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Zehnter Band.
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Die deutsche Flotte. !19

nenden Nordseeflotte, unter Rücksicht auf die vorhandenen östreichischen und preußi-schen Geschwader.

Die Bundesversammlung setzte hiernach die Entscheidung über das künftigeEigenthum und das demnächstige Schicksal der Flotte aus und ordnete einzig undallein eine Ermittelung der thatsächlichen Verhältnisse der Nordseeflotte an. Hattediese Ermittelung nach dem preußisch-östreichischen Antrage einen bestimmt vorge-zeichneten Zweck, so war gerade dieser durch den Bundcsbeschluß vom 6. Sept. be-seitigt. Es war nichts Anderes als lediglich eine bloße thatsächliche Ermittelung be-schlossen, welche für die demnächst zu fassenden Beschlüsse als Grundlage dienensollte. Indem die Bundesversammlung auf diese Weise die preußisch-östreichischenVorschläge als Ganzes verwarf, ward die Flvktenfrage, statt in den Hafen der Ent-scheidung, gerade auf das Meer einer völlig ungewissen Zukunft geführt. Der6. Sept. gab auf diese Weise der Flottenfrage eine ganz neue Richtung.

Das Project der drcitheiligen Flotte.

Am 16. Oct. traten der kaiserlich östreichische Fregattencapitän von Bourguig-non, der königlich preußische Oberstlieutenant von Wangenheim und der Contread-miral Bromme als die Sachverständigen des Bundes zusammen. Nach mehrenvorläufigen Berathungen erklärte Herr von Bourgnignon am 28. Oct., es dürftenunmehr an der Zeit sein, die östreichischen Vorschläge zur Flottenfrage zur Sprachezu bringen. Diese bestanden in einer drcitheiligen Bundesflotte, welche aus einemöstreichischen, einem preußischen und einem von den übrigen Staaten in der Nordseestationirten Contingent gebildet werden sollte. Im Frieden sollte dem Bunde eine Über-wachung der contingentsmäßigen Leistungen, gegenseitige Jnspection und Veranlassunggemeinschaftlicher Übungen, im Kriege dagegen die Verfügung über das ganze Ge-schwader zustehen. Zur Wahrnehmung der dem Bunde zustehenden Befugnisse wurdedie Bildung einer eigenen Marinecommission vorgeschlagen. Es ist leicht ersichtlich,daß diese seitens Ostreichs allein gemachten Vorschläge von einer ganz andern Grund-lage ausgingen als der gemeinsame preußisch-östreichische Antrag vom 6. Sept., inwelchem nur von einer Berücksichtigung des adriatischen und Ostscegeschwadcrs dieRede war. Während der letztere Vorschlag von einer Betheiligung des Bundes ander Flotte für die Zukunft absah, ging der erstere gerade auf die Bildung einerBundesflotte aus, der sogar die östreichischen und preußischen Geschwader nun Theileinverleibt werden sollten. Hiermit war der bisher gemeinsam verfolgte Weg einerpraktischen und den thatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Negulirung verlassenund die unsichere Bahn der Projecte betreten. Der preußische Sachverständige er-klärte daher: daß er vfficielle Vorschläge seiner Regierung über das Contingentsver-hältniß nicht einzubringen habe. Er sei jedoch der Ansicht, daß zuvörderst und vorallem festzustellen, welche Regierungen sich bei der Gründung und Erhaltung einererst zu veranschlagenden Nordsecflokte betheiligen würden. Der dritte Sachverstän-dige, Contreadmiral Bromme, trat den östreichischen Vorschlägen bei, und so ge-langten dieselben an den Marineausschuß. Auch dieser hielt die Aufstellung einerdeutschen Flotte unter Zugrundelegung des Contingentsverhältnisses für die unter dengegebenen Verhältnissen allein mögliche Einrichtung und fand die Bildung dreierFlottenabtheilungen im Wesentlichen zweckmäßig. Er erkannte mit Dank an, daßdurch die gemachten Vorschläge die Grundlage für die Erhaltung der segensreichenInstitution der Flotte gegeben sei. Am 28. Nov. erstattete der Ausschuß seinenBericht in der Bundesversammlung. Derselbe näherte sich dem Minoritätsgutachtenvom 6. Sept., indem er im Wesentlichen das 1882 viel besprochene Flottcnvrojectvorbrachte: Ostreich solle die Adria, Preußen die Ostsee, und die übrigen deutschenStaaten sollen die Nordsee schütze». Für die Nordseeflotte waren von den Sach-verständigen 4 Fregatten, 4 Korvetten, 9 Dampfer und 27 Kanonenboote bestimmt.Die acht Segelschiffe sollten, je drei zum ordentlichen Dienst, je eins jeder Gattungzur Reserve, abwechselnd folgende Stationen besuchen: 1) Nordamerika, Mexico und