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Zehnter Band.
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144 Östreich.

Stande, den Mittelpunkt deutsch-östreichischer Macht nach Frankfurt zu übertragen."Sodann: „Alle Projecte zu einer Neorganisirung Deutschlands auf Grundlage desVolkswillens sind unausführbar und in die Lange unhaltbar, wenn sie sich nicht zueinem echten Kaiserschnitte entschließen — zur Proclamirung einer deutschen Re-publik. Alle versuchten Vorschriften von Theilung der Gewalt zwischen halbsonverä-nen Fürsten und dem souveränen Volke erinnern an die Theorien der Phalanstere,die gleichfalls von dem Grundsätze ausgehen, die Betheiligten werden wie Ziffern ineinem Rechenexcmpel sich verhalten und keine andere Geltung in Anspruch nehmen,als welche die Theorie ihnen anweist"... „Die Einführung der Republik inDeutschland", sagt Palacky am Schusse, „ist eine Frage, die außerhalb des Kreisesmeiner Competenz liegt, nur von den Grenzen Östreichs muß ich jeden Gedankenan eine Republik von vornherein entschieden zurückweisen. Denken Sie sich Östreichin eine Menge Republiken und Republikchen aufgelöst — welch ein vollkommenerGrundbau zur russischen Universalmonarchie! Das Verlangen, Östreich solle inDeutschland aufgehen, ist eine Zumuthung des Selbstmordes und ermangelt daherjedes moralischen und politischen Sinnes. Da auch die gcgentheilige Federung,Deutschland möge sich an Östreich anschließen, dem deutschen Nationalgcfühle gegen-über unstatthaft ist, so erübrigt nichts, als daß beide Mächte, Östreich und Deutsch-land, nebeneinander gleichberechtigt sich constituiren, ihren bisherigen Bund in einewiges Trutz- und Schutzbündniß verwandeln und allenfalls noch, wenn solches ihrenbeiderseitigen materiellen Interessen zusagt, eine Zolleinigung untereinander abschließen."

Bei der Stimmung des Landes und der unbegrenzten Autorität Palacky's beiallen Slawen war an eine Theilnahme an den frankfurter Verhandlungen nach derVeröffentlichung dieses Briefs nicht mehr zu denken. Wenn man nun erwägt, daßdie slawische Bewegung dadurch in unmittelbaren Kampf mit der wiener Revolutiongerieth, daß sie in diesem Punkte den Hos und den Adel für sich, das Ministeriumgegen sich hatte, so wird wol die namenlose politische Verwirrung, die hieraus her-vorging, begreiflich, sowie auch die Wendung, welche die Revolution nun nehmenmußte. Zunächst wurde noch durch diese sich kreuzenden Bestrebungen die Anarchieund Schwäche des Staats gesteigert. Doch konnte diese Schwäche nicht mehr für dieRevolution benutzt werden, sondern schlug endlich zu Gunsten der Restauration aus.

Das Ministerium Ficquelmont-Pillcrsdorf; das Preßgesetz vom 31. März; die Berfassung vom25. April; die italienische und deutsche Frage.

Mit Namen von Volksrechten, mit Titeln der Verfassungscapitel trat die Mehr-zahl des Volks der Regierung entgegen, mit Namen antwortete auch die letztere.Die Mitglieder des MärzministeriumS führten berühmte, von Alters her klingendeNamen, sie zählten aber keine Persönlichkeit unter sich, welche auch die Einsicht undden Muth der That besessen hätte. Natürlich fühlte das Ministerium vom erstenAugenblicke seines Bestandes an den Boden unter sich wanken, und sobald dieSchwierigkeiten sich häuften, verließ ein Mitglied nach dem andern leise und sackteden Ministcrtisch. Kolowrat, der erste Ministerpräsident, ließ sich bereits am 4. Aprilkrank melden und am 19. von seinem Posten entheben; Freiherr von Kübcck, derPhönix unter den altöstreichischen Staatsmännern, verzweifelte schon am 3. April auden östreichischen Finanzen und gab an den in seinen Hoffnungen unverwüstliche»Kraus sein Portefeuille ab. Gleichzeitig mit Letzterm trat General Zanini in dasMinisterium, um am 31. April, nach Verlauf von drei Wochen, dem unglücklichenGrafen Lakour zu weichen. Man hat behauptet, die Armee habe nichts von dembürgerlichen Zanini wissen wollen. Doch klingt es wahrscheinlicher, Zanini, derbloße Kanzleimann, sei vor der Lösung der Aufgabe, ohne Geld und ohne Soldateneine Armee zu organisiren, zurückgeschreckt und habe sich freiwillig in seine frühereuntergeordnete Stellung zurückgezogen. An Taaffe's Stelle übernahm am 20 .. Aprilder ältere Sommaruga die Justiz. Auch Ficquelmont, zuerst Minister des Äußernund dann Conseilpräsidcnt, hielt sich nur bis zum 5. Mai, sodaß von den hervorra°