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Zehnter Band.
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Die Vereinigte» Staaten von Nordamerika.

schatzamt (Subtreasury), welches die Demokraten nebst Aufhebung jener Bank durch-gesetzt hatten; dafür wurden sie 1810 von den Whigs aufs Haupt geschlagen, indenvdiese Harrison's Wahl durchsetzten. Aber schon 1844 gewannen die Demokratenabermals den Sieg, indem ihr Candidat Polk, der für die Besitznahme Orcgonssich aussprach, gegen Clay gewählt wurde. Ein wichtiger Factor bei den Wahlbe-wegungen war allemal auch der Zolltarif, welchen die Whigs 1842 zu einer aller-dings exorbitanten Höhe hinaufschraubten. Er wurde 1846 von den Demokratenherabgesetzt. Aber diese und andere Standpunkte erscheinen von keiner erheblichenWichtigkeit gegenüber der Agitation gegen die Sklaverei, welche am Mark der Unionselbst nagt.

Sklavcnfrage.

Wir müssen gerade auf diese Frage naher eingehen und sie ausführlicher erör-tern, weil sie an Wichtigkeit alle andern bei weitem überragt. Hier steht, wie ge-sagt, nicht nur die Fortdauer der großen amerikanischen Union auf dem Spiele undmit derselben das materielle Gedeihen und die politische Macht des Landes, sondernes wird auch der Wohlstand Europas dadurch wesentlich berührt. Außerdem handeltes sich dabei zugleich um die Existenz der Neger selbst. Insgemein wird die Skla-venangelegenheit sehr einseitig aufgefaßt: man gibt sich philanthropischen Wallungenhin, welche das Urtheil gefangen nehmen, und hat sich namentlich in Deutschland,wo die Meisten ein wohlwollendes Herz mit kosmopolitischer Weite im Busen tragen,zum Widerhall englischer Deklamationen gemacht. Allein mit diesen und einigenallgemeinen Formeln werden die Schwierigkeiten nicht aus dem Wege geräumt unddas richtige Verständniß wird dadurch nicht angebahnt. Wir wollen versuchen, einevorurthcilsfreie Darstellung zu geben und auf diese gestützt ein ruhiges klares Urtheilzu fällen. Man muß vor allem in der Sklavcnfrage wohl unterscheiden und ver-schiedene Standpunkte auseinauderhaltcn. Einmal kommt das menschenfreundlicheWohlwollen zur Berechtigung, die abstracto Philanthropie, der es von Grund auszuwider ist, daß ein Mensch des andern Menschen willenloses Werkzeug sein, daßer seiner menschlichen Würde entäußert und gewissermaßen rechtlos sein solle. Undwelcher gebildete Europäer hätte denn keine tiefe Abneigung gegen die Sklaverei, werwünschte denn nicht, daß sie überall auf Erden beseitigt werden möchte? Gewißdarf man denjenigen Menschenfreunden nicht gram sein, welche in verständiger Weisemit allen Kräften darauf hinarbeiten, daß ein Mensch nicht des Andern Sklave bleibe.Soll aber ihr Wirken segensreich werden und für ihre Schützlinge Früchte bringen,so darf man von den Philanthropen auch verlangen, daß sie die concrekcn Verhält-nisse ins Auge fassen und die richtigen Mittel zum Zweck wählen. Das aber habensie bisher nicht gethan; ihr Wirken und ihr Einfluß sind noch allemal grundvcrdcrb-lich gewesen; sie haben den Weißen ganz unberechenbaren Schaden zugefügt undüberdies den Neger aller Orten in eine viel kläglichere Lage versetzt, als in welcherer jemals gewesen. Vergegenwärtigt man sich, welche Früchte bisher die Bestre-bungen der „Abolitionistcn" getragen, so kann man nicht umhin ein strenges Urtheilüber sie zu fällen, und es gehört eine große Täuschung, eine völlige Unkundc der Ver-hältnisse dazu, um einen pseudo-philanthropische» Noman wie „Onkel Tom's Hütte"erbaulich zu finden. Gewiß gibt es gutmüthige Neger, barbarische Sklavenhalterund infame Negerhändlcr; Niemand hat das bestricken. Im Süden der VereinigtenStaaten selbst wäre man der Sklaven gern überhoben, wenn man wüßte, ob undwie man sich ihrer entledigen könnte, ohne das Land, und Schwarze und Weißezugleich, einer völlige» Vernichtung preiszugeben. Man wird weiter unten sehen,daß in diesem Ausdrucke nicht etwa Übertreibung liegt. Der Süden hat ein Rechtseine Sklaven zu halten; England zwang sie ihm auf, die amerikanische Bundesver-fassung gewährleistet ihm dieses Recht; in den Sklaven ist ein Capital von nahezu3000 Millionen Dollars angelegt worden, und der Anbau in den südlichen Staaten istjetzt und aus lange Zeit ohne Negcrarbcit nicht denkbar. Angenommen, man gäbe