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dem Lasser'schen Colleclivantrage sich nicht angeschlossen hatten, zur Abstimmung ge-langten, zeigte sich wieder der tiefe Zwiespalt in der Versammlung. Die Linke wollteim Einzelnen wiedererober», was sie im Ganzen schon verloren hatte, und hofftevielleicht durch Überraschung in besondern Fällen das Entschädigungsprincip aus den!Felde zu schlagen. Die von diesem Plane unterrichtete Rechte und das Centruinersannen den Ausweg, durch eine Vorfrage alle Amendements als durch die An-nahme des Lasser'schen Antrags erledigt zu erklären und eine eigentliche Abstimmungüber die erster» gar nicht zuzulassen. Auf diese Art aus einer Stellung nach derandern vertrieben, fand die Linke die schlechte Genugthuung, daß sie für alle Ab-stimmungen den Namensruf durchsetzte. Unter dieser die Erledigung auf viele Wo-chen hinausschiebenden Maßregel litt sie aber nicht weniger als die Gegner, und soließ sie bald den Antrag fallen. Mit Recht wurde bemerkt, daß die stetige Erklä-rung: „Dieses Amendement ist schon früher erledigt", auf ein systematisches Be-seitigen aller Amendements hinauslaufe und ein solcher Vorgang der Würde derKammer wenig angemessen erscheine. Aber durch die Annahme entgegengesetzterAnträge, wie solches bei der Abstimmung über die einzelnen Amendements nothwen-dig erfolgt wäre, hätte die Würde der Kammer noch mehr gelitten. So blieb we-nigstens die äußere Einheit der Beschlüsse gewahrt. Drei Sitzungen hindurch wahrtedieses für die Neichstagsnütglieder und das Neichstagspublicum gleich unerfreulicheSchauspiel. Jene fühlten durch ähnliche Vorgänge die Autorität der Versammlungweichen, Diese klagten über Mangel an Unterhaltung. Und leider war für die Mehr-heit der -wiener Bevölkerung zwischen dem Ncichstagssaale und deni Komödienhausekein großer Unterschied vorhanden.
Schließlich blieb noch die Weise der Kundmachung der gefaßten Beschlüsse fest-zustellen. Für die Linke war es selbstverständlich, daß es dazu der Mitwirkung derRegierung, es sei denn, daß sie die Publication auf geeignetem Wege besorge, nichtbedürfe. Vollends von einer Sanction durch den Kaiser wollte sie nichts wissen.„Ist denn der Reichstag nicht eine constituirende Versammlung, und gehört nichtdie Aufhebung der Unterthanslasten in die frei zu berathende Verfassung?" ImLasser'schen Collectivantrage war dieser Punkt absichtlich gänzlich Übergängen worden.Allerdings hatten einzelne von Mitgliedern der Linken gestellte Amendements die un-bedingte Veröffentlichung des Neichstagsbeschlusses in Vorschlag gebracht, so z. B.das Amendement Poluczck's. Aber die Majorität hatte dasselbe, wie alle übrigen,als durch frühere Abstimmungen erledigt erklärt. Darüber kam es am 2. Scpt. zuheftigem Streite und zahlreichen Protesten. Das Feuer wurde geschürt, als derMinister Bach unter dem Zischen der Linken erklärte: „Das Ministerium erkenntdie Wirksamkeit des Hauses in doppelter Beziehung an: als constituirende Reichs-kammer, welche die Verfassung mit dem Monarchen zu vereinbaren hat, und als gesetzgebende Versammlung, deren Beschlüsse aber nur durch die Sanction des Monarchen Gesetzeskraft erlangen können." Gegen diese Erklärung reichte am 5. Seplder Abgeordnete Violand nebst 18 Deputirten einen Protest ein, und richtete derAbgeordnete Borrosch eine langathmige, vom stürmischen Beifalle der Linken undder Galerien begleitete Interpellation. Er verlangte vom Ministerium eine schärfereInterpretation der Worte: Sanction und Vereinbarung. Da die Antwort des Mi-nisteriums nicht gleich erfolgte, so verlangte Löhner am 6. Sept. die Sistirung derRedacüo» des Neichstagsbeschlusses, bis die Erklärung des Ministeriums erfolge-Bei der Abstimmung durch Namensaufruf ergab sich eine Majorität von 64 Stim-men (183 gegen 119) gegen Löhner's Antrag. Der Abstimmung selbst folgte einleidiges Nachspiel. Der polnische Abgeordnete Hubicki erklärte, Stadion habe aufillegale Weise die gallischen Bauern influeuzirt, indem er ihnen vorgespiegelt, durchLöhner's Antrag solle der Kaiser vertrieben und die Republik eingeführt werden-Über dem Streite, ob Hubicki Recht habe, oder ob Stadion nicht blos einmal fürseine Zwecke ausgebeutet, was die Linke täglich ohne Widerspruch versuchte, nämlich aufdie Unwissenheit der Baucrndeputircen zu speculiren, verging der Nest dieser und der