Band 
Zehnter Band.
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Die Vereinigten Staaten von Nordamerika.

die Sklaven frei, was wären die Folgen? Vor allen Dingen steht die unumstöß-liche Thatsache da, daß Neger und Farbige einerseits und Weiße andererseits inNordamerika niemals und unter keinerlei Umständen als politisch gleichberechtigte undgesellschaftlich gleichgestellte Bürger miteinander leben werden oder können. Zwischenden Söhnen Ham's und den Kindern Japhet's liegt von Anbeginn der Geschichteeine weltweite Kluft, welche gar nicht ausgefüllt werden kann. Für die Beurthei-lung der concreten Frage kommt nicht viel daraus an, ob diese instinctmäßige Abnei-gung eine innere Berechtigung habe; wir brauchen auch nicht auf anthropologischeUntersuchungen darüber einzugehen, ob der Neger eine ticferstehendc Mcnschenracebilde und wollen ebenso wenig Gewicht auf die Thatsachen lege», daß er im Streitnicht mit der Faust ausschlagt, sondern gleich einem Widder mit dem Kopfe gegenseinen Feind anrennt, daß seine Haut eine für die Gcruchsorgane der Weißen äußerstwiderliche Ausdünstung hat, und daß in seinem Haar sogar eine eigenthümliche Laus(psüioulus dUgritarum) lebt, ein Thier mit dreieckigem Kopfe und schwarzer Farbe.Wol aber ist es von Erheblichkeit zu wissen, wie der Neger, als besonderer Men-schenstamm betrachtet, sich zur geschichtlichen Entwickelung der Menschheit ver-hält. Überäll und zu allen Zeiten, wo er in Berührung mit Menschen von andererFarbe tritt, sehen wir ihn dienend und untergeordnet; schon auf den älteste» ägyp-tischen Denkmälern erscheint er als Sklave, wie denn sein heimatlicher Erdthcil nieohne Sklaverei gewesen ist. Aus sich selbst heraus hat er es zu keiner Zeit auchnur bis zu einem geringen Grade höherer Gesittung bringen können. Er erfand nieeine Buchstaben- oder sinnreiche Bilderschrift, seine religiöse Entwickelung ging nichtüber den Fctischdienst hinaus, er wurde niemals ein Seefahrer, er brachte es nichtzu höherm Geschmack und zu Zierlichkeit, er schuf keinerlei Monumente; er ist viel-mehr bis auf den heutigen Tag im Nohen stecken geblieben. Gegenüber seinemafrikanische» Zustande erscheint die Sklaverei in Amerika für das Individuum alseine Wohlthat und ein Gewinn. Wo man ihn freigab, ist er, obwol er höhereGesittung in unmittelbarer Nähe hat und die fruchtbarsten Länder besitzt, mehr oderweniger rasch in die Barbarei zurückgesunken. Auf Haiti haben alle nacheinanderfolgenden Präsidenten oder Kaiser Zwangsarbeit gesetzlich eingeschärft, damit dieschöne Insel nicht wieder völlig zu einer Wildniß werde.

In jenen amerikanischen Colonie», welche von Völkern romanischer Abkunft ge-gründet wurden, hat der Neger eine Stellung gewonnen, welche von jener in dengermanischen Pflanzungen verschieden ist. In Mexico und Mittelamcrika waren dieSchwarzen nie sehr zahlreich, weil die Eroberer dort eine ansässige, ackerbautreibendeJndianerbevölkerung vorfanden und diese zur Dienstbarkeit zwangen; sie konnten alsoder ohnehin theuren Negersklaven im Allgemeinen entbehren. Chile, ein schmalerKüstcnsaum mit gemäßigtem Klima, eignet sich nicht zum Anbau tropischer Erzeug-nisse und wurde daher von kleinen Eigenthümern besiedelt, welche selbst arbeiten;große Plantagen lohnen dort nicht. Auch in Peru, wo eine ackerbautreibende india-nische Bevölkerung lebte wie in Mexico, waren die Neger kein großes Bedürfniß;sie wurden nur in geringer Anzahl dorthin befördert. Ein Gleiches gilt von dcuargentinischen Ländern, deren weitausgedehnte Grasfluren viel mehr zum Betriebeder Viehzucht als zu jenem des Ackerbaus einluden; auch in ihnen ließ sich also derNeger entbehren. Anders war es in den Provinzen, welche der Amazonenstromund Orinoco durchströmen. Dort wurden tropische Producte auf großen Plantagengebaut, und bei der unbesiegbaren Trägheit der dortigen Indianer, welche nie überdas Leben in Horden hinausgekommen waren, erschienen schwarze Arbeiter als einebenso dringendes Bedürfniß wie in Brasilien. In Columbien, Guyana und demgroßen x.ande vom Essequibo bis südlich über Nio Janeiro und Santa-Catarina hin-der Neger, und wenn die Republik Neugranada im Jahre 1852die Sklaven freigab, so geschah es nur, weil allmälig die Culturen gewechselt hatten,und Taback, welchen der an das Klima gewöhnte Weiße bauen kann, ein Stapelar-ttkel geworden ist. Brasilien aber hat zwar »othgedrungen den Sklavenhandel mit