Band 
Zehnter Band.
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116 Die deutsche Flotte.

sie sogleich verwendet wurden. Die in Kiel gesammelten Gelder dienten insbesonderezur Stärkung der schleswig-holsteinischen Marine, des einzigen Theils der deutschenFlotte, welcher zu kriegerischer Thätigkeit gelangte. Am 21. Aug. stattete Schmer-ling der deutschen Nationalversammlung Bericht über den Stand der Flotten-angelegcnheit ab. Es waren damals die dem Herrn Godefroy in „Hamburg abge-kaufte Fregatte „Deutschland" von 32 Kanonen, die später nur als Übungsschiff sichtauglich erwies, die Segelcorvetke von 12 Kanonen, „Franklin", ein von HerrnSloman in Hamburg zur Verfügung gestelltes Schiff, drei Dampfboote, welchemit den durch Bundesbeschluß vom 17. Juni aus dem Ülm-Rastadter Bausands ent-nommenen Geldern angekauft wurden, und ei» Kanonenboot, „St.-Paul", das durchBeiträge der gleichnamigen Hamburger Vorstadt zu Stande gebracht und ausgerüstetworden. Schmerling stellte die Entscheidung über die Übernahme der beiden Segel-schiffe nach ihrer Besichtigung durch Sachverständige in baldige Aussicht. Doch ver-hinderten das Ablehnen der dazu ausersehenen Männer, die Ministerkrists infolgedes Malmöer Waffenstillstandes, sowie der Mangel einer eigenen Marinebehördc dasVoranschreiten der Organisation, und es bedurfte wiederholter Interpellationen, bisam 7. Nov. Duckwitz die Vorlage über Organisation der Marinebehörde machte,welche man am folgenden Tage annahm, und bis mit Ausschreibung der Matricu-larumlage begonnen wurde, deren Resultat wir bereits erwähnt haben. Die traurigeWahrheit kam erst am 13. März 1849 durch einen Bericht Bcckerath's zutage.

Gleich nach Einsetzung der Marinebehörde war im November die Corvette„Franklin", als zum Seekricgsdienst unbrauchbar, unter Ersah der Einrichtungsko-sten, dem Eigenthümer zurückgestellt worden, während man die drei vom Bundes-tage angekauften Dampfschiffe: „Hamburg", „Lübeck", „Bremen" von je 160 Pferde-kraft und 5 Geschützen, einer bedeutenden, den ganzen Winter hinnehmenden Repa-ratur unterwerfen mußte, sodaß am Schluß des Jahres die Seemacht Deutschlandsaus der „Amazone", dem armirten preußischen Dampfschiffe „Königin Elisabeth",den kleinen schleswig-holsteinischen bewaffnete» Dampfbooten „Kiel" und „Eider",dem schleswig-holsteinischen Schoner „Elbe" und 10 Kanonenbooten, worunter 6preußische und 1 schleswig-holsteinisches, zusammen mit 60, meist kleinen Geschützen,bestand. Der am 30. April 1849 erstattete ausführliche Bericht des MinistersDuckwitz gab ein treues Bild vom Zustande der Marine kurz vor Auflösung derNationalversammlung. Nachdem er die Hindernisse aufgezählt, welche der Förderungdes Werkes im Wege standen: die aus Unkenntniß entsprungene Ungeduld des gro-ßen Publicums, die Geldnoth, die Schwierigkeit, fremde Offiziere zu bekommen,welche ihre sichere Stellung gegen eine, solange Deutschland nicht constituirt wäre,ungewisse, aufzugeben geneigt gewesen seien, den Mangel einer von den Seemäch-ten anerkannten Flagge, die verfehlten Experimente mit dem Hamburger Geschwader,das Scheitern eines der drei in England gekauften Dampfschiffe, des „ErzherzogJohann": gab er den Bestand auf 12 Kriegsschiffe an, wovon aber dienstfähig —kein einziges als das untaugliche Schiff „Deutschland". Denn es waren „Erzher-Johann", „Eckernförde", „Lübeck", „Hamburg", „Bremen" in Reparatur;„Barbarossa", „Bonin" und drei Dampscorvetten im Bau, und die dritte der inEngland gekauften Dampffrcgatte» noch nicht eingetroffen. Es lag in der Naturder Sache, daß die letzten neun Monate des Jahres 1849 nichts für die Flotte ge-schah, als was nöthig war, das Bestehende zu erhalten. Die Kosten dafür schlugder zu Ende des Jahres der Bundes-Centralcommisston überreichte Bericht des Ma-rineraths Jordan auf 1,878000 Gulden an,, während eine Fortbildung der Flottenach dem ursprünglichen Plane, besonders durch den Bau der Kriegshafen, einenWeit Hähern Antrag erfodert haben würde. Über diese Kriegshäfen war bereitsEnde 1848 von dem Professor zu Bonn Chr. Friedrich Harleß (gest. 1853) einSchriftchen erschienen: „Deutsche Bundeskriegshäfen als Bedürfniß für eine Kriegs-marine. Eine Denkschrift, sachkundigen deutschen Männern zur Prüfung vorgelegt."