Band 
Zehnter Band.
Seite
204
JPEG-Download
 

20L Die Vereinigte» Staaten von Nordamerika.

Wohlthäter für Alle, welche Grund und Boden besitzen wollen, solchen unentgeldlichvergebe, und so dem Einzelnen einen Theil von Dem zubillige, was Allen gehöre.Senator Caß äußerte: „Ich wüßte nichts, was dem Fortschritte der menschlichenGesellschaft dienlicher und der Kraftentwickelung wie dem moralischen Wohlergehendieses Landes förderlicher sei» könnte als dieser ebenso staatskluge als gerechte Vor-schlag." So steht es nun in der Macht eines jede» Mannes, Grundbesitzer zu wer-den; und jeder Einwanderer kann nach fünf Jahren, sobald er Bürger gewordenist, kostenfrei 160 Acres erwerben. So wird auf Jahrhunderte hinaus eine wohl-habende Classe von Landwirthen geschaffen, die von, Mississippi bis zum StillenWeltmeere sich ausdehnt. Nachdem dieses wichtige Gesetz im Repräsentantenhaus-durchgegangen, wurde eine andere Bill eingebracht, der zufolge Ländereien, welche30 Jahre lang von der Unionsregierung öffentlich ausgeboten waren, aber unver-käuflich geblieben, demjenigen Staate unentgeldlich zufallen sollen, in dessen Gren-zen sie liegen. Vorher jedoch soll der Acre solchen Grundes und Bodens »och ein-mal zu dem Preise von 12'/- Cents ausgeboten werden, und damit ist der Spe-culation wieder Thor und Thür geöffnet. ES ist hierbei nicht außer Acht zu lassen,daß im Congrcß zwischen den Vertretern d»r alten und der neuen Staaten seit langerZeit widerstrebende Ansichten in Bezug auf die Verfügung über öffentliche Ländereienobwalten. So wurde im März 1854 im Nepräsentantenhause eine Bill verworfen,welche dem Gebiete Minnesota Land zum Eisenbahnbau bewilligte. Manche Congreß-mitglieder erklären den Verkauf der öffentlichen Ländereien und die Ablieferung derKaufsumme an den Schatz der Vereinigten Staaten für eine „veraltete Idee": siehoffen sich durch Beförderung der Heimstättebill, der localen Landbills und der Gra-duationsbill in den Allcinbesitz der öffentlichen Ländereien zu bringen, ohne für irgendeine Landverfügung im Interesse und Sinn der alten Staaten stimmen zu müssen,die dagegen auch ihrerseits Antheil an der öffentlichen Domäne haben wollen. Essteht also dahin, was das Schicksal der verschiedenen „ Ländereienbills" sein wird.

Annerationsgelüste rücksichtlich Cubas und Mexicos.

Während der Norden und Westen durch die europäische Einwanderung so gro-ßen Zuwachs an Menschen erhält und du'ch die kräftige Entwickelung der materiellenInteressen auch seinen politischen Einfluß steigert, wünscht der Süden sich durch denErwerb der Insel Cuba zu stärken. Er würde nach dieser Perle der Antillen, vonwelcher jetzt noch nicht der fünfte Theil unter Anbau ist, seine überschüssigen Negerabsetzen und dieselben verwerthen können, die Zahl seiner Abgeordneten im Senatund Nepräsentantenhause vermehren und einigermaßen das Gleichgewicht wiederher-stellen können. Aber auch der Norden müßte dabei gewinnen, weil Cuba für dessenFabrikate ein werthvollcr Abnehmer sein, überhaupt dem Handel und der Schiffahrtein großer Aufschwung gegeben würde, sobald das spanische Monopol-und Prohibitiv-system nicht mehr auf der schönen Insel lastete. Zudem beherrscht diese Insel sowoldas Caraibische Meer wie den Mexicanischcn Golf und den Kanal von Aucatan,welcher beide Meerestheile miteinander verbindet; sie liegt mitten in der Fahrbahnzwischen Neuyork und Neuorlcans einerseits, und den Hasen Panama, Sau-Juande Nicaragua, den Einschiffungsplätzcn für den Straßcnzug über Honduras undTehuantepcc andererseits. Schon daraus ergibt sich, welche Theilnahme die Nord-amerikaner der Entwickelung der Dinge auf der größten westindischen Insel zuwen-den. Man ist allgemein der Ansicht, daß Spanien dieselbe auf die Dauer nichtbehaupten werde, und die europäische» Seemächte besorgen schon seit längerer ZeitdaS Eintreten einer solchen Eventualität. Um sie womöglich zu beseitigen, machtendie Regierungen von England und Frankreich dem Washingtoner Cabinet den Vor-schlag, einer Collectiverklärung beizutreten, durch welche Cuba der spanischen Kronegarantirt würde. Präsident Fillmore lehnte es jedoch entschieden ab, auf eine solcheeinzugehen. Es sind in neuerer Zeit bereits zwei „Flibustierexpeditionen" in denVereinigten Staaten zur Eroberung Cubas aus eigene Hand ausgerüstet worden, und