Östreich.
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des Innern ohne Widerspruch die Seele des Ministeriums. Pillersdorfs aufgeklarteund freimüthige Gesinnung, die nicht in Zweifel gezogen werden darf, bewährte sichnamentlich in jener Zeit, als ihr offenes Bekenntniß nur Gefahr und Unbildenbrachte — nach „den Octobertagen. Weniger laßt sich schon seine Kenntniß der in-nern Zustände Östreichs rühmen. Für einen Minister war sie wahrlich zu gering,aber durch seinen vieljährigen Aufenthalt in den wiener Kanzleien entschuldbar. Amwenigsten verstand sich Pillersdorf indessen auf die Schätzung der revolutionärenKräfte. Regelmäßig geschah es ihm, daß er sich der Revolution entgcgenstemmte,wenn ihre Gewalt unwiderstehlich, und ihr nachgab, wenn diese bereits gesunkenwar; daß er in jenen Momenten dem Naturalismus den größten Vorschub leistete,wo er Östreichs Erhaltung gesichert zu haben wähnte, und in seiner Thätigkeit wieUnthätigkeit sich gleich sehr vergriff. Es liegt nichts vor, Pillersdorf, wie jetzt ge-schieht, einer schuldvollen Absicht anzuklagen,,, einer wissentlichen Unterstützung vonPlanen zu zeihen, deren Verdcrblichkeit für Östreich höchstens durch ihre wenig ge-schickte Ausführung gemildert wurde. Dem Staatsmanne werden aber nie die Ab-sichten, stets nur die Erfolge angerechnet, und diese waren allerdings bei Pillersdorfsehr zweifelhaft. Seine Politik war gegenüber der wiener Massenbewegung schwach,gegen die Provinzen schwankend und widerspruchsvoll.
Entgegengesetzt einer bekannten Naturerscheinung, nahm die politische Bewegungder Märztage, je näher sie an die Peripherie des Reichs kam, an Kraft und In-tensität zu, und zeigte sich in den Grenzprovinzen ungleich tiefer und nachhaltigerals in den Wien zunächst gelegenen Kronländern. Hier, in Öberöstreich, Stcier-mark, Nordtirvl, Kärnthen, Krain und Mähren begegnete die Regierung in ihrerThätigkeit nicht den geringsten Hindernissen, zählte das conservative Interesse die zahl-reichsten Anhänger. Die Thatsache, daß hier überall die durch einige Vertreter desBürger- und Bauernstandes verstärkten alten Landstände tagen und ihre Geschäfte,wenn auch von der Regierung merkwürdigerweise völlig unbeachtet, ohne Störungund Opposition zu Ende führen durften, dient als Beweis dafür. Auch die Peti-tionen, die aus diesen Ländern nach rasch beliebter Sitte an den Thron getragenwurden, überschritten nirgends das Maß des bereits Bewilligten und konnten mitFug und Recht als bloße in die Form von Petitionen gebrachte Dankadressen be-trachtet werden. Gratz und Brünn, durch die Eisenbahn näher an Wien gerückt,offenbarten wol einen günstigern Boden für politische, dem wiener Treiben analogeBestrebungen. Es blieb aber bei der passiven Billigung der Vorgänge in Wien,bei periodisch wiederkehrenden Adressen an die Aula, daß man ihren Tendenzen bei-stimme, und — mit unblutigen Worten im Falle der Noth ihr bcistehen wolle.Und auch diese ziemlich unschuldigen radicalcn Sympathien blieben nicht ohne Wider-spruch. Gegen Or. Emperger, den Führer der radicalcn Partei in Gratz, erhob sicham 21. März ein gewaltiger Tumult, dessen drohende Wendung nur durch die Da-zwischenkunft des Gouverneurs Grafen Wickenburg von seiner Person abgelenkt wurde.Gratz, die Heimat aller östreichischen Pensionäre, fühlte sich offenbar von dem plötz-lichen Wechsel im öffentlichen Leben unangenehm berührt und grollte über die gegen-wärtige Verlassenheit der Schachbreter im Casino und das Monopol des politischenInteresses. Großartig dagegen und Östreichs Geschick mit entscheidend war die Be-wegung in den ehemals selbständigen böhmischen, polnischen, ungarischen und italie-nischen Ländern. Sie blieb an Intensität nicht hinter dem Antheil zurück, den Wienan der Revolution nahm, genoß aber gleichzeitig den Vortheil, daß sie auf be-stimmte Zwecke gerichtet war, alle Stände und Alter, tüchtige Führer und discipli-nirte Heerscharen umfaßte. Nur war sie, mit Ausnahme von Böhmen, überall gegenden Bestand des östreichischen Staats selbst gerichtet: ohne Hehl in den lombardisch-venetianischen Provinzen, verschleiert und zögernd, das letzte Wort auszusprcchenund die Consequenzen aus den politischen Prämissen zu ziehen, in Ungarn.
Weder die Ungarn noch die Lombarden hatten auf das Schlagwort von Wienaus gewartet, sondern längst schon auf eigene Hand hin die Opposition gegen die