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sahen bald das Nutzlose ihrer Anwesenheit ein und verließen sämmtlich bereits inder Mitte April den Ausschuß. ' >
Vor das Forum des Ausschusses legte nun auch der Gouverneur am 21. April ^die „Anschlußfrage", wie man die Auffoderung, das frankfurter Parlament zu be- ,schicken, benannte. Ohne Debatte — die deutschen Elemente waren bereits ansge- -schieden — beschloß der Nationalausschuß, durch eine Deputation das Ministerium !anzugehen, es möge den Wahlbefehl sistiren und die Entscheidung dem böhmische»Landtage überlassen. Zum Zeichen der herrschenden Gesinnung sollte aber amnächsten Tage (dem kaiserlichen Namensfestc) von allen Thürmen Prags die östrei-chische schwarzgelbe Fahne neben der Landesfahne wehen. Seltsam war die Antwort,welche Pillersdorf der Deputation ertheilte: „Die Wahlen werden aufrechterhalten,dies verlange die Gleichberechtigung der Nationalitäten, die Billigkeit gegen die In-dividuen, welche um dieselbe petitionirt. Doch sei Niemand zur Wahlvornahme ge-zwungen und präjudicire auch der Beitritt zum frankfurter Parlamente in keinerWeise der staatsrechtlichen Stellung Böhmens." Dies hieß sowol den Czeche» wieden Deutschen Recht geben. Die Deputation legte sofort gegen diese Entscheidungeine Verwahrung ein, welcher der Nationalausschuß am 1. Mai sich anschloß. Un-terdessen geschah auch von Seite des frankfurter Funfzigerausschusses ein Versuch,den Widerstand der Czechen zu brechen und eine andere Antwort auf die Einladungzum Beitritte, als die oben erwähnte Palacky's war, in Prag zu holen. Kanzlervon Wächter aus Tübingen und Kuranda wurden nach Prag gesendet, um mit denWortführern des Slawcnthums zu unterhandeln. Ihnen schloß sich Dr. Schillingaus Wien als Freiwilliger an. Die Wahl der Abgeordneten versprach einen schlech-ten Erfolg. Wächter war wol von glatten Formen und gewandtem Geiste, denböhmischen Verhältnissen aber viel zu fremd, um etwas Anderes zu leisten als dieMeinungen der Gegner anzuhören. Die Autorität, welche man Kuranda in Böh- ^men zuschrieb, galt keineswegs ihm, sondern dem bekannten Unbekannten, welcher diePräger Briefe in die „Grenzboken" schrieb. Schilling war eine von früher zu wenigbeliebte Persönlichkeit und zudem ein heftiger, leidenschaftlicher Charakter. Kaumwar die frankfurter Deputation in Prag angekommen (28. April), so mußte sieauch schon Zeuge sein, wie die czechische Jugend eine Sitzung des Deutschen Vereinssprengte und nur durch das Zureden eines Czechenführers, Karl Hawliczck, vonweiter» Gewaltthaten abgehalten wurde. Eine schlechte Vorbedeutung für den Er- Ifolg ihrer Mission. !
Am 30. April wurde die Conferenz mit den hervorragendsten Mitgliedern desNationalausschusses abgehalten. Kuranda nahm zuerst das Wort und wies auf dieGefahren hin, welche für das von Deutschland isolirte Östreich von Westen undOsten, von Frankreich und Rußland drohen. Im Falle das Gewissen den östreichi-schen Slawen das Mitstimmen im Parlamente verbiete, so könnten sie ja immerhindie Verhandlungen nur anhören und die Vorgänge beobachten. Man entgegneteihm, daß die Gefahr von Seile Frankreichs Östreich nur mittelbar treffe, jene vonSeite Rußlands von Deutschland getheilt werde, eine bloße Beobachterrolle aber, wieer sie den czechischen Abgeordneten zumuthe, eine unnütze, überflüssige und hinder-liche Sache sei. Namentlich das in einem unbewachten Augenblicke Kuranda ent-schlüpfte Geständniß einer durchgehcnds republikanischen Gesinnung in Süddeutschland '(wogegen jedoch Wächter opponirte) wurde von den Gegnern zur Hauptangriffswaffebenutzt. In einem solchen Falle, meinten sie, da Böhmen nichts weniger als re-publikanisch sei, bleibe nichts Anderes übrig, als daß jeder Staat sein eigenes Haus-wesen ordne und später zusehe, welche Verbindungsfäden noch außen cxistirtcn.Praktisch war die Bemerkung des Advocaten Pinkas: in einem Augenblicke, wo derLandtag und der Reichstag bevorstehe, könne man keine Capacitätcn entbehren undmüsse schon aus diesem Grunde die Beschickung des Parlaments ablehnen. Nach-dem noch Dr. Schilling in leidenschaftlicher Rede die Anmaßung der Czechen, sich