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Zehnter Band.
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Östreich.

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mit Östreich zu identificiren, gegeißelt, die Möglichkeit eines östreichischen Patriotis-mus geleugnet und die Weigerung der Czechen als eine Neuerung erklärt, weil essich nicht um den Anschluß, sondern um den Nichtaustritt handle, schloß die Confe-rcnz, ohne daß sie ein bestimmtes Resultat geliefert hätte, außer daß Prag unvcr-treten blieb. Am 23. Mai sollte die Wahl vor sich gehen; es meldete sich aberkein oder so gut wie kein — man sprach von dreien — Wähler. Den Abend zu-vor hatte das Volk die Straßen Prags durchzogen und aus voller Kehle ein be-kanntes Spottlied gegen die Deutschen gesungen. Dem Ministerium kam dieserWiderstand der Czechen keineswegs so ungelegen, wie man oft ausgegeben hat.Pillersdorf erklärte wenige Tagt später einem Slawenführer, daß er die Ansichtender Czechen vpllkommen billige, obschon er keinen entschiedenen Bruch mit Deutsch-land zulässig finde. „Überdies sei dafür gesorgt, daß die östreichischen Abgeordnetenin Frankfurt in einer Weise stimmen, wodurch der Souveränetät Östreichs kein Ab-bruch geschehe, und überhaupt habe die ganze Parlamentsfrage für Östreich nur eineuntergeordnete Bedeutung." Nebenbei sei bemerkt, daß die mährischen Stände sichdem Proteste des Nationalausschufses anschlössen und nachträglich auch die Fürsten-thümer Zator und Auschwitz gegen die Einverleibung in das neue Deutsche ReichVerwahrung einlegten. Sechs Wochen waren seit den Märztagcn verflossen. Bren-nende Fragen ohne Zahl harrten ihrer Lösung; das Volk rief nach Thaten; das-Ministerium hatte Kraft und Energie versprochen. Die Thaten des Ministeriumsbeschränkten sich aber auf ein Preßgesetz, in welchem das Geschworenengericht fehlte,und Angriffe gegen die Beamten ungleich härter bestraft wurden als Verbrechengegen die Sittlichkeit. Es hatte ferner eine Verfassung proclamirt, an welche Nie-mand glaubte, weil sie auf keiner natürlichen Basis stand. Es hatte außerdemfreigebig die Lombardei angeboten und in der deutschen Frage alle Nationalitätenbeleidigt, keine befriedigt. Seine Natur, eine absolute Schwäche und Nathlosigkeit,war klar geworden. Als dies die wiener Bevölkerung inne wurde, verlor sie denletzten Rest der Furcht und beschloß jene Schwäche auszubeuten.

Die Maitage in Wien.

Die entscheidende Epoche für das Schicksal der Revolution bildet die schimpf-liche Vcrjagung des Ministerpräsidenten Ficquelmont von seinem Posten, nicht durcheinen Volksaufstand, sondern durch eine — Katzenmusik. Von diesem Augenblickean verlor die wiener Bewegung ihren festen Boden und mit demselben die Sympa-thien der östreichischen Intelligenz und der meisten Provinzen. Der Hof und die

Regierung zeigten wol noch fortan die gleiche, ja noch größere Willfährigkeit: sie

gaben den Föderungcn der Massen in allem Wesentlichen nach; sie erklärten aber,

wo sich nur die Gelegenheit dazu darbot, ihren Willen als einen unfreien und er-zwungenen, wodurch denn wieder das Mistrauen im Volke stieg und zu noch grö-ßerer Gewaltthätigkeit Anlaß gegeben wurde. Die Geschichte der östreichischen Re-volution wurde jetzt zur Geschichte von Straßenkrawallen und Barrikadcnbauten, wo-bei es vielleicht die Meisten der Thcilnehmer nicht so arg meinten, aber für die Neu-begründung des östreichischen Staats Zeit, Kraft und Sinn verloren ging. -

Schon längere Zeit hatte es in Wien sich unheimlich geregt und die schwüleStimmung in kleinen Slraßenaufläufen, Katzenmusiken, in dem Aussprengen unsin-niger Gerüchte, wie z. B. von Mctternich's Wiederkehr, von Nestaurationsplane»^ Hess u. s. w., sich Luft gemacht. Im April wirkte noch die Begeisterungder Marztage nach und vereitelte die Plane einzelner Volksführer, die Revolutionmit Hülse von Sturmpctitionen, Niesenvolksversammlungcn zu treiben. Schütte,welcher vier Wochen zu früh diesen Versuch anstellte, entging mit Noth der Stei-nigung und mußte sich vor eine Art VolkSgericht im Schriftstellervcrcin stellen.Bald darauf nahm aber das Vereinswcscn einen gewaltigen Aufschwung, und dajeder Verein auf die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten Anspruch machte, er-starkte auch die Lust zu politischen Händeln, zur Einmischung der Straße — denn