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Östreich.
blieb bei dem ersten Kampfe, wie überall so auch hier, freiwillig im Hintergründe.Für die Mehrzahl der Bewegungsmänner, welche die Revolution nur im Lichte deslustigen Maiaufstandes kannten, erschien der Kampf vorüber und der Sieg errungen.Via» schleppte sich in den ersten Tagen nach dem 6. Oct. mit den erbeuteten Waffenherum, machte Barrikadenpromenaden, rühmte sich der verübten Heldenthaten undpochte auf die „hunderttausend Arme", welche der Freiheit zu Gebote ständen. Daßdie Flucht des Kaisers die Märzecrungenschaften nicht beeinträchtige, dafür schien dieGegenwart des Reichstags zu bürgen, dem man auch die Macht zutraute, den Ge-neral Auersperg in Schranken zu halten. Derselbe hatte alle in Wie» garnisoni-renden Truppen an sich gezogen und im Schwarzenbcrg'schen Garten sowie in demdie Stadt beherrschenden Belvedere ein Lager bezogen. Ohne Gefahr war diese Stel-lung wol nicht, da die Stimmung der nächsten Vorstädte entschieden feindlich bliebund die Zufuhr von Lebensmitteln leicht abgeschnitten werden konnte. Doch erschiendie Stellung immerhin für einige Tage haltbar, und binnen wenigen Tagen mußteja die Entscheidung kommen. ' Daß die Aufständischen trotz ihrer numerischen Über-macht (Auersperg hatte nur 12—15000 Mann vereinigt, während die Zahl derBewaffneten in Wien bis auf 100000 angegeben wird) das Lager am Belvedere un-angefochten ließen, wird durch zwei Umstände erklärt. Der Kampf am 6. Oct. hattedie Nationalgarde desorganisirt, die Erstürmung des Zeughauses die vorräthigenWaffen vielfach in untaugliche oder verdächtige Hände geliefert. Die bewaffneteMacht mußte erst neu geregelt und geschult werden, ehe ein Angriff gegen die Armeeversucht werden konnte. Dann fehlte es auch an tüchtiger Leitung, an militärischgeschulten Führern. Weder der Weinhändler Scherzer noch die ihm folgenden Com-mandanten Braun und Spitzhütkl waren im Stande, länger als einige Tage sich ander Spitze der Volkswehr zu behaupten: sie dankten entweder im Bewußtsein ihrerUnfähigkeit freiwillig ab oder wurden durch das Mistrauen ihrer Untergebenen be-seitigt.
Bis zum Abend des 0. Oct. verharrte Wien in schwankender, ungewisser Stim-mung, beschäftigt mit widerspruchsvollen Gerüchten, z. B. daß Jellachich gefangen,daß Kossuth zum Entsahe heranrücke, daß der Kaiser wieder nach Schönbrunn zurück-kehre u. s. w. Die Bevölkerung war abgespannt von den letzten Kämpfen, unbe-kümmert um die Zukunft. Erst am 9. Oct. erhielt die öffentliche Aufmerksamkeiteine bestimmte Richtung, indem die Nachricht von der Ankunft des Banus in Bruckan der Leitha eintraf. Der Ban hatte daselbst 60000 Nationen für seine Trup-pen gefodert und seinen Entschluß, dieselben am nächsten Tage vor die MauernWiens zu führen, ausgesprochen. Die Nacht von, 9. auf den 10. Oct. verging ingroßer,Aufregung, da man einen Angriff der Kroaten befürchtete, unterstützt durcheinen Überfall aus dem Schwarzenbcrg'schen Garten. Auf den Wällen Wiens lager-ten bei Wachtfeuern die Arbeiter und Studenten; auf den Stadtthoren waren Ka-nonen aufgefahren, denen die Bürgerartilleristen mit brennenden Lunten zur Seitestanden; Männer und Weiber aus den untersten Volksschichten hielten die Barri-kaden in den Vorstädten stark beseht. Doch blieb es diesmal bei der bloßen Angst.Jellachich's Truppen, die im traurigsten Zustande den östreichischen Bode» betreten,zeigten keineswegs große Kampflust, und der Ban wollte vorläufig nur seine Verbindung mit dem General Auersperg bewerkstelligen. Der Ban rückte von Schwa-dorf, wo er am 9. Oct. mit 2000 Mann eingetroffen, immer näher an die Liniender Stadt und trieb den Strom der Flüchtigen, der in den ersten Tagen aus Wiensich ergossen hatte, um den plündernden Proletariern zu entgehen, durch die Furchtvor den plündernden Nothmänteln wieder in die Stadt zurück. Bei Enzersdorf kamam 12. Oct. die Verbindung der beiden Armeecorps zustande. Von Rothneusiedlbis nach Mödling und den Abhängen des Wiener Waldes dehnte sich daS Lager desBanuS aus, während die deutschen Truppen gegen den Semmerintz und die Südbabnhin sich concentrirten und am linken Donauufer einzelne Abtheilungen in Erwartungder böhmischen Armee, welche der. zum Feldmarschall ernannte Fürst Windisch-Grätz