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Zehnter Band.
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Ostreich. 145

genden Mitgliedern des Cabinets der einzige Pillcrsdorf Zähigkeit genug besaß, trotzaller Stürme auszuharren, auf jeder Ministerliste zu erscheinen. Ja »och mehr, alsdas Ministerium Ficquelmont auf eine so schmachvolle Weise von Katzenmusiken ge-stürzt wurde, übernahm Pillcrsdorf selbständig die Leitung eines neuen CabinetS.Aber welch ein Cabinet! Kaum hakte es die zweite Lebenswoche hinter sich, alsauch schon alle Mitglieder ihre Entlassung einreichten, um — bis in den Monat Juliprovisorisch ihre Stellen fortzuführen und trotz der Entlassungsgcsuche seiner Mitglie-der eine Macht und eine Verantwortlichkeit um sich zu sammeln, wie sie das best-constiruirte Ministerium kaum übernommen hätte. Bei diesem stetigen Personenwech-sel ist an eine Charakterisirung der einzelnen Cabinete, an die Aufstellung bestimm-ter Zeitperioden gar nicht zu denken. Wozu auch die Mühe einer Gliederung undEimheilung, da sich doch weder die Ministerien, als moralische Einheit betrachtet,noch auch die einzelnen Persönlichkeiten innerlich voneinander rknterschieden oder durcheine eigenthümliche Färbung auszeichneten. Nennt man das eine das Ministerium derfalschen Maßregeln, so gebührt dem andern der Nanie des Ministeriums der schlech-te» Maßregeln; gründet sich das Programm des einen auf Unkcnntniß und läuftauf Unthätigkeit hinaus, so ist dem andern die Basis der Irrthum und das Zieldie Passivität. Es lag nicht in dem Willen der Cabinete, daß zur Zeit des Mini-steriums Ficquelmont die Fragen der äußern Politik, die italienische und deutscheFrage, dasselbe wesentlich beschäftigten, das Ministerium Pillcrsdorf dagegen seineWirksamkeit zumeist auf Wien beschränkte. Der äußere Zufall bestimmte diese Rich-tungen: die Minister folgten nur unselbständig und mechanisch fremden Impulsen.Es lag ferner keineswegs in ihrem Plane, die bis aus Sträfliche reichende Nach-giebigkeit in der italienischen Politik durch eine stolze, hcrausfodernde Stellung inden deutschen Angelegenheiten wieder gutzumachen. Im Gegentheil dictirte ihnenhier und dort die gerade herrschende Tagesstimmung ihre Rolle. Vollends in Fra-gen der innern Politik war von einem klaren Plane und fester Conscquenz gar nichtdie Rede, sondern hier war Alles dem Zufalle und Dem, was eben der Augenblickeingab, anheimgestellt. Die Veröffentlichung eines Preßgesehes galt nach allgemeinemEingeständnisse als das dringendste Bedürfniß, als der erste und nothwendigste Act,mit welchem sich die neue Regierung beschäftigen müsse. Das Volk, die Presseselbst riefen stürmisch danach; das Ministerium erklärte, daß vor allen Dingen dieserZweig der Gesetzgebung neu geregelt werden müsse. Unter Preßfreiheit verstandendie Meisten jenen Zustand der Presse, wo alle Schriftsteller von Fach aufhören unddie Zeitungen verpflichtet sind, die schlecht gedachten und schlechter stilisirtcn Mei-nungen eines Jeden, der eben kommt, „unentgeltlich" aufzunehmen; ein Preßgerichtkonnten sich ein später vielgenanntes Parteihaupt und der Redacteur eines der an-gesehensten politischen Journale gar nicht anders denken, als wenigstens zur Hälfteaus Schriftstellern zusammengesetzt, sonst „verdiene es nicht den Namen eines freienGeschworenengerichts". Schon hatte man in einer Volksversammlung zu Wienbeantragt, wegen der schlechten Zeiten den Wohn- und Gewerbezins abzuschaffen,und auch die Presse zeigte nicht übel Lust, ähnliche Hirngcspinnste zu verfolgen. DieNothwendigkeit eines klaren bestimmten Preßgesehes war demnach einleuchtend. Am31. März wurde dasselbe provisorisch erlassen. Kaum waren aber seine Bestimmun-gen bekannt geworden, als sich allenthalben ein gewaltiger Sturm gegen dieselbenerhob. Es war umsonst, daß Professor Hyc seine ganze Popularität dafür einsetzteund in einer Aulavcrsammlung die Vertheidigung des Gesetzes versuchte. Er durftenicht einmal die Absicht der Vertheidigung offen aussprechen, und mußte erklären,daß er die bloße Erläuterung einzelner Paragraphen im Sinne habe. Siegreich griffein jugendlicher Redner, GiSkra, alle Punkte des Gesetzes an und bewirkte die cin-siimmigc Verwerfung desselben durch die Aulavcrsammlung. Die Aula hatte dasGesetz verworfen; ihrem Beispiele folgten die prager Studenten, die es sogar auföffentlichem Platze verbrannten. Dem Ministerium blieb nichts übrig als die Zunick-Dic Gegenwart. X. 10