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Zehnter Band.
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Die Vereinigten Staaten von Nordamerika.

genommen werden sollen wie die ersten 13 Staaten. Durch die hier abermals auf.tauchende und allerdings nicht zu umgehende Frage: ob Sklaverei oder nicht, wurdedas Land wiederum in den Strudel der Agitation geworfen. Eigentlich lag nureine abstracte Frage vor, denn die örtlichen und klimatische» Verhältnisse jener Ge-biete werden die Sklaverei von selbst ausschließen. Wichtiger war die Durchführungdes Grundsatzes: ob in Dingen dieser Art das Volk selbst entscheiden solle, oder obder Congreß, dem Wortlaute und Geiste der Bundesverfassung entgegen, ihm vor-schreiben könne, was es zu thun oder zu lassen habe. Entschied sich der Congreß fürdaS Erstere, so war ein für allemal der Sklavcnagitation ein Riegel vorgeschoben;that er es nicht, nahm er ein Recht der Einmischung in Anspruch, so war der alteParteistreit wieder angefacht. Die Abolitionisten und Freibodenmäuner wollten dieGelegenheit nicht vorübergehen lassen, auch diesmal für Ausschließung der Sklavereieinzutreten; und so wiederholte sich die Aufregung des JahreS 1830. Der Senatnahm die Nebraska - Kansasbill mit 37 gegen 11 Stimmen an, und sie gelangtedann ins Repräsentantenhaus, in welchem auS den nichtsklavenhaltcndcn Staatengegenwärtig 31 Abgeordnete mehr sitzen als aus dem Süden. In demselben wurdebeschlossen, mit 110 gegen 95 Stimmen, die Bill nicht dem Ausschusse für die Terri-torien zu übergeben, sondern sie „auf den Kalender zu sehen", d. h. sie nur dannvorzunehmen, wenn die Reihe an sie komme. In dieser Entscheidung lag eine Ab-neigung gegen den Inhalt oder vielmehr gegen die oben erwähnte Bestimmung derBill. Eine Organisirung der neuen Gebiete ist indessen unumgänglich, und die Ent-scheidung kann daher nicht lange aufgeschoben bleiben.*)

Wir können in die langen und heftigen Debatten der beiden Congrcßhauscrnicht speciell eingehen, und müssen uns begnügen, die charakteristischen Momente desStreits zusammenzufassen. Der Senat hatte mit 35 gegen 10 Stimmen einen Para-graphen angenommen, demgemäß die achte Abtheilung der Acte vom 6. März 1820,welche die Zulassung Missouris in die Union vorbereitete, für unwirksam und ungültigerklärt wurde, da sie mit dem Grundsätze der Nichteinmischung des Congresscs in dieSklaverei der Staaten und Gebiete, wie sie durch die Compromißmaßregeln von 1850anerkannt wurde, unverträglich sei. „Und es ist die wahre Absicht und Meinungdieses Acts, die Sklaverei in kein Gebiet und in keinen Staat durch die Gesetz-gebung einzuführen, noch sie davon auszuschließen, sondern dem Volke desselben Freiheitzu lassen, seine innern Angelegenheiten auf seine eigene Weise zu ordnen, wobei eslediglich der Bundesverfassung der Vereinigten Staaten unterworfen ist." Geradediese ausdrückliche Aufhebung jener Bestimmung des Missouri-Kompromisses erregteum so mehr die Erbitterung der Abolitionisten, da sie sich nun in ihrer eigenenFalle gefangen und eines handgreiflichen Mangels an Folgerichtigkeit sich geziehensahen. Schon im August 1818, wenige Monate nach dem Abschlüsse des Friedensmit Mexico, nahm der Senat auf den Antrag von Douglas einen Gesetzentwurfan, demgemäß die obige Clausel des Missouri-Compromisscs für alles Land bis zumGestade des Großen Oceans Geltung gewinnen sollte. Im Nepräscntantenhause fieldiese Bill durch, und es waren gerade die Abolitionisten und FreesoilerS mit ihrenVerbündeten, welche ihr die Niederlage bereiteten und das Missouri-Compromiß ver-warfen, welches sie später als gültig hinstellten. Von jener AusglcichungSmaßregelwurde behauptet, sie eigene sich nicht zur Anwendung für die neucrworbenen Lande.Es mußte demnach ein neues Auskunftsmittel gesunden werden, und so kamen,

*) Diese Entscheidung ist auch in der That -alsbald eingetreten, indem beide Congreßhäuserim Laufe deß Mai 1854 die Ncbraskabill, mit den Bestimmungen, wie sie der Verfasser obenangedeutet, angenommen haben. Künftig wäre demnach die Entscheidung über die Frage:ob das Sklavenhalter» erlaubt oder nicht, einzig dem Volke des Gebiets überlassen, daS seineAusnahme in die Union als selbständiger Staat beantragt. Viele Gegner der Sklaverei stimm-ten für die Bill, angeblich weil man mit Wegfall der in dem Missouri-Compromiß festge-stellten geographischen Linie nun auch das Recht habe, sklavcnfreie Staaten südlich jener Liniezu errichten. D. Red.