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Zehnter Band.
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220 Die Vereinigten Staaten von Nordamerika.

und jeder Kirche fernhalten, sehr beträchtlich. Auch diese „Nichtsglauber" habenihre Fanatiker, die mit dürren Worten in Bezug auf die „Pfaffen" drucke» lassen:„Man rotte die ganze Bande aus, das ist das einzige Mittel sie loszuwerden." Inden westlichen Staaten ist eine „Propaganda des Unglaubens" thätig. Sie erklärt,auch der Unglaube sei eine Religion; er wolle die Unterordnung Aller unter ein ne-gatives Princip, er wolle Jedem die sreieste Entwickelung, die geistige Freiheit gesi-chert wissen, und deshalb laute sein oberster Grundsatz: Glaube nicht! Um denNichtglauben zu befördern, will er die Bibel aus den Freischulen verweisen, da dasAlte Testament eines der allcrunsittlichsten Bücher sei; auch das Neue Testamentsei weiter nichts und enthalte weiter nichts als eine sehr einseitige Neligionslchre.Das Alles werde von blödsüchtigcn Lehrern noch commentirt, und dann wundereman sich noch, daß den Katholiken die Häuser und Kirchen über dem Kopfe ange-zündet werden! „Der liebe Gott ist der plumpe Knüppel, mit dem ein Schurkeoder Dummkopf die aufkeimenden Fähigkeiten des jungen Weltbürgers niederkeilt."Während Ausfälle dieser Art die Stelle der Beweisführung vertreten, zeigt sich an-dererseits die praktische Freiheit im Cultus darin, daß die Chinesen in Californienungestört Götzentempel erbauen und ihre Auszüge halten. In Massachusetts dagegenfiel im Jahre 1853 bei dem Ausschusse zur Durchsicht der Verfassung der Antragdurch, welcher die Gesetzbestimmung aufheben wollte, der zufolge kein „Ungläubiger"vor Gericht Zeugniß ablegen kann. So liegen überall ganz unvermittelte Gegensätzeschroff nebeneinander, und um das Quodlibet noch pikanter zu machen, haben sichdie Mormonen, diese Heiligen vom Jüngsten Tage, eine eigene merkwürdige Religionzurecht gemacht und treten mit geistlichen und republikanischen Waffen für die Be-rechtigung der Vielweiberei auf, die sie eingeführt, und deren sie, als einer gött-lichen Institution, sich rühmen. Denn in der Bibel steht, daß die Patriarchen unddie Gott wohlgefälligen Könige David und Salomo viele Weiber hatten, und dieWeltgeschichte lehrt, daß die Einweiberci zu allen Zeiten und bis auf den heutigenTag beim Menschengeschlecht in der Minorität gewesen ist. Was, so fragen sie,kann ein bibelgla'ubiger Christ und ein die Majoritäten achtender Republikaner gegendiese unbestreitbaren Thatsachen einwenden? In Texas hat im Anfang des Jahres1853 die Legislatur ein Gesetz gegeben, demgemäß Jeder, der am „Sabbath" irgendeine Arbeit verrichtet oder verrichten läßt, mit Geld- oder Gefängnisstrafe belegtwerden soll. Von Neuengland und dem Westen her drohen mehr als 2600 prote-stantische Geistliche in einer Eingabe an den Congreß Allen, welche sich für die Ne-braSkabill erklären, mit dem Zorn des Allmächtigen und ewiger Verdammnis, undmüssen sich dafür sagen lassen, daß sie „rebellische nichtsnutzige Pfaffen" seien undals geistliche und kirchliche Corporation sich gar nicht um politische Dinge zu küm-mern hätten, weil nur dem Bürger als solchem das Recht zustehe, sich mit Zu-schriften an den Congreß zu wenden. In Philadelphia treiben weiße „Killers"gleichsam gewerbmäßig das Todtschlagcn der Neger, und die Abolitionisten an vielenOrten stehlen Sklaven, um sie nach Canada in die Freiheit zu schaffen: sie nennendas „Beförderung auf der unterirdischen Eisenbahn". In Neuorlcans wird derspanische Consul mishandelt und muß im Gefängnisse Schutz suchen, weil er keinCubaflibustier ist. In manchen Städten wird Senator Douglas im Bilde gehängtoder verbrannt, weil er die Nebraskabill vertheidigt. In den Straßen da und dortliefern bei Feuersbrünsten die Compagnien der Spritzenleute einander blutige Schlach-ten, statt zu löschen. Raufbolde und Taugenichtse, welche unter der Benennungder Rowdies und Loafcrs die großen Städte unsicher machen und zu einer wahrenPlage geworden sind, mischen sich in die Politik, sodaß ein demokratisches Blatt inNeuyork vor einiger Zeit ausrief: „Wahrlich, es scheint, als wolle der Rowdyismusalle seine frühern Schandthaten noch übertreffen und namentlich die demokratischePartei so weit demoralisircn, daß jeder Mensch, der sich selbst achtet und die Freiheitnicht ohne Ordnung oder Gesittung denken kann, sich von ihr zurückziehen wird.In Californien und hin und wieder in den westlichen Staaten macht auch jetzt noch