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Zehnter Band.
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Östreich. 133

eigenen Armee in Italien erwiesen, ja die offene Theilnahme für die anfangs sieg-reichen Schritte des Gegners. Auch kam hier noch hinzu, daß den östreichischenSoldaten oft keine festen Bande an die Heimat knüpfen, und derselbe, namentlichwenn er in den östlichen, armen und wenig cultivirten Provinzen zu Hause, alsSoldat seine materielle Lage und noch mehr sein Ansehen wesentlich verbessert underhöht sieht. Und dennoch glaubte die wiener Publicistik diesen Soldaten zu gewin-nen, wenn sie ihm den Militärstand im schwärzesten Lichte zeigte, und mit Hohnund Spott ein Verhältniß besprach, in welchem er sich vollkommen befriedigt fühlte.Ob nicht in dem meist dem Proletariate entwachsenen Soldatenstande noch ein tie-ferer, socialer Grund den Haß gegen die Revolution und ihren Schildträger, dieBourgeoisie, dunkel bestimmte, läßt sich freilich nicht entscheiden. Die Stellung dereinzelnen Ständeclassen, wie wir sie hier gezeichnet, wurde je nach der verschiedenenNationalität derselben noch wesentlich modificirt., Abgesehen von den Magyaren undItalienern, die überhaupt den Verband mit Östreich negirten, so unterschieden sichnoch drei politische Hauptgruppen: die Deutschen, die Slawen und die sogenannten„Schwarzgelben". Während die nationale deutsche Politik ihren Schwerpunkt nachFrankfurt verlegte und eine Trennung des KaiserstaatS in seine deutschen (unddeutsch-slawischen) und nichtdeutschen Elemente vorschlug, wobei blos noch in derPerson deS Regenten ein einigendes,Band bestehen bleiben sollte, sprachen die Sla-wen einem mächtigen, selbständigen Östreich das Wort, nur mußten Wien und dasdeutsche Element das bisherige Übergewicht verlieren und der cemralisirte Staat ineinen Bundesstaat übergehen. Die Schwarzgelben wollten nichts von einer Natio-nalitätspolitik in Östreich wissen, protestirten gegen die Einführung nationaler Kate-gorien in die Verfassung, hielten an dem abstrakten Östreicherthum, das nicht deutschund nicht slawisch ist, fest, und begnügten sich mit einer nach dem Muster der engli-schen und belgischen gefertigten Constitution. Sie waren nicht für den Absolutis-mus, wol aber für die Centralisation; gerade wie die Slawen sich weniger durchden Ruf nach ausgedehnten politischen Rechten als durch ihre Föderationstendenzenauszeichneten. Es wird sich später zeigen, wie jede dieser Auffassungsweisen eine zeit-lang an ihren Sieg glauben durste, wie zuerst die deutsche Politik, während desReichstags die slawisch-föderalistische vorwaltete, in der octroyirten Verfassung dieAnsichten der „Schwarzgelben" zur Geltung gelangten, bis endlich durch die August-ordonnanzen und Decemberdecrete des Jahres 1851 mit der Verfassung selbst alleDifferenzen über dieselben erledigt wurden und der Sieg den einfachen Gegnern derRevolution, in der Armee und einen! Theile des Adels verkörpert, verblieb.

Die ersten Tage des constitutioncllen Lebens in Wien; die Proclamation der Verfassung in

den Provinzen.

Genußsüchtig und heiter gestimmt, wie der Kern der wiener Bevölkerung ist,hatte diese kaum die Gewißheit des Siegs erlangt, als sie auch schon daran ging, diegedankenvolle Sorge zu begraben und in langathmigem Jubel die Märzcrrungen-schaften zu feiern. Die drohenden Gewitterwolken hatten sich ja in den letzten Ta-gen so merkwürdig rasch verzogen, daß Niemand an die Möglichkeit glaubte, derheitere politische Himmel könne sich wieder bewölken, und alle Welt nur dem langezurückgehaltenen Lustgefühle nachging. Auf Metternich folgte in der Flucht Sedl-nitzki und der kleine Stadttyrann, Bürgermeister Ritter von Czapka — durch dennachmaligen Minister Bach zur Abdankung gezwungen. Die Aufregung der Fabrik-arbeiter in den Vorstädten hatte sich gelegt, ein thcilweiscr Nachlaß der Verzehrungs-steuer die untern Classen friedlich und für die neue Ordnung der Dinge freundlichgestimmt. ES war nichts mehr für die Mauthhäuser und Accisebeamten zu fürchten,und umgekehrt hatte auch der Rückzug des Militärs, der im Augenblicke der Pro-clamation bereits widerrufene Belagerungszustand alle Sorge über die Plane desHofs verscheucht. Die äußern militärischen Posten an der Burg wurden am