der sichernHoffnung auf Reformen in dem größten deutschen Staate wichtig genug, so kamnoch Manches dazu, gerade nach dem Meere hin die Blicke des Volks zu lenken.
G. Herwegs, sang mit prophetischen Schwünge seine „Deutsche Flotte" zur sechstenSacularfeier der Stiftung der Hansa, und einige Zähre spater folgte F. Freiligrathim „Glaubensbekenntniß" mit den nicht minder prophetischen „Flottcnträumen".Nach Ablauf der Sundzollverträge hatte Preußen, im Jahre 1842 Verhandlungenüber Ermäßigung und Ablösung jenes Zolls begonnen, und das Buch von H. Scherer:„Der Sundzoll, seine Geschichte, sein jetziger Bestand und seine staatsrechtlichepolitische Lösung" (Berl. 1845), brachte dieses auf der deutschen Sceunmacht be-ruhende Verhältniß zur allgemeinern Kenntniß. Die schleswig-holsteinische Sachebegann seit 1846 in immer weitem Kreisen auch des innern Deutschlands Anklangzu finden, und ihre historische Betrachtung führte unmittelbar zurück auf die See-macht der Hansa, auf die Wichtigkeit des Landes zwischen Elbe und Trave, insbe-sondere die des Hafens zu Kiel, auf den Jahrhunderte langen Kampf gegen Däne-mark. Die Übersichten in den drei Jahrgängen von Müller's „Statistischem Jahr-buch" (Leipz. 1845 —47) ließen mit Erstaunen erkennen, daß nach England undNordamerika das ideale Deutschland, d. h. mit Errechnung von Ostreich und des„Dansk Eicndom" von Holstein, die größte Handelsflotte, aber auch die einzige unbe-schühte habe. Einmal auf diesen Gegenstand hingewiesen, fand man bald heraus,wieviel treffliche, bisher von Fremden allein ausgebeutete Elemente für Material undMannschaft einer Kriegsflotte Deutschland besäße. Man erinnerte sich der berühm-ten Sechelden deutscher Geburt in fremden Diensten, in dänischen, schwedischen,englischen, holländischen und russischen: des aus Geldern stammenden englischen Ad-mirals A. Keppel (1725—86); des schwedischen Admirals Stedingk aus Pommern,der bei Swenska-Sund 1790 über den russischen Admiral, Prinzen Karl HeinrichOtto von Nassau-Siegen (1745 —1805), siegte. Letzterer hatte früher die Türkenbei Otschakow und Kinburn, die Schweden bei Notschensalm und Högfors überwun-den. Ein Product dieser gährenden, über das zunächst Erreichbare unklaren Stim-mung war die anregende, aber ihr Ziel überschreitende Schrift: „Die Nothwendig-keit großer deutscher Colonien und Kriegsflotten. Von H. von O." (Leipz. 1845),welche sich durch den ersten Satz: „Deutschland muß endlich eine See- und Colo-nialmacht ersten Ranges werden", charakterisirte. Wahrscheinlich von demselben Ver-fasser ging aus die „Denkschrift über die Erhebung Preußens zu einer See-, Colonial-und Weltmacht ersten Ranges. Dem ersten Vereinigten Landtage überreicht von
H. von der Olsniß" (Berl. 1847).
Diesen mannichfachen patriotischen Bestrebungen gegenüber geschah indessen vonSeiten des Bundes nichts. Anders war es in Preußen. Dort hatte man seit derErdumsegelung, welche Capitän Wrede und der Naturforscher E. Meyer auf demSchiffe „Luise" im Interesse des Handels und der Wissenschaft und im Auftrageder Seehandlung unternommen, seit Gründung der Schiffahrtsschulen zu Danzigund Stettin, den maritimen Verhältnissen des Staats größere Aufmerksamkeit zuge-wendet. Stettin blühte auf, und selbst Köln baute Seeschiffe. Endlich wurde 1842das erste preußische Kriegsschiff, die Corvette „Amazone" erbaut und während derfolgenden Jahre auf Übungsfahrten geschickt. Um die Seefahrt zu heben, wurdeverordnet, daß die Dienstzeit eines Matrosen auf Seeschiffen ihm als Kriegsdienstangerechnet und von seiner Dienstzeit im Landheer abgezogen werden solle. InDeutschland überhaupt hatte die vielfache Besprechung der FloNenangelegenheit, welche,wie die Nothwendigkeit, so auch die Schwierigkeit der neuen Einrichtung hervortre-ten ließ, das öffentliche Urtheil bis 1848 so weit abgeklärt, daß man statt jenerhochfliegenden Plane einer Seemacht ersten Ranges zunächst einen Küsten- undHandelsschuh verlangte. Einen praktischen Weg dazu zeigte der brasilische Gene-ralconsul in Berlin, I. I. Sturz. Derselbe ließ 1848, doch noch vor der Krisis,