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19. März zurückgezogen, und am 23. ward durch öffentlichen Anschlag das Endeder dem Fürsten Wmdisch-Grätz übertragenen Vollmachten verkündigt. „Die Aufge-regtheit im öffentlichen Leben und Treiben", so sagte Letzterer in seiner Proklama-tion, „habe sich gelegt und die außerordentlichen militärischen Maßregeln überflüssiggemacht. Die achtbare Bürgerwehr aller Classen der Residenz hätte ihm durchihre Besonnenheit die Pflichterfüllung erleichtert, und Europa müsse bekennen, daßFestigkeit mit Milde gepaart die Maxime der östreichischen Negierungsweise bilde, inwelchem Geiste auch fernerhin die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten auf derBahn des Fortschritts stattfinden werde." Bcmerkenswerthe Worte! Es gabSchlagwörter, welchen auch ein Fürst Windisch-Grätz in jenen Tagen nicht ausweichenkonnte, Redensarten, welche selbst einem so spröden Munde geläufig wurden. Unddennoch zeigte sich schon hier die erste Spur jenes militärischen Trotzes, dem nach-mals eine so große Rolle in der Nevolutionsgeschichte zugedacht war. Erst jetztwurde also und scheinbar aus eigener Machtvollkommenheit, der Belagerungszustandförmlich aufgehoben; beinahe eine Woche nach der Bildung des verantwortlichenMinisteriums die außerordentliche Vollmacht eines nur seinen Kaiser anerkennendenFeldherrn zurückgenommen, oder besser gesagt, zurückgegeben. Doch zum Grübelnfand man damals keine Zeit. Man übersah, was zwischen den Zeilen der Proklama-tion zu lesen war, zumal als ja der Kaiser selbst durch seinen Kanzler am 16. Märzden Bürgern und Studenten den Dank für ihre Haltung herzlich und offen ausge-sprochen, und auf diese Weise das Geschehene anerkannt hatte, und wendete sichohne weiteres Nachdenken den Geschäften des Tages zu.
Zunächst lebte und wirkte alle Welt in der Nationalgarde. Mit merkwürdigerRaschheit wurde ihre Organisation vollendet, der Waffengebrauch und mit ihm auchdie meisten Sitten und Unsitten der privilegirten Waffenträger eingeübt. Zwei Übel-ständen wurde trotz Übung und Eifer nicht abgeholfen. Der getrennte Bestand meh-rer Waffenkörper: der Nationalgarde, der Legion und der alten privilegirten Bür-gercorps, lahmte die Kraft und weckte die Eifersucht; das Verbleiben des unfähigenOberjägermeisters, Grafen Hoyos, auf seinem Posten als Obercommandant der Na-tionalgarde erregte Mißstimmung und zerstörte die Disciplin. Schon in den erstenTagen seines Kommandos, als er in einem Tagesbefehle die Nationalgarde zum Feld-zug gegen die „aufrührerischen und aufreizenden Placate" aufgefodert, prvtestirtenNationalgarde» gegen sein Verhalten, und nachgerade wurde es zur stehenden Sitte,die reaktionäre Politik des Commandanten zu verurtheilen und über seine Anord-nungen zu murren. Erregte vielleicht sein Generalstitel Mistrauen, dann war seineWahl doppelt zu beklagen, da auch das gute Einvernehmen mit deni Militär da-durch keineswegs gebessert wurde. Im Gegentheil' Gleich nach den Märztagenwurde das Militär von den Bürgern abgesperrt gehalten und in den Kasernen in-ternirt, und als die dem Radikalismus zuneigenden Bombardiere eine an sie gerich-tete Adresse der Nationalgarde beantworten wollten, schob das Militärkommando einstrenges Verbot vor. Auf zahlreiche Reklamationen hin gestattete man den Soldatenam 26. März den freien Verkehr mit der Stadt. Hatte man sie bereits gegen dieEinflüsterungen der Presse und der Legion gestählt? Es scheint, daß mau damalsnoch die Summe der Volkskraft unermeßlich schätzte und jeden ernsten Bruch, na-mentlich mit der von der Volksmasse auf den Händen getragenen Studentenschaftvermeiden wollte. Wenigstens deutete die in die Aula entsendete Deputation: denErzherzog Albrecht zu entschuldigen und auf einen Versöhnungsacl anzutragen, aufeure große Nachgiebigkeit des Hofs, auf eine größere, als die Volksmassen ihrerseitszu üben für gut fanden. Die gefallenen Märzkämpfer, 15 an der Zahl, wurdenE ^ ^ unter Begleitung aller Waffenkörper und einer zahllosen Volksmengefeierlich begraben, und am Grabe wurden von den Helden des Tages: Füster, Scher-zer, L. Neumann u. s. w., Reden gehalten, welche nicht weniger von dem trotzigenStolze, mit welchem man den Sieg über Hof und Armee genoß, als von sangui-