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auf deren Erhebung zum Regierungssitze war es abgesehen — in alle Fragen derGesetzgebung, Administration und äußern Politik. Der Verein der Volksfreundewar der erste, der sich durch seine Agitation namhaft machte. Chaizcs, ein polni-scher Jude, den seine Freunde Doctor betitelten, seine Feinde einen Barbicrgehülfenschimpften, und Schütte waren die Führer, die Volksversammlung im Odeon am14. April das Werk des Vereins. Nach Schütte's Ausweisung und Chaizes' poli-tischem Bankrotte übernahm Tausenau, der begabteste und hellsehendste aller wienerDemokraten, die Leitung des Vereins, und setzte die Reform seiner Statuten durch.In den Maitagen taufte sich derselbe in den Demokratischen Club um, hatte alssolcher den wesentlichste» Antheil an den Maiereignissen und umfaßte bis zur Okto-berrevolution alle radicalen Elemente, welche Wien beherbergte. Der wichtigste allerVereine war indessen das Centralcomite, indem es den Angelpunkt aller Wirren undKämpfe abgab. Außerdem hatten sich noch ein Verein bei den Weißgerbern, einliberaler Verein, mehre Arbeitervereine, und endlich ein Damenverein gebildet, dasWerk der überspannten, nicht selten vom Kopfe bis zum Fuße in die deutsche Tri-kolore gehüllten Freiin von Perin.
Kann man nun auch nicht behaupten, daß dieser oder jener Verein es absicht-lich «uf die Fortdauer anarchischer Zustände abgesehen und die Befestigung derneuen Ordnung wissentlich gehemmt, so brachte es doch das Wesen und die Thätig-keit aller mit sich, daß die Aufregung fortdauerte, der Widerwille in die alten pri-vaten Kreise zurückzukehren und mit nüchternem Sinne an die gewohnten Werktagsge-schäfke zu gehen, sich noch weiter erhielt. Der politische Rausch war so süß, die neueArt der Thätigkeit so verlockend, daß die Masse wol meinte, in einem freien Staatemüsse jedes politische Geschäft mit größter Bewegung vollführt werden und gewohnteZufriedenheit sei des freien Bürgers unwürdig. Bei den Anfodcrungen, die manan die Regierung stellte, bei den seltsamen Verpflichtungen, die man ihr auferlegte,war faktische Zufriedenheit allerdings auch schwer zu erreichen.
Seit den letzten Apriltagen schon waren lärmende Straßenauftritte, das Über-tünchen aller Privatangelegenheiten mit politischer Farbe an der Tagesordnung.Hausherren, die Zins federten, galten als Reaktionäre. Hatte man sich für einenGegenstand genug inkeressirt, so suchte man ein neues Object. Kein Wunder, daßendlich auch die seit Jahren verhaßten Liguorianer an die Reihe kamen. Ihr Ein-fluß auf die niedern weiblichen Volksclassen, ihre vermeintlichen großen Schätze, dieGunst, die sie bei Hofe genossen, dies Alles wirkte zusammen, um sie zum Opfer derVolksleidenschaft auszuwählen. Sie wurde» aus ihron Kloster gewaltsam vertrieben,und da der wiener Erzbischof Milde als ihr Gönner galt, so ward auch dieser miteiner Katzenmusik im großartigsten Maßstabe (3. Mai) bedacht. Nachdem die Mengeeinmal in bacchantischen Talimcl versetzt, folgte auf den Erzbischof der Juridisch-po-litische Lescverein, der dem Staatenbunde das Wort gesprochen und auch sonst nochdem demokratischen Treiben sich abhold erwiesen hatte. Von da zog man weiter —zu Ficquelmont. Ohne daß man gerade bestimmte Thatsachen gegen ihn vorzubrin-gen hatte, erschien er doch wegen seiner vormärzlichen Amtsführung nicht auf derHöhe der Zeit, also für seinen Posten ungeeignet. Nach einer so schmachvolle» Be-handlung, um so schmachvoller, als alle Behörden ihr zusahen, konnte Ficquelmontnicht füglich mehr die Leitung des Ministeriums fortführen. Er dankte am 5. Maiab und wurde ini Vorsitze im Ministerrathe von Pillersdorf, in der Führung deräußern Angelegenheiten von dem Freiherr« von Lebzeltern — doch ohne daß dieserden Ministerrang erhielt — abgelöst. Die einzige Genugthuung wurde ihm zuTheil, daß eine kaiserliche Proklamation in ziemlich gelinden Worten über die Fort-dauer der Unruhen, trotz aller verliehenen Zugeständnisse und Freiheiten, sich beklagte.Um die Lücken im Cabincte auszufüllen, sah man sich nach mehren Seiten um.Palacky wurde aus Prag durch den Telegraphen berufen, weigerte sich aber in daSMinisterium zu treten, solange nicht daS föderative System in das Programm auf-genommen, die Verhältnisse zu Deutschland nicht klar und bestimmt auseinanderge-